Ausbildungsbilanz: Noch immer mehr Azubis als Ausbildungsstellen

Anzeige
Olcay Dikmen, Auszubildender im 2. Lehrjahr und sein Ausbildungsleiter Michael Kozak.
 
Sabrina Hitzelberger, Azubi im dritten Lehrjahr, und Ausbildungsleiter Michael Kozak.

Das Ausbildungsjahr 2013/2014 ist vor zwei Monaten gestartet. Zeit für eine erste Bilanz. Die zog die Agentur für Arbeit Essen gemeinsam mit den Ausbildungsmarktpartnern der IHK, der Kreishandwerkerschaft und dem Deutschen Gewerkschaftsbund jetzt unter dem Motto „Ausbildung - das bringt uns weiter“.

„Auch wenn sich am Ende die Zahl der unversorgten Bewerber und der nicht besetzten Ausbildungsstellen in etwa entsprechen, können wir auch in diesem Jahr nicht von einem ausgeglichenen Ausbildungsmarkt sprechen“, resümiert Thorsten Withake, Leiter der Agentur für Arbeit Essen. Noch immer gebe es deutlich mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. „Andererseit bleiben Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, weil nicht die geeigneten Jugendlichen gefunden wurden.“ Allein über das Zeugnis und Schulnoten auszuwählen sei nicht mehr zielführend. „Wichtig ist, verstärkt auf die Stärken und Potenziale der Bewerber zu achten“, fordert Withake.

Ausbildungsbereitschaft darf nicht nachlassen

Sein Fazit: „Unternehmen dürfen bei ihrer Ausbildungsbereitschaft nicht nachlassen. Nur dann finden die Betriebe ihre Fachkräfte von morgen und die Jugendlichen ihre berufliche Zukunft“. Auch Hans Michaelsen, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung IHK Essen, sieht in der betrieblichen Ausbildung die beste Vorsorge gegen einen Fachkräftemangel. „Wir können es uns nicht leisten, Ausbildungskapazitäten und Potenziale der Jugendlichen ungenutzt zu lassen.“

Potenziale nicht ungenutzt lassen

Ulrich Meier, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkschaft, sieht die Situation im Handwerk kritisch: „Zunehmend können Lehrstellen im Handwerk nicht besetzt werden. Junge Menschen sind offensichtlich zu einseitig auf Abitur und Studium ausgerichtet.“ Meier setzt auf eine intensivere Darstellung der Chancen der dualen Berufsausbildung im Handwerk. „Damit Jugendliche eine Lehre als gleichwertige Alternative zu einem Studium in Betracht ziehen. Mit dem Meisterbrief oder einem dualen Studium im Rahmen einer handwerklichen Ausbildung sind ebenso berufliche Karrieren bis hin zur Selbstständigkeit möglich wie mit einer akademischen Laufbahn.“ An dieser Wahrnehmung müsse man arbeiten.

Mehr Azubis im Malerhandwerk

Zufriedener fällt die Bilanz des Malerhandwerks aus. „Früher gab es nicht so viele Azubis in Malerbetrieben“, erinnert sich Bernd Rautenberg, Hauptabteilungsleiter Malerwerkstatt Heinrich Schmid.„Heute sind es 120 Auszubildende allein in Essener Malerwerkstätten und 4000 in ganz Deutschland, die den Beruf erlernen.“ Wichti sei, dass Azubi und Betrieb zusammenpassen. „Ein Praktikum reicht aus, um eine Person kennenzulernen und dann entscheiden zu können, ob sie in der Lage ist, so zu arbeiten, wie es in unserem Betrieb wichtig ist“, erklärt Ausbildungsleiter Michael Kozak.

Freie Ausbildungsplätze besetzen

Eine, die all diese Vorausetzungen erfüllt, ist Sabrina Hitzelberger, sie lernt bei den Malerwerkstätten Heinrich Schmidt GmbH in Borbeck. „Ich wollte schon immer eine Ausbildung im Handwerk machen“, erzählt die junge Frau, die sich in ihrem ursprünglichen Beruf als Altenpflegerin irgendwann nicht mehr erfüllt gefühlt hat. „Ich hatte großes Glück, mit 32 Jahren noch für eine Ausbildung angenommen zu werden“, erzählt die Auszubildende im dritten Lehrjahr.
Sabrina Hitzelberger hat es geschafft, für andere geht die Suche weiter. „Die Statistik zum Ende September ist nur eine vorläufige Momentaufnahme“, so Withake. Man werde in den nächsten Monaten weiter daran arbeiten, noch unversorgte Jugendlichen mit noch freien Ausbildungsplätzen zusammen zu bringen.
Wer für 2016 einen Ausbildungsplatz sucht, sollte schon jetzt aktiv werden. Beratungstermine zur Berufsberatung können unter Tel. 0800 4 5555 00 vereinbart werden oder unter www.arbeitsagentur.de per Mail.

Daten und Fakten


3.207 betriebliche Ausbildungsstellen wurden der Arbeitsagentur Essen im abgelaufenen Berichtsjahr gemeldet. 104 mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen 405 außerbetriebliche Ausbildungsplätze. Insgesamt standen somit 3.612 Ausbildungsstellen zur Verfügung.
Demgegenüber nahmen 3.958 junge Leute die Unterstützung der Berufsberatung bei Suche nach einem Ausbildungsplatz in Anspruch., 251 wenigr als im Vorjahr.
Ohne Ausbildungsplatz waren Ende September noch 153 Jugendliche, 92 weniger als im Vorjahr. 151 Ausbildungsstellen galten zu diesem Zeitpunkt noch unbesetzt. Freie Stellen gab es für Azubis zum Koch, Gebäudereiniger, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Friseur, Industriemechaniker etc.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.