Uraufführung auf Zollverein

Anzeige

DIVIDED CHAMBER MUSIC - for strings, choirs, bodies and wall


Vergangenen Samstag fand auf Zollverein in Halle 5 im Rahmen des Festivals NOW! eine Uraufführung des Komponisten Jonathan Bepler statt. Der in Berlin lebende Komponist, Musiker und Installationskünstler griff das Festivalthema "Parallele Welten" auf und übertrug es auf die Zeche Zollverein - "Gegensätzliches traf hier aufeinander: Die repräsentative Ästhetik über Tage trägt die Geschichte der Zeche genauso wie die Welt der harten Arbeit unter Tage."
Zu Beginn sah alles nach einem Klassischen Konzert aus: Die zwölf Streicher des Ensemble Ruhr füllten vor einer Metallwand sitzend mit präzise gespielten atonalen Akkorden den Raum. Als hinter der Bühne aufeinander schlagendes Metall zu hören wurde, zeigte sich der Ein oder Andere im Publikum irritiert und dachte, es handle sich um eine Panne. Doch als ein piepender Gabelstapler um die Ecke bog, wurde klar, dass alles zur Performance gehörte. Ein Posaunenquartett (TromboNova) gesellte sich hinzu, die Musiker zerstreuten sich nach und nach im Raum, spielten mal in Quartettformationen, mal als Duo. Berührt wurde das Ruhrgebietspublikum vom Bergmannslied, das zunächst aus dem Off zu hören war. Als die Mauer sich unter mechanischen Geräuschen neigte, wurde der Bergmannschor Männergesangsverein Concorida Lohberg in seinen traditionellen Anzügen sichtbar.
Das Bühnenbild, von Heike Schuppelius konzipiert, verband die ästhetische Schlichtheit des Konzertortes mit der Härte der Arbeitsgegenstände, Metallrohren, Baustoffen.
Während die Musik in der ersten Konzerthälfte auskomponiert und herkömmlich notiert war, waren Fantasie und Experimentierfreudigkeit der Musiker gefragt, als sie nach vorgegeben Elementen und spontanen Angaben des umher wandelnden Komponisten im Raum verteilt improvisierte Elemente zu Gehör brachten und schliesslich nach und nach mit ihren Bögen nicht mehr die Streichinstrumente sondern gespannte Schnüre und "Mauer" strichen. Die Musiker des Posaunenquartettes sowie die engagierten Streicher des Ensemble Ruhr stellten sich der ungewohnten Komposition auf höchsten Niveau, eindrucksvoll angeführt von der Konzertmeisterin Zuzana Schmitz-Kulanova.

Ein lang anhaltender Applaus drückte die Begeisterung des Publikums für diese kurzweilige Performance aus.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.