„Das wird gut sein für Werden!“ Bezirksvertretung ist „ohne Bedenken“ für das Verkehrskonzept

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Blick auf Abteistraße (l.) und Brückstraße. Foto: Archiv
 
Die Grenzwerte Feinstaub und Lärm werden in der Brückstraße überschritten. Foto: Archiv

In der Sitzung der Bezirksvertretung stellte Rainer Wienke, seines Zeichens stellvertretender Fachbereichsleiter beim Amt für Straßen und Verkehr, den aktuellen Stand der Planungen vor.

Es gab aufgrund vieler Anmerkungen aus der Bürgerschaft und der BV selbst die eine oder andere Änderung, so wurde zum Beispiel der Bereich des Parkplatzes am Kastellgraben noch umstrukturiert.
Überhaupt habe sich die Gesamtbilanz der Stellplätze verbessert, an der Abteistraße fallen 31 weg, an der Brückstraße werden es 10 mehr, der Kastellgraben kann zukünftig 15 Autos mehr aufnehmen. Wienkes Gesamtbilanz, drei neu geschaffene Ladezonen nicht eingerechnet: „Insgesamt sind es sechs Stellplätze weniger.“ Sollte der geplante Ortsbus nicht durch das letzte Stück Klemensborn, sondern durch die Kellerstraße fahren, könnten noch zusätzliche Parkplätze entstehen.

Konflikt in der CDU

Im Laufe der sich anschließenden Wortmeldungen brach wieder der offene Konflikt in der CDU auf. Da diese über neun der insgesamt 19 Bezirksvertreterplätze verfügt, immer ein entscheidender Faktor bei Abstimmungen der BV. Deren „Urgestein“ Hanslothar Kranz unterstrich seine Ablehnung, untermauerte diese mit Gegenargumenten: „Wir von der CDU Werden stehen dem Konzept kritisch gegenüber. Es entspricht nicht dem Ratsbeschluss der Reduzierung um 25 Prozent, verlagert nur, und zwar zu Lasten der Nebenstraßen, die teilweise deutlich höher belastet werden. Wir finden, dass keine Bürgerbeteiligung durchgeführt wurde, die Verkehrsuntersuchung wurde zurzeit der großen Kanalbaustelle durchgeführt und verfälscht daher die Ergebnisse. Wir können nicht einfach einen Strich drunter machen, sondern müssen uns ernsthaft Gedanken machen über die Nebenstraßen.“
Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann konnte sich die Spitze nicht verkneifen: „Du sprichst nicht für die gesamte CDU, nur für deine Freunde, von denen einige in der CDU sind.“ Kranz fühlte sich angegriffen: „Demokratie lebt doch von der freien Meinungsäußerung!“

"Die Gesundheit in Gefahr!"

Patrick Widmaier ließ die Historie Revue passieren: „Wie sind wir zu diesem Punkt gekommen? Die hohe Verkehrsbelastung, Überschreitungen der Grenzwerte Feinstaub und Lärm in der Brückstraße, brachten ein EU-Verfahren in Gang. Hier ist die Gesundheit der Menschen in Gefahr, deswegen haben wir angefangen. Die CDU Heidhausen pochte zunächst darauf, sich mit einer Ortsumgehung zu beschäftigen. Aber so ist keine signifikante Reduzierung möglich, das ist schade, das Verkehrsgutachten ernüchterte doch gewaltig.
Als dann der Klemensborn gesperrt war wegen der Kanalbaustelle, entfiel der Querverkehr. Und siehe da, der Verkehrsfluss war deutlich besser. Aus dieser Beobachtung entwickelte sich das Verkehrskonzept. Wir schaffen es, die Probleme in den Griff zu kriegen! Die BV war hier sehr bürgernah, hat eigens zwei Sitzungen in der Aula des Gymnasiums abgehalten. Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden! Ich spreche für die CDU-Fraktion ohne Hanslothar Kranz.“

Moderationsverfahren Grüne Harfe

Ähnlich äußerten sich die anderen Ortspolitiker. Die Hauptkritikpunkte: das Buskap als "sinnvollere Alternative" zur Haltestelle beschleunige die Vorgänge? Das wollten die Bezirksvertreter nicht glauben. Auch der Wegfall des Übergang zwischen Deutscher Bank und Basilika wurde bedauert, wobei Rainer Wienke betonte, dass es dadurch für Fußgänger nur geringe Umwege, aber auf der Straße eine Beschleunigung durch eine wegfallende Ampelschaltung geben werde.
Daniel Behmenburg begrüßte für die SPD, dass nun die Ergebnisse des Moderationsverfahrens zur Grünen Harfe berücksichtigt würden: „Wir sind da in der Pflicht!“ Ulla Lötzer (Linke) stellte klar: „Keiner ist begeistert, dass die Reduzierung nicht möglich ist. Aber die Maßnahmen sind nötig, mir fehlt da noch der Ausbau des ÖPNV.“
Anna Leipprand von den Grünen hielt ein flammendes Plädoyer: „Je länger ich mich mit dem Konzept beschäftige, desto besser finde ich es. Werden bekommt einen Ortskern, der den Namen auch verdient. Das wird viel freundlicher und lädt zum Bummeln und Verweilen ein. Das Konzept kann den Verkehr nicht wegzaubern, aber besser organisieren. Das wird gut sein für Werden!“
Der Freidemokrat Hans Joachim von Hesler-Wirtz lobte den außerordentlichen Realismus, mit dem „nach intensiver Zusammenarbeit“ sich die Verwaltung städtebaulich an den Realitäten orientiert habe. Auch Holger Ackermann begrüßte das Konzept mit dem Bewusstsein, das es kein großer Wurf sei, aber eine Verbesserung. Die Reduzierung könne nur jeder Einzelne erreichen: „Einfach mal das Auto stehen lassen!“

17 zu 1

Nach so viel Zustimmung war der Abstimmungsergebnis zu erwarten: 17 der 19 Bezirksvertreter stimmten ihm „ohne Bedenken“ zu, Hanslothar Kranz stimmte dagegen, Herbert Schermuly fehlte erkrankt. Zwei Tage später beschloss der Bau- und Verkehrsausschuss das Konzept, nun werden weitere Anregungen aufgenommen und die Planungen zur Baureife entwickelt. Dann wird etwa zum Jahresende der Rat den Baubeschluss zur Mittelbindung vornehmen. Daraufhin könnten die Ausschreibungen erfolgen und Anfang 2017 die ersten Arbeiten beginnen.
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