Den Donaustrudel entdecken

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    Regensburg: Dom |

Fast 2.000 Jahre Stadtgeschichte, eine mittelalterliche Stadtkulisse und das Flair einer lebendigen Universitätsstadt machen Regensburg zu einem interessanten Reiseziel. Nicht nur, wenn der Weihnachtsmarkt die Altstadt in ein Lichtermeer verwandelt, ist die Stadt am nördlichsten Punkt der Donau eine Reise wert. Das ganze Jahr über gibt es in den engen Gassen, am Flussufer und in den zünftigen Biergärten viel zu sehen. 1.000 Baudenkmäler, 20 Museen und 30 Galerien warten rund um den Dom darauf entdeckt zu werden.

Besiedelt war die Region schon in der Steinzeit, doch die Blütezeit der Stadt beginnt vor zwei Jahrtausenden mit dem ersten römischen Heerlager an der Mündung des Flusses Regen in die Donau. Ab dem 9. Jahrhundert gewann die Stadt rasch an Bedeutung. Damit ist die Grundlage gelegt für die Entwicklung einer Stadt, die später zum Bischofssitz wird, die im 12. und 13. Jahrhundert durch den Fernhandel zu unglaublichem Reichtum kommt und in der im Jahre 1663 das erste deutsche Parlament tagt. Jede dieser Epochen hat das Gesicht der Stadt verändert und Baudenkmäler hinterlassen. Den zweiten Weltkrieg hat die Altstadt zu 90% unzerstört überstanden, während zum Beispiel Nürnberg nur zu 6% erhalten blieb und viel von seinem historischen Gesicht verloren hat. Daher ist die Geschichte in der 152.000-Einwohner-Stadt Regensburg sehr gut sichtbar. Auch deshalb wurde der Stadtkern im Jahr 2006 in die Liste des UNESCO-Welterbes der Menschheit aufgenommen.

Doch Regensburg ist alt und jung zugleich. Die Universität und ein abwechslungsreiches Kulturangebot sorgen genau wie zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten dafür, dass zwischen den alten Gemäuern keine Langeweile aufkommt. Wer durch die Straßen geht, taucht immer wieder in die Geschichte ein. So entdeckt man eine Patrizierburg, in der einst reiche Händler lebten. Geschicktes Wirtschaften mit arabischen und römischen Zahlen und der Mut zum Risiko halfen den Händlern, ihren Wohlstand und damit ihre Macht in der Stadt auszubauen. So konnten sie sich schon damals eigene Brunnen und verglaste Fenster leisten und das Leben genießen. Besonders gut erhalten ist das Runtingerhaus in der Keplerstraße aus dem 13. Jahrhundert. Wer Zeit hat, sollte sich nicht nur die Häuser, sondern auch die Plätze der Stadt anschauen. Der Haidplatz, als zentraler Platz der Altstadt, hat die ungewöhnliche Form eines Dreiecks, da er einst an der Gabelung einer Straße lag. Direkt an diesem Platz befindet sich das Thon-Dittmer-Palais mit seinem Renaissance-Arkadenhof. Im Sommer finden dort Konzerte wie das Jazz-Weekend und Theateraufführungen statt. Eine Statue mit Schädel und Sanduhr erinnert an die Vergänglichkeit. Das Schloss an der Tür zur Kapelle hat einen besonderen Beschlag, der müde Heimkehrer dank einer Schlüsselrutsche auch zu später Stunde das Schloss treffen ließ.

Das Rathaus, ausgestattet mit Tanzsaal und Folterkammer, ist Treffpunkt für offene Stadtführungen, an denen man in der Woche um 10:30 Uhr und am Wochenende zusätzlich um 14:30 Uhr ohne Voranmeldung teilnehmen kann. Auf die Wand des Gebäudes gemalte Elemente wirken fast wie echt, sodass man von Scheinarchitektur spricht. Sehr handfest waren hingegen die an der Rathausmauer angebrachten Maße. Diese dienten dazu, das richtige Maß für Holz, Stoff und andere Waren zu ermitteln und Betrug zu verhindern. In einer Seitengasse steht das Denkmal für Ritter Johann von Österreich. Er beendete die osmanische Expansion und wird mit dem Fuß auf dem abgeschlagenen Kopf eines Feindes dargestellt. Geprägt wurde die Stadt von zwei besonderen Bauwerken. Im 13. Jahrhundert begann der Bau des Doms St. Peter mit zwei 105 Meter hohen Türmen. Das gotische Bauwerk ist mit Szenen aus der Bibel verziert und auch für die Auftritte des Knabenchors „Regensburger Domspatzen“ bekannt. Wer durch den über sechs Jahrhunderte erbauten Dom geht, entdeckt in der Nähe des Altars den verschmitzt lächelnden Engel der Verkündigung. Genauso imposant ist die ab 1135 in nur elf Jahren gebaute Steinerne Brücke über die Donau. Diese verbindet die Altstadt mit dem heutigen Vorort Stadtamhof. Nach Abschluss der 20 Millionen Euro teuren Brückensanierung kann man vom eisernen Steg einen Blick auf die einst 330 Meter lange Brücke mit ihren 15 Bögen werfen und im Hintergrund das Panorama der Stadt genießen. Bis das im Jahr 2017 soweit ist, kann man sich bei einem Spaziergang über die Jahninsel und den „Unterer Wöhrd“ die Füße vertreten und die lebendige Geschichte wirken lassen. Nach Fertigstellung wird auch das Brückenmännchen wieder seinen Platz auf der Steinernen Brücke finden. In deren Nähe soll der von Schiffen gefürchtete Donaustrudel die Lebensader der Stadt zu einer großen Gefahr gemacht haben.

Gleich neben der Steinernen Brücke sind die Anlegestellen der Ausflugsschiffe. Mit denen kann man nicht nur eine interessante Rundfahrt machen, bei der man viel über die Geschichte der Stadt erfährt, sondern auch einen Ausflug zum Ehrentempel Walhalla. Das von König Ludwig I. von Bayern erbaute Nationaldenkmal liegt hoch über der Donau. Mit seinen 52 Säulen ist der geschichtsträchtige Ort ein interessantes Ausflugsziel. Wer Zeit hat, sollte auch das fürstliche Schloss Thurn und Taxis besuchen. Schloss St. Emmeram und der zugehörige Park liegen am Rande des Stadtzentrums in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof.

Auch kulinarisch hat Regensburg Abwechslung zu bieten. Direkt am Ufer der Donau kann man in der historischen Wurstküche regionale Spezialitäten wie Bier, Sauerkraut und Wurst mit süßem Senf probieren. Vielseitiger ist die Küche zum Beispiel im Haus Heuport in einem mittelalterlichen Patrizierhaus direkt gegenüber dem Dom. Bei einem Aufenthalt in Regensburg gibt es viel zu entdecken. Ob man im Besucherzentrum Hintergründe zur Geschichte der Stadt erfährt, der Herkunft der geflügelten Worte „grüner Tisch“ und „lange Bank“ nachspürt oder einfach die bayerische Lebensart erlebt, in den mittelalterlichen Gassen von Regensburg warten viele Eindrücke.
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Bernfried Obst aus Herne | 27.12.2014 | 17:19  
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