Lungenentzündung - Grippeimpfschutz unvollständig

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Der Leiter des Gesundheitsamtes, Essen, Dr. Rainer Kundt, beantwortet Fragen zur Lungenentzündung, häufig Zweiterkrankung nach der Virusgrippe. Foto: Privat
Vierfach-Impfstoff nur, wer privat bezahlt!

Mir fällt auf, dass in den letzten Monaten bei vielen Menschen nach wochenlangen Erkältungen letztendlich Lungenentzündung festgestellt wird. Auch bei hunderten Flüchtlingen in Griechenland, die unter schlimmsten Umständen dort in Nässe, Kälte ausharren. Lungenentzündung hat Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin. Wie, was kann man machen? Fragen an Dr. Rainer Kundt, Gesundheitsamt Essen.

Stadtspiegel: Stellt das Gesundheitsamt vermehrt Lungenentzündung zu Vorjahren fest?
Dr. Kundt: „Da „normale“ Lungenentzündung nicht meldepflichtig ist, können wir zu exakten Zahlen nichts sagen. Es kann daher keine Steigerung in letzter Zeit festgestellt werden.“

Wie kann man sich vor Lungenentzündung schützen?
Dr. Kundt: „Der beste Schutz ist eine gesunde Lebensweise, ausreichender Schlaf, leichte sportliche Tätigkeiten. Evtl. im Herbst die Grippeimpfung durchführen lassen. Bei Vorliegen einer echten bakteriellen Lungenentzündung unbedingt Antibiotika einnehmen, die bei einer normalen Viruserkrankung natürlich nicht helfen.“

Wie sind die Anzeichen?
Dr. Kundt: „Husten, hohes Fieber, Abgeschlagenheit.“

Warum wird die Krankheit häufig so spät erkannt?
Dr. Kundt: „Die echte Lungenentzündung ist häufig Zweitkrankheit infolge oder nach einem viralen Infekt. Auf eine Virusgrippe oder auf einen viralen Infekt der oberen Luftwege pfropft sich häufig eine bakterielle Lungenentzündung auf.“

Wie muss man sich nach der Lungenentzündung verhalten?
Dr. Kundt: „Da Lungenentzündung häufig Zweiterkrankung nach Virusgrippe ist – zu Beginn der Wintersaison Grippeimpfung. Für ältere oder resistenzgeschwächte Menschen gibt es die Impfung gegen die Pneumokokken-Infektion, die beim Hausarzt durchgeführt werden kann. Patienten mit hohem Fieber und Lungenentzündung gehören eindeutig ins Bett!“

Jetzige Impfung enthalten nur drei Stoffe (Schweinegrippe etc.). Der 4. war den Krankenkassen zu teuer. Soll jedoch für die nächste Impfung vorgesehen werden…
Dr. Kundt: „In dieser Saison wurde von den Kassen tatsächlich der Dreifachimpfstoff bevorzugt. Es gibt auch noch einen Vierfachimpfstoff. Ob die eine fehlende Komponente die Ursache für die Lungenentzündung ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Grundsätzlich ist jede echte Grippe eine Infektion der unteren Luftwege, also ähnlich einer Lungenentzündung.“

NDR, Visite: Dreifach-Impfstoff schützt nicht gegen B-Brisbane-Linie! Experten warnen schon lange davor, dass dieser auch als Brisbane-Linie bezeichnete Virenstamm verstärkt auftreten werde. Doch dagegen sind nur die Menschen geschützt, die den diesjährigen Vierfach-Impfstoff bekommen haben, der aber aus Kostengründen an Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen gar nicht ausgegeben wurde. Vierfach-Impfstoff bekommt nur, wer ihn privat bezahlt; schon lange ausverkauft.
Aus medizinischen Gründen hätte der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Vierfach-Impfstoff flächendeckend eingesetzt werden sollen! Aufgrund des deutlich höheren Preises entschieden sich die Krankenkassen, nur den billigeren Dreifach-Impfstoff auszugeben – in der Hoffnung, dass die darin nicht enthaltenen Influenza-Varianten erst gar nicht in nennenswertem Umfang auftreten.

Pech gehabt! Sparen auf Kosten der Gesundheit von Krankenkassen-Mitgliedern!
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1 Kommentar
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 10.03.2016 | 16:28  
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