Eine echte Essener Titus-Premiere

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Hat spektakuläre Einsätze vor sehenswerter Kulisse: Der Opernchor des Aalto-Theaters. (Foto: Thilo Beu)

Hat Wolfgang Amadeus Mozart sein letztes Bühnenwerk kurz vor seinem Tod in nur 18 Tagen geschrieben? Oder hat er sich doch zwei Jahre lang mit dem Stoff beschäftigt? - Die Gelehrten streiten sich.

Die Oper Titus kann man mögen. Muss man aber nicht, denn sie hat - besonders im ersten Akt - einige Längen.
Dennoch: Was Frédéric Buhr in seiner ersten Regiearbeit am Aalto-Theater daraus gemacht hat, kann sich sehen - und hören - lassen.
Musikalisch begeistern die Sängerinnen und Sänger des Aalto-Ensembles, mit denen die sechs Partien gekonnt besetzt wurden. In der Titelrolle des stets milden Titus: Dmitry Ivanchey.
Unter der musikalischen Leitung von Tomáš Netopil wird die Aufführung mit den Essener Philharmonikern zum erfreulichen Erlebnis.
Die Handlung: Titus hat als Kaiser den römischen Thron bestiegen. Sein nobler Vorsatz: gerecht und voller Gnade regieren, niemals unnötige Strenge walten lassen. Dann aber wird er Opfer eines Anschlags: Ausgerechnet sein treuer Freund Sesto will ihn ermorden, angestachelt von dessen Liebhaberin Vitellia, die sich als rechtmäßige Kaiserin sieht. Als Titus niemandem mehr trauen kann, muss er sich die Frage stellen, ob seine Milde, die „clemenza“, noch der richtige Weg ist...
Während im ersten Akt das Bühnenbild - in den Wartebereich eines Flughafens verlegt - trotz bewegter Video-Sequenzen - noch etwas starr wirkt, kommen im zweiten Akt die Freunde der spektakulären Effekte auf ihre Kosten: Goldener Flitter regnet auf die Zuschauer herab, die zuvor noch von kräftigen Böllerschüssen in ihren Sitzen durchgeschüttelt wurden.
Stilvoll und stimmig das Raumkonzept (Frédéric Buhr), das Bühnenbild (Thorsten Macht) und die Kostüme (Regina Weilhart).
Der Opernchor schreitet von der Bühne und singt kraftvoll ganz nah am Rande des Publikums. Dies gefällt.
Ebenso der Schluss-Applaus mit kleiner musikalischer "Zugabe", die in Opern-Inszenierungen in dieser Form unbekannt ist.
Unterm Strich: Zwei Stunden mit sehens- und hörenswerten Momenten, die Sie sich als fünfte und damit letzte Premiere der Spielzeit nicht entgehen lassen sollten.

Weitere Vorstellungen: 7., 9., 11., 22., 24., 28., 30. Juni; 2. Juli 2017
Zu jeder Vorstellung findet eine halbe Stunde vor Beginn ein Einführungsvortrag im Foyer statt.
Karten-Telefon: 0201 / 81 22-200
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