Nach 0:2-Niederlage gegen Lotte: RWE-Fans fordern Siewert-Rauswurf

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Bis ins Mark getroffen: Fans fordern Rauswurf von Cheftrainer Jan Siewert. Archivfotos: Gohl
 
Sinnbild der Saison: Marcel Platzek trifft beim Elfer nur Aluminium.

Rot-Weiss Essen steht jetzt ganz offiziell „mit dem Arsch an der Wand“: Zweifelsohne stets bemüht unterlag der Traditionsklub am gestrigen Samstag im Stadion Essen dem neuen Spitzenreiter der Regionalliga-West, Sportfreunde Lotte, mit 0:2. Obwohl Lotte weit hinter den eigenen Möglichkeiten blieb, waren die verunsicherten Gastgeber völlig überfordert. Ein später Elfmeter wird für Cheftrainer Jan Siewert zum Sinnbild der gesamten Saison.

Der Blick auf die Tabelle gibt mehr als Grund zur Sorge: Mit aktuell 32 Punkten und jetzt 28 Spielen steht der RWE auf Rang 15, davor mit 34 Zählern die Reserve des FC Köln, während Rot Weiss Ahlen und SV Rödinghausen auf den Plätzen 12 und 13 jeweils 36 haben. Hinter Rot-Weiss lauert Velbert mit zwei ausstehenden Partien und 30 Punkten. Spätestens nach dem freien Fall in die Abstiegszone ist die Oberliga auch für die Fans nicht mehr unvorstellbar. Erwartbar also eigentlich das Ergebnis gegen Spitzenreiter Lotte, die Art und Weise macht aber wenig Mut für die kommenden Aufgaben.

Bis ins Mark

Nach ihrer zwei Spiele andauernden Suspendierung wieder im Kader sind Kasim Rabihic und Marwin Studtrucker: Rabihic vorerst auf der Bank, „Studti“ gleich auf der rechten Offensivseite in der Startelf. Bringt der 25-Jährige Leben in den flauen Essener Sturm? Vorerst nicht, denn die erste Offensivaktion in der 5. Minute gehört den Sportfreunden. Rot-Weiss verliert den Ball im Spielaufbau an Kevin Pires-Rodrigues, der André Dej auf der rechten Seite brillant in Szene setzt. Dej hängt zwei Rot-Weisse ab und netzt zum 1:0 ein – aus sehr spitzem Winkel, durch die Beine von Robin Heller. Lotte ist absolut spielbestimmend, gewinnt das Gros der Zweikämpfe und nutzt geschickt die Lücken in der RWE-Abwehr. Die Essener haben ihre erste Gelegenheit in der 14. Spielminute, als Andreas Ivan Sportfreunde-Schlussmann Benedikt Fernandez umspielt hat, aber aus ähnlich spitzem Winkel wie zuvor Dej bei der 1:0-Führung den leeren Kasten nicht trifft.
Zwei Zeigerumdrehungen später kommt’s noch dicker: Der ehemalige Vereinskollege Kevin Freiberger ist durch und wird nur regelwidrig von Richard Weber gestoppt. Schiedsrichter Mitja Stegemann zieht die rote Karte schon auf dem Weg zum Ort des Geschehens aus der Tasche. Die drückende Dominanz der Sportfreunde lässt Rot-Weiss verzweifeln, mit jeder Minute werden Unsicherheit und Angst der Essener Elf greifbarer. In der 36. fällt schließlich die verdiente 2:0-Führung, vorbereitet wird der zweite Dej-Treffer von Freiberger, der erst Heller austrickst und dann selbstlos für seinen Mannschaftskameraden auflegt. Die West hat die Faxen endgültig dicke und fordert: Siewert raus! „Das trifft ins Mark“, offenbart der RWE-Trainer. Mit dem noch schmeichelhaften Rückstand schleicht Rot-Weiss in die Kabine.
Die zweite Hälfte setzt sich aus unzähligen Fouls und einer Reihe symptomatischer Szenen zusammen. Studtrucker landet nach einer unterirdischen Leistung direkt wieder auf der Bank, für ihn kommt Jeffrey Obst. Der frisch Eingewechselte steht in Spielminute 62 gleich im Zentrum einer für die Hafenstraße doch typischen Eskalation: Foul von Jeron Al-Hazaimeh, Obst wird handgreiflich, Rudelbildung. Es gibt gelb für die beiden Streithähne mit der 25. Nicht genug für einige angestachelte Rot-Weiss-Fans, die mit Bierbechern und Teilen des Zauns auf die Auswechselspieler von Lotte werfen. Ein Gegenstand sitzt, die Sportfreunde müssen übers Feld flüchten. Zur Partie: Benjamin Baier tritt am Mittelkreis zum Freistoß an und trifft tatsächlich den einzelnen, 20 Meter entfernten Lotte-Angreifer. Schlusspunkt ist ein Elfmeter für Rot-Weiss Essen in Minute 90 plus. Marcel Platzek hat offenbar den Mumm, lässt das Leder aber gegen den rechten Pfosten klatschen.

Mit dem Arsch an der Wand

„Ich bin maßlos enttäuscht“, vermeldet Siewert mit steinerner Miene. „Der Elfmeter ist Sinnbild der gesamten Saison.“ Nächsten Freitag geht der Abstiegskampf gegen einen der inzwischen enteilten direkten Konkurrenten weiter: „Wir tun alles dafür, um in Ahlen zu gewinnen! Alles!“ Die von Pfiffen und Beleidigungen begleitete Runde durchs Stadion Essen machte die Mannschaft bereits ohne ihren aktuellen Cheftrainer.
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2 Kommentare
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Gerd Haunschild aus Duisburg | 03.04.2016 | 11:01  
71.892
Bodo Kannacher aus Essen-Süd | 03.04.2016 | 14:14  
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