Kommunale Flüchtlingspolitik und die soziale Schere

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Die Zeltstädte sind nur in der Größe unterschiedlich, die Zeltstrassen bleiben sich gleich - hier ein Bild vom Altenbergshof im Nordviertel
 
Die grüne Bezirksvertreterin Christiane Wandtke im Mathias Stinnes-Stadion. Seit einigen Monaten hat die Stadt hier ein "Zeltdorf" aufgebaut , in dessen Zelten fast 700 Menschen leben müssen.
Essen: Altenessener Straße |

Die Schere armer Norden – reicher Süden geht in Essen durch die Wahl der Standorte für Flüchtlingsunterkünfte immer weiter auseinander.


Jeder Stadtteil hat gute Argumente gegen den Flächenfraß, den die Neubauten einfacher Art, mit dem die Stadt auf den Bevölkerungszuwachs durch Flüchtlinge reagieren will, mit sich bringen. Im Süden sind es häufig Landschaftsschutzgebiete, die keinesfalls angetastet werden sollen. Im Norden versucht die SPD ungeschickt gegen die Ansiedlung von noch mehr prekär lebenden Menschen zu protestieren. Dass sie mit ihrer Wortwahl den Rechtsextremen in die Hände spielt, ist ein Skandal und lenkt von den eigentlichen Problemen ab.

Nachverdichtungspotential nutzen!

Ein Problem ist die Flächenversiegelung. Essen hat großes Nachverdichtungs-potenzial. In allen Stadtteilen gibt es Baulücken, die darauf warten, mit Mehrfamilienhäusern bebaut zu werden. Die Verwaltung argumentiert allerdings, dass man bei der Menge der Flüchtlinge, die unterzubringen sind, nicht in so kleinen Maßstäben denken kann. Es soll schnell und günstig viel Wohnraum entstehen. Nachhaltige Politik sieht allerdings anders aus!
Durch die Versiegelung von bisher freien, mit z.T. Pionierwäldchen bestandenen Flächen, gehen mit dieser Baustrategie gerade in stark besiedelten Stadtteilen auch Klima ausgleichende Frischluftschneisen verloren.

Ein weiteres gravierenderes Problem ist der soziale Friede in Essen!


Oberbürgermeister Thomas Kufen hat es jetzt in der Hand, ob der Großteil der Menschen in dieser Stadt die Flüchtlinge mit offenen Armen aufnimmt. Noch ist steuerbar, ob der wohlhabendere Süden mit vergleichsweise wenigen Flüchtlingsunterkünften weiter lebt wie bisher unter dem Motto: „Flüchtlingskrise? Nicht bei uns!“, während die Stadtteile im Norden die Herausforderungen im Umgang so vieler auf engstem Raum lebender Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung überwiegend meistern sollen.
Natürlich gibt es zwischen Altenessen und Katernberg viele Beispiele für gelungene Integration, für ein bereicherndes Miteinander. Aber zu häufig findet im Essener Norden ein Vorurteils beladenes Nebeneinander der Bevölkerungsgruppen statt. Probleme ansprechen bedeutet manches Mal, als „Nazi“ beschimpft zu werden. Sich für Gleichberechtigung und Integration einzusetzen, zieht unter Umständen nach sich, dass man als "Gutmensch" spöttisch abgetan wird. Da spreche ich aus eigener Erfahrung.
Es braucht viel Zeit und viel Geduld und als Voraussetzung die Bereitschaft über den eigenen Tellerrand zu blicken, um gegenseitig die andere Kultur zu akzeptieren und kennen zu lernen. Es braucht Geld und Fachkräfte, um Integrationsprojekte anzuschieben, zu begleiten und zum Erfolg zu führen. Der Norden der Stadt Essen ist schon seit Jahrzehnten voll damit beschäftigt.
Die Menschen haben wenig Zeit oder Geld und sind häufig mit ihrer Geduld und Kraft am Ende – auch im Anbetracht der großen Zahlen an Flüchtlingen vor Ort. Die Stadtteil-Projekte die gut laufen, sind zu rar gesät und knapp finanziert, wie in Zeiten leerer Kassen nicht anders zu erwarten.
Die Verteilung der Flüchtlinge in der Stadt Essen sollte fair verlaufen, um den sozialen Frieden zu wahren und zu verhindern, dass Menschen in den Stadtteilen sich abgehängt fühlen.

Christiane Wandtke, Bezirksvertreterin B´90/Die GRÜNEN in der BV V

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2 Kommentare
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Detlef Wasgien aus Essen-Nord | 26.01.2016 | 15:21  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 26.01.2016 | 17:24  
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