Besuch von den „Großen“ - Kooperation von Gymnasium Werden und Ludgerusschule im „MINT“-Projekt

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In den ersten beiden Stunden gab es Mathe und Deutsch. Die Zweitklässler stehen in Zweierreihen, mit großen Augen und halb hoffnungsfrohem, halb verschüchtertem Blick: „Was erwartet uns da?“

„Da“, das ist der schicke Pavillon der Ludgerusschule. Im ersten Stock warten bereits rund acht Jahre ältere Gymnasiasten auf ihren Physik-Nachwuchs. Denn heute geht es um „Schweben und Sinken“, also physikalische Phänomene.
An neun Stationen warten interessante Experimente auf die Kleinen, sie werden in Kleingruppen betreut von MINT-Botschaftern, die mit ihnen gemeinsam viel Erstaunliches über erfahren, wie es sich so verhält mit Wasser und den verschiedensten Materialien: „Was geht unter, was schwimmt obenauf?“ Steine, Korken, Schwämme, Plastik, Holz, Metall. Alle Materialien verhalten sich anders, das haben die Kleinen in „freier Wildbahn“ bestimmt auch schon gemerkt, nun wird es aber in ein physikalisches Experiment gepackt, beobachtet, dann entsprechend im „Forscherbuch“ notiert. Wissenschaftliches Arbeiten. Probieren, tüfteln, aber eben auch „kommunizieren“, die Älteren müssen ihre Sprache vereinfachen, die Jüngeren lernen, dem „das Ding da“ einen korrekten Namen zu geben.
Wenn ich den kleinen Stein in den Becher lege, steigt der Wasserspiegel nur ein bisserl. Aber beim größeren Stein? Schwupps, das Wasser steigt und steigt, über die bisherige Markierung hinweg.
Die Hand in einem Plastikhandschuh ins Wasser tauchen, es wird eng, irgendwie komisch, fast schon eklig: „Iiiiihh!“ Das Wasser hat ganz schön Kraft, übt mächtig Druck aus.

Ein Geheimnis

Drei Würfel. Gleich groß, aber verschieden schwer: der eine aus Stein, die anderen aus leichtem und schwerem Holz. Ins Wasser getaucht, verraten sie ihr Geheimnis, einem der Grundschüler fällt es auf: „Die drücken ja alle das Gleiche weg!“ Tja, es ist nämlich egal, wie schwer der Würfel ist, nur die Größe ist wichtig…
Dr. Marcus Kohnen ist Chemie- und Biologielehrer und betreut das Projekt von Seiten des Gymnasiums Essen-Werden. Auch er hat die Studie gelesen, nach der es in zehn Jahren aufgrund von Pensionierungen zu wenige Kollegen geben wird. Fachleute warnen vor einer dramatischen Verschärfung des Lehrermangels in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern. Auch ist es durch die Schulreform für Oberstufenschüler unmöglich geworden, gleichzeitig Leistungskurse sowohl in Chemie als auch in Biologie zu belegen.
Doch die Kleinen haben Spaß. Eine fast schon irritierende Arbeitsatmosphäre. Immerhin reden wir hier von Zweitklässlern! Sehr ruhig, höchst konzentriert, die Grundschüler geradezu übereifrig. Jeder hat einen Ordner mit Arbeitsblättern, da kann man seine Beobachtungen „ganz kurz“ notieren. Deswegen ganz schüchtern die Nachfrage: „Darf ich auch zwei Sätze schreiben?“ Birgitta Schütz-Kelch, Klassenlehrerin der 2b, ist sehr angetan von ihren Schützlingen: „Vorher wussten sie nicht so recht, doch jetzt sind Alle ganz begeistert. Da werden die gleich von erzählen!“

Roter Faden

Drei Systeme der Altersentwicklung sollen zukünftig verzahnt werden, die Übergänge von Elementar- über Primar- zum Sekundar-Bereich vereinfacht werden. Das Projekt soll sich wie ein roter Faden durch die Systeme ziehen - also von den 5-Jährigen bis zum Abitur. Die Klammer dieser Bemühungen, die Scheu vor dem Unbekannten, dem und den „Größeren“ abzubauen, bilden die Naturwissenschaften und die Technik, das „N“ und das „T“ in „MINT“.
Die Kindergartenkinder lernen die Grundschule kennen, deren Schüler schnuppern schon mal ganz zwanglos ins Gymnasium rein. Und zwar bald, Dr. Marcus Kohnen ist die Vorfreude bereits anzumerken: „MINT soll ja eine feste Institution werden, mehr sein als nur ein einmaliges Event. Noch vor den Osterferien werden Drittklässler der Ludgerusschule zu uns ins Gymnasium kommen. Dann wird es um Chemie gehen!“
Chemie? Das ist doch, wenn es knallt und stinkt? Au klasse, da gehen wir hin!
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