Aus für die Plastiktüte

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Die Tage kostenfreier und billiger Plastiktüten sind gezählt. "Gut für die Umwelt", findet Marie. Foto: Debus-Gohl
 
Anika Ewald und Ulrike-Maria Lohmann halten Baumsparkarten bereit. Fotos: Brändlein

Nachdem der deutsche Chemiker und Nobelpreisträger Hermann Staudinger 1917 die Molekülstruktur von Kunststoffen ergründete, trat die Plastiktüte ihren Siegeszug um die Welt an. Trotz der vielen Vorteile, die das Material hat - es ist leicht, haltbar und kann einfach und preiswert hergestellt werden - wiegen die Nachteile ungleich schwerer.

Pro Jahr werden in Deutschland rund sechs Milliarden Plastiktüten verbraucht, weltweit sind es mehr als eine Billion. Das hat teilweise verheerende Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt. Der größte Teil der Plastiktüten ist nicht biologisch abbaubar und nur circa zehn Prozent können recycelt werden.
Laut einer EU-Richtlinie sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Verbrauch ab 2020 auf neunzig Tüten pro Einwohner und Jahr zu verringern, ab 2026 auf vierzig Stück.

Baumsparkarten für Kunden

Der deutsche Handel unterstützt mit einer bis jetzt freiwilligen Regelung die Umsetzung dieser Richtlinie. Erste Konsequenz: Ab dem 1. April sollen Plastiktüten nicht mehr unentgeltlich an Kunden abgegeben werden.
Nicht alle Einzelhändler in Borbeck sind glücklich mit dieser Regelung. „Ich halte gar nichts davon, da ich die Tüten jetzt sowohl beim Einkauf als auch bei der entgeltpflichtigen Abgabe versteuern muss“, ärgert sich Carsten Nothnick, Filialleiter einer Borbecker Buchhandlung. „Wir machen mit einem Hinweisschild die Kunden schon seit Anfang des Jahres darauf aufmerksam, dass ab dem 1. April Plastiktüten nur noch gegen Gebühr abgegeben werden.“
Bei Deichmann hat man gute Erfahrungen gemacht. Ulrich Effing, Pressesprecher des Unternehmens, berichtet: „Wir nehmen seit dem 14. März pro Tüte zehn Cent von den Kunden. Nach unserer Beobachtung wird das auch von der breiten Mehrheit akzeptiert.“
„Wir machen mit“, freut sich Ulrike-Maria Lohmann, Inhaberin der Apotheke am Rabenhorst, „und zwar mit einer ganz besonderen Aktion.“ Ihr sei es wichtig, die Plastikproblematik in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. Die Apotheke verteilt Baumsparkarten an ihre Kunden. Wer bei seinem Einkauf auf eine Einwegtüte verzichtet, bekommt einen Stempel in die Karte. Für zehn gesammelte Stempel wird über die Kinder- und Jugendorganisation „Plant for the Planet“ auf einer stiftungseigenen Fläche in Mexiko ein Baum gepflanzt und damit Regenwald wieder aufgeforstet. "Wir wollen gemeinsam Tüten sparen“, erklärt Lohmann. Wer jedoch nicht auf eine Verpackung verzichten möchte, für den hält das Team vom Rabenhorst recycelbare Plastiktüten und kompostierbare Papiertüten aus Altpapier bereit. "Die können durch ihr besonderes Herstellungsverfahren noch als Biomülltüte verwendet werden."
Schon lange fordern Umweltverbände ein Verbot von Einweg-Plastiktüten, beziehungsweise eine Zwangsabgabe. Als europäisches Beispiel geht Irland voran. Nachdem dort 2002 eine Steuerabgabe in Höhe von 22 Cent pro Plastiktüte eingesetzt wurde, hat sich der Verbrauch auf der grünen Insel um neunzig Prozent reduziert.

Keine Alternative

Für viele Borbecker ist die Plastiktüte schon jetzt keine Alternative. „Beim Einkaufen habe ich immer einen Stoffbeutel in der Handtasche oder einen Korb im Auto“, merkt Renate Sternkopf an. Und wenn sie doch auf eine Plastiktüte zurückgreifen müsse, "finde ich es absolut richtig, dass die auch Geld kostet.“
Auch Anika Ewald hat immer einen Stoffbeutel dabei. „Ich finde es gut, dass der Umwelt zuliebe etwas Geld kostet", erklärt die Apotheken-Filialleiterin. Etwas tun will auch Paul Vogel. "Damit die Insel aus Kunststoffabfällen im Nordpazifik nicht noch weiter anwächst. Ich bin kein Umweltschützer und denke, dass es Plastiktüten weiterhin geben wird, sie dürfen aber ruhig teurer werden, damit die Menschen darüber nachdenken, was sie tun.“
Da aber auch Papiertüten nicht automatisch ökologisch vorteilhafter sind, hilft wohl allein ein Umdenken in der Bevölkerung. "Nur das grundsätzliche Vermeiden von Einwegtüten kann auf lange Sicht der richtige Weg sein."

Text: Doris Brändlein
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