Zum Frühstück im Memory-Café singt Freddy Quinn

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Barbara Rahn leitet das Memory-Café. Johanne ist derzeit die älteste Teilnehmerin der fröhlichen Runde. Vor wenigen Tagen feierte sie ihren 90. Geburtstag.Fotos (2): cHER
 
Michael Heliosch versorgt Günter Ottmann mit einer weiteren Tasse Kaffee.

"Möchtest du Wurst oder Käse für dein Brötchen?", fragt Gerda ihre Sitznachbarin. Die beiden Damen verstehen sich prächtig, scherzen, klönen und lachen miteinander. "Ihr habt ja wieder mächtig Spaß", bringt sich Günter von gegenüber ein und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Denn Lebensfreude, Spaß am gemeinsamen Miteinander, das wird im Memory-Café der Caritas Sozialstationen Ruhr im Gemeindesaal St. Maria Rosenkranz großgeschrieben.


Morgens um 10 Uhr kommen die Teilnehmer. "Die meisten werden von ihren Angehörigen gebracht", erzählt Café-Leiterin Barbara Rahn. "Aber wir haben auch drei Fußgänger, die aus der benachbarten Wohnanlage zu uns kommen."

Ab sofort auch donnerstags geöffnet


Seit 2010 treffen sich Menschen unterschiedlichen Alters mit krankheitsbedingten Handicaps in den Gemeinderäumen. "Viele leiden unter einer Demenzerkrankung, andere sind nicht mehr gut zu Fuß", kreist die Altenpflege-Therapeutin den Personenkreis ein, der sich bislang zweimal die Woche - montags und mittwochs - an der Haus-Berge-Straße trifft.
Seit dieser Woche findet das ambulante Gruppenbetreuungsangebot zusätzlich auch donnerstags statt. Von 10 bis 13 Uhr erleben Gerda, Günter, Johanne und die anderen Memory-Café-Gäste einen abwechslungsreichen Vormittag. Los geht es immer mit einem gemeinsamen Ritual: Wie auf Kommando fassen sich die älteren Herrschaften rund um den großen Frühstückstisch an den Händen und schmettern ein lautstarkes "Guten Morgen, liebe Sorgen" in die Runde. Dann wird gesungen. "Danke für diesen guten Morgen". Der Text sitzt. Selbst der der dritten Strophe bereitet niemandem Schwierigkeiten.
Anschließend wird gefrühstückt. Die frischen Brötchen haben Babara Rahn, Café-Mitarbeiterin Martina Stamm-Zunker und Altenpflege-Azubi Michael Heliosch für die Teilnehmer schon einmal aufgeschnitten. Den Rest erledigen die Damen und Herren selbst. Jeder so, wie er an diesem Tag dazu in der Lage ist. "Wir wollen hier niemanden umkrempeln", erklärt Barbara Rahn. Aus dem Kassettenrekorder auf der Fensterbank ertönt leise Musik. Freddy Quinn singt "Junge, komm bald wieder", Lale Andersen von "Lilly Marleen". Immer wieder summt jemand leise mit. Die Golden Oldies aus den 50er und 60er Jahren sind den Café-Besuchern vertraut, wecken Erinnerungen.

Noch ein Brötchen oder lieber frisches Obst?


Das Frühstücksangebot kommt an. Günter und die anderen Männer sagen nicht nein, als Michael Heliosch in Sachen Brötchen noch einmal nachlegen möchte. Die Damen steigen da schon lieber auf Obst um. Die frischen Clementinen, zuvor als herbstliche Tischdeko gedacht, laden zum Verzehr ein. Wer Hilfe beim Schälen braucht, bekommt sie. Das Team um Barbara Rahn wird an diesem Vormittag von einer Bundes-Freiwilligen-Jahr-Absolventin unterstützt. Ebenso wie Michael Heliosch hilft sie regelmäßig im Café aus. "Das ist wichtig, dass die Unterstützung über einen gewissen Zeitraum läuft", erklärt Marco Wittebrock, Geschäftsführer Fachbereichsleitung ambulante Pflege bei den Caritas Sozialstationen Ruhr. Schließlich sollen die Gäste bei ihren Café-Besuchen auf bekannte Gesichter treffen.
Nach dem Frühstück kommt die rote Box auf den Tisch. "Die Frösche haben jetzt Feierabend", verkündet Barbara Rahn und sammelt die knallbunten Plastiktiere, die in den letzten Minuten lustig durch den Raum geschnippt wurden, wieder ein. Schade, findet Herbert und lässt den letzten roten Forsch in Richtung Gerda hüpfen. Die reagiert prompt und fängt das sprunggewaltige Tier geistesgegenwärtig auf. "Fast wäre er in der Kaffeetasse gelandet", lacht sie.

Fußball darf bei Rahn´s nicht fehlen


Dann wird´s ruhig. Konzentriert hören die Café-Besucher Michael Heliosch zu. Der junge Mann ist heute der Vorleser. "Doppelt gemoppelt .." Weiter kommt er nicht. Schon ertönt ein gemeinschaftliches "hält besser" aus der Runde. "Das Geld", beginnt der Azubi, "liegt auf der Straße", lacht Gerda und stößt ihre Nachbarin in die Seite. "Da gehen wir nachher mal gucken", erklärt sie und hat die Lacher auf ihrer Seite.
Dann wird´s sportlich. Im großen Sitzkreis im Nebenraum wird gekickt. "Das darf natürlich nicht fehlen, wenn man Rahn heißt", erklärt die Schwiegertochter von "Boss" Helmut Rahn mit einem Augenzwinkern. Gedächtnistraining, Gesellschaftsspiele und die Vorbereitung eines kleinen Snacks zur Mittagszeit runden das Angebot ab. Heute dürfen sich die Teilnehmer auf Apfelpfannekuchen freuen.

Das Memory-Café ist aber nicht nur ein Angebot für die teilnehmenden Senioren. "Auch die Angehörigen haben etwas davon. Für sie ist es eine kleine Auszeit vom Pflegealltag", weiß Barbara Rahn.

Das Memory-Café ist montags, mittwochs und donnerstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Anmeldung bei Barbara Rahn unter 0152 / 36 91 49 89. Sie berät auch gerne in allen Fragen rund um das Angebot. Ein Fahrdienst kann organisiert werden. Die Kosten für die Teilnahme können zum großen Teil durch die Leistungen der Pflegeversicherung übernommen werden.
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