Altenpfleger, Familienvater und Rapper: Hasib rappt mit Respekt

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  Hasib Habib ist frisch gebackener Altenpfleger und zweifacher Familienvater. Soweit, so erfreulich. Der 28-Jährige Vollblut-Essener und Wahl-Nordessener ist aber zudem auch noch leidenschaftlicher Rapper und Beat-Boxer. Soweit, so ungewöhnlich.

Blutgefäße "pauken": Für Anatomie-Schüler eine ernsthafte und mitunter nicht unknifflige Angelegenheit. Daraus mach' ich einen Rap, sagte sich Hasib Habib, seinerzeit noch Examensschüler im Fachseminar Altenpflege an der Katholischen Schule für Pflegeberufe (KKS).

Für die Performance seines "Examens-Raps" vor mehreren Hundert Gästen in der Gertrudiskirche erhielt der junge Mann damals sehr viel Lob und Anerkennung. Von Besuchern wie Dozenten. Für diesen hatte der Essener mit afghanischen Wurzeln unter anderem anatomisches Wissen („Arterien führen das Blut, das vom Herzen wegfließt und Venen das, was zum Herzen hinfließt“) in knackig-eingängige Rap-Reime gepackt. Habib erinnert sich lächelnd: "Unsere Dozentin kam nach meinem Auftritt zu mir und sagte: Sie haben das verstanden! Hätten Sie mal bei der mündlichen Prüfung gerapt!" Der junge Altenpfleger hat im besagten Rap während der Abschlussfeier aber auch „Insider“ aus seiner dreijährigen Ausbildung „verarbeitet“. Hasib erzählt: „Es ging auch um unsere Dozenten, ich habe den Rap wie ein Rätsel konzipiert und aus Insidern Punchlines erstellt. Das sind lustige Reime.“

Zündfunke war Eminems "8 Mile"

Hasibs Herz schlägt schon lange für den Sprechgesang. Etwa mit zehn entdeckte der in Eiberg aufgewachsene Essener die Hip Hop Kultur. Zündfunke für das Rappen war schließlich der Eminem-Film "Eight Mile“ 2002, in dem es um einen jungen Rapper geht. Später kam das Beatboxing hinzu. Hierbei werden die Klänge von Instrumenten mit Mund, Nase und Rachen imitiert. Eines der Highlights der damaligen Zeit: "Im Bürgerhaus in der Oststadt in Freisenbruch habe ich als Beat-Boxer mit einem französischen Rapper auf der Bühne gestanden“, erinnert sich Hasib Habib, der sich den Künstlernamen „Shah 317“ zugelegt hat.
Bevor der junge Mann schließlich seine Lehre zum Altenpfleger antrat, stellte er seine inzwischen auf YouTube veröffentlichten Videos auf „privat“. „Jemand hatte zuvor eines meiner Videos runter- und wieder hochgeladen und durch den Link hat es 30.000 Aufrufe erhalten“, freut sich Habib, der das Rappen gerne ausbauen möchte. Als Hobby versteht sich, denn dem Familienvater bedeutet sein Beruf als Altenpfleger sehr viel. Hier hat er noch ambitionierte Ziele.

Die Texte vieler Rapper kreisen um Themen, wie Geld, Autos, Drogen, Gewalt und Frauen. Letzteres nicht selten in einer abwertenden Art und Weise. Davon möchte sich Hasib Habib ganz entschieden distanzieren. "Ich würde niemals beleidigend oder frauenfeindlich rappen", sagt er aus voller Überzeugung und fährt fort: "Ich bin in einer Frauenwelt aufgewachsen und für mich ist es selbstverständlich, Frauen zu respektieren.“ Mehr noch: „Für mich sollten Frauen die Hosen anhaben, dann finden Männer ihren Weg," sagt er augenzwinkernd. Die Eltern und Geschwister des jungen Musikers waren zu Beginn nicht so begeistert über die Rap-Ambitionen ihres Familienmitglieds. Längst wissen sie aber: Es ist "nicht schlimm", was Habib rappt. Und Hasibs Mutter ist mächtig stolz auf ihren Sohn.

Hasibs rappt über: „Positive Dinge, Dinge, die Hoffnung geben und gute Laune machen“, sagt dieser und fährt fort: „Ich kann Menschen zum Lachen bringen und versuche, ihnen positive Energie zu geben.“ Hasib rappt nicht „Freestyle“. Hinter dem Begriff verbirgt sich, wenn Rapper die Reime spontan und ohne Vorbereitung vortragen. Hasib erklärt: „Die Kunst liegt darin, Texte zu kreieren. Das ist anspruchsvoll. Mir gehen sehr oft Dinge durch den Kopf, auch unterwegs. Dann reihe ich Wörter aneinander und bilde Reime, die ich mithilfe der Memofunktion in mein Handy eingebe.“ Die Intros für seine Lieder spielt der rappende Altenpfleger auf Keyboard oder Gitarre selbst.
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