Heimspiel ¡Olé!

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Das Essener Gitarrenduo Bernd Steinmann (l.) und Stefan Loos hatten ein Heimspiel in den Räumen von „kunstwerden“. Foto: Bangert

Umjubeltes „My Spanish Dream“ Konzert des Essener Gitarrenduos in kunstwerden



Ihr Repertoire umfasst klassische Gitarrenmusik, barocke Gitarrenmusik, spanische Gitarrenmusik und Flamenco. Offiziell tragen sie den Namen „Essener Gitarrenduo“ erst seit 2007. Aber die Gitarristen Bernd Steinmann und Stefan Loos feierten im vergangenen Jahr ihr nun schon 25-jähriges Bestehen als Team.

Grund genug, um eine Jubiläums-CD aufzunehmen. Durch Martin Breuer am Bass und Schlagzeuger Peter Eisold zum Quartett ergänzt, glänzen die Gitarreros auf „My Spanish Dream“ mit eigenen Kompositionen, einer muntere Mischung von Flamenco, Rumba, Walzer, Klassik und Jazz. Grund genug für die beiden Werdener, mit einem „Heimspiel“ im Abteistädtchen den vielen Freunden ihrer Kunst Gelegenheit zum Schwelgen zu geben. Grund genug, sich frühzeitig einen der Plätze zu sichern, denn pickepackevoll ist der Saal gefüllt, bei „kunstwerden“ freut man sich auf die beiden Lokalhelden. Ihnen wurde sogar der rote Teppich ausgerollt…Nein, der liegt noch von der Eröffnungsperformance da, mit der Miriam Giesslers Ausstellung „Art goes fashion“ begann.

Flamenco

Die ersten Klänge nehmen das Publikum direkt mit, mit „Rumba Chico“ oder „Number One“ sind die Ohren sofort gefangen. Bernd Steinmann erklärt den Titel My Spanish Dream: „Ehrlich wahr, von der Melodie habe ich geträumt, bin wachgeworden, habe Stift und Notenblatt gezückt, die Melodie ein bisschen variiert. Eine kleine, romantische Nummer!“ Stefan Loos grinst bei diesem kleinen Intermezzo, nicht zum ersten und ganz gewiss nicht zum letzten Mal. Gerne wird ein bisserl erzählt, geflachst, zwischendurch Informatives eingestreut. Man merkt sofort: Da sind Zwei, die haben Spaß an dem, was sie da tun. Vielleicht sind die Augen nicht mehr so gut, Steinmanns Brille ist kaputt, der Ersatz reicht weder hinten noch vorne, doch irgendwie geht’s schon. Auch Loos hat da so seine Malaise mit der Sehkraft, überhaupt wollen die Knochen nicht mehr so, der Rücken schmerzt. Aber irgendwie nimmt man den Beiden die Wehwechen nicht ab, denn nun donnern die Gitarren los.
Steinmann wechselt zur Flamencogitarre, aus Zypressenholz, los geht’s mit „Spanish Dance“ in c-moll, übrigens Lieblingstonart von Beethoven, wie Loos einwirft. Auf Teufel komm raus wird improvisiert, die Gitarren „unterhalten“ sich, dienen als Klopfinstrument, wer braucht da Kastagnetten? Bei „Gypsy Rumba“, da träumen die Musiker vom Mittelmeer, die Hitze flirrt, der Wein hat kräftig Tannine geladen…

Nicht nur lustig

Bernd Steinmann ist ein Reisender, ein Suchender, tauchte in die südspanische Atmosphäre ein, teilt seine Einblicke mit dem Publikum: „Flamenco ist ja nicht nur lustig. Analog zum Blues der Afro-Amerikaner ist er die Musik der Unterdrückten, der Außenseiter. Viele der Gitanes sind Analphabeten, bekommen keine Arbeit. Denen geht es nicht gut, das drückt sich im Flamenco auch aus!“ Das Programm wird kurzerhand umgeworfen, das fröhliche Stück „El Solecito“ passt nun genau da hin. Übrigens lupenreiner Pop. Nach der Pause „mit Currywurst und Eierlikör“ nimmt Stefan Loos mit in die Karibik, seine Mutter stammt von einer dieser kleinen Inseln in der Sonne. Die Melodien klingen lateinamerikanisch, aber doch vertraut, haben den Anklang europäischer Salonmusik. Loos muss prusten: „Ich sach ja immer, datt wär Chopin mit Hüftschwung…“

Tauschgeschäft

Nun ein Klassiker der Gitarre, „gaaanz romantisch“: Das weltbekannte Concierto de Aranjuez vom großen Spanier Joaquín Rodrigo Vidre, hier Auszüge aus dem zweiten Satz, wird gefolgt von „Don Pedro“, dann erzählen die Beiden von ihrem unvergessen Deal „Tausche Hauskonzert gegen Ferienhaus“. Das stand in Marbella, direkt am Strand, das Duo verbrachte schöne Tage. Und tanninschwangere Nächte. Das Stück „Marbella“ wird von Bernd Steinmann nüchtern angekündigt: „Machen wir uns nichts vor, das ist eine Schnulze!“ Das restlos begeisterte Publikum tobt. Natürlich kommen die Saitenhelden nicht ohne Zugabe davon, die Gipsy Kings, warum denn nicht? Hinterher ist man sich einig: „Schön war’s!“
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