„Für’s Wissen habt ihr noch ein ganzes Leben“

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Die 16 Frauen der Berliner Schule haben wieder zusammengefunden.
 
Christel Honecker zeigt Margret Kalisch ihr Leben in der Schweiz.

„Die Acht haben wir mittlerweile alle vorne stehen“, erzählt Margit Schleinkofer, beim Klassentreffen im St. Elisabeth Pfarrheim. Vor 65 Jahren hat sie die Berliner Schule in Frohnhausen verlassen sowie die anderen 15 Frauen, die sich heute treffen. Mittlerweile sind die ehemaligen Schülerinnen vom Ruhrgebiet bis über die ganze Welt verteilt. Beim Jubiläum unterhalten sich die 16 Frauen über Schulzeit-Anekdoten, die Kriegs- sowie Nachkriegszeit und eine Lehrererin, die sie nie vergessen werden.

„Wir hatten von acht bis dreizehn Uhr Schule. Es war eine schöne Kindheit, weil wir nach der Schule noch spielen konnten – anders als die Kinder heute“, erzählt Christel Honecker beim Klassentreffen der reinen Mädchenklasse. Sie und ihre 15 ehemaligen Schulkameradinnen erinnern sich gerne an vergangene Zeiten zurück. Jedes Jahr kommen die Frauen zusammen. Zu spitzen Zeiten seien bis zu 100 Schülerinnen in eine Klasse gegangen. Auf Grunde der Kriegszeiten hätten nicht alle bleiben können. Andere haben sich nach der Schulzeit in der ganzen Welt verstreut, seien erkrankt oder mittlerweile verstorben, sagt die Organisatorin Christel Lüning.

Mit Sanella zur Klassenfahrt

Heute ist die Berliner Schule eine offene Ganztagsschule. Mitte des 20 Jahrhunderts, handelte es sich dabei um eine Volksschule. „Louise Achterfeld war eine tolle Lehrerin. Sie hat uns viel Rüstzeug mitgegeben. Sie hat mehr gemacht als im Lehrplan stand und uns in Kunst, Gedichten und Sozialem unterrichtet“, erzählt Margret Lorenz. „Frau Achterfeld hat immer gesagt: Für´s Wissen habt ihr noch das ganze Leben.“ Die restlichen 15 Frauen am Esstisch des Pfarrheim St. Elisabeth lächeln bei dem Gedanken an Louise Achterfeld und stimmen zu. „Ist Sanella auf der Stulle, kannste schuften wie ein Bulle“, ruft Hermine Paulert. „Erinnert ihr euch noch?“ Sie lacht sowie die restlichen Frauen. Eine Klassenfahrt ins Sauerland hätte angestanden. Die damaligen Schülerinnen hätten weder Geld noch ausreichend Essen gehabt. Die Lehrerin kam auf die Idee, die Mädchen dichten zu lassen und die Texte an Lebensmittelkonzerne zu schicken. „So sind wir an Essen für unsere Fahrt gekommen“, erzählt Paulert weiter.

Heute brauchen die Frauen keine Texte mehr dichten. Zwischen den Geschichten wird ausgiebig geschmaust, Wein und Softdrinks geschlürft. Der regelmäßige Kontakt habe sich über die Jahre bei den meisten Schulkameradinnen verloren. Einige sind weggezogen – haben sich national und international verteilt. Christel Honecker hat es in die Schweiz verschleppt. Doch das Klassentreffen lasse sie sich nicht entgehen. Auch Margrit Schleinkofer ist nach dem Schulabschluss im Jahr 1952 weggezogen. Ihr Mann sei bei der Botschaft tätig gewesen und sie haben zusammen viele Jahre in Kairo und Indonesien gelebt. Mittlerweile wohnt sie in Köln und kommt gerne zum Klassentreffen, nach Essen.

Freundschaften über die Kontinente

Ein paar Freundschaften sind auch über die Kontinente hinweg geblieben. „Eine Mitschülerin ist nach der Schule gleich nach Australien ausgewandert. Ein Mal kam sie noch zum Klassentreffen, doch dann konnte sie nicht mehr kommen“, erzählt Erika Trinkaus. Das macht Trinkaus nichts – jeden Sonntag würden die Beiden skypen.
Viele Jahre hat Magret Lorenz die Frauen wieder zusammengeführt. Seit vier Jahren organisiert Christel Lüning die jährlichen Treffen. Und so heißt es – bis zum nächsten Jahr.
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