Prokura hin und her – Leser beklagt sich über Bauprojekt an der Böhmerstraße

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Wo geht es zum Buchenwäldchen? Andreas Fernezir vor der Baustelle an der Böhmerstraße.
 
Ein paar Straßenschilder sind vorhanden - lenken sie auch den verkehr?

Ein bisschen Auszeit und Naturerlebnis bietet der Buchenwald in Frohnhausen - eigentlich. Doch der Weg in das Naturschutzgebiet ist für viele Spaziergänger ein weiter Weg geworden. Nicht Ortskundige suchen vergebens, benötigen ein Navigationsgerät oder müssen auf eine Wegbeschreibung von Anwohnern hoffen. „Anfang Dezember 2016 wurden Verkehrsschilder für die Fußgänger zugesagt“, erzählt der Frohnhauser Andreas Fernezir.

An der Böhmerstraße befindet sich die Brücke, die zum Buchwald führt. Der Zugang ist seit November 2016 durch eine weitflächige Baustelle versperrt. „Als Fußgänger sieht man erst an der Baustelle, dass der Weg zum Buchenwäldchen gesperrt ist“, erzählt Bärbel Braus-Doer aus Frohnhausen. Seit Beginn der Baustelle beschäftigt sich Andreas Fernezir mit der Problematik und hat das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht. „Die von Ihnen angesprochene Aussschilderung werden wir zusammen mit einem fachlich kompetenten Verkehrssicherer in den kommenden Tagen veranlassen und eine sichere Umleitung gestalten“, heißt es in einer E-Mail von Ingrid Guido, Zuständige für das Beschwerdemanagement der Emschergenossenschaft. „Trotz Zusage ist nichts passiert, das ärgert mich am meisten“, sagt Andreas Fernezir.

Die Verantwortungsbereiche

Als Wasserwirtschaftsverband gehöre der Bau von Brücken nicht in das alltägliche Aufgabengebiet der Emschergenossenschaft, so Michael Steinbach, Pressesprecher der Emschergenossenschaft. In diesem Fall handelt es sich um Gewässer, da die Brücke über den Borbecker Mühlenbach führt. Somit sei die Emschergenosseenschaft für die Planung und den Bau zuständig. „Die Verantwortung für die Verkehrslenkung liegt bei der Stadt Essen. Da sich die Anwohner in dem Gebiet auskennen, hat sich die Stadt gegen eine Beschilderung entschieden“, erklärt der Pressesprecher. Die zugesagt Stellungnahme der Stadt blieb aus.

Andreas Fernezir joggt regelmäßig durch das Naturschutzgebiet. Seit der Baustelle nimmt er einen zehn Minuten entfernten Umweg, der durch zwei Tunnel führt. Einen Bürgersteig gibt es nicht. Die Tunnel haben eine Breite von 2,50 Meter - fährt ein Auto vorbei wird es für den Jogger eng. Eine Umleitung für Fußgänger gäbe es nördlich der Böhmerstraße, erklärt Ingrid Guido in der E-Mail. Fraglich ist ob sie den Fuß- und Radschnellweg „Grugaweg“ Richtung Magarethenhöhe meint, denn auch dieser ist nicht als Umleitung ausgewiesen. „Diesen Weg kennen meist nur direkte Anwohner“, erzählt eine Frohnhauserin, die nicht namentlich genannt werden möchte.
Mit ihrer Hündin Bagira legt Bärbel Braus-Doer zwei Mal täglich den 30-minütigen Mehrweg über den „Grugaweg“ zurück. „Wer auf Seiten der Böhmerstraße wohnt und nicht so mobil ist, überlegt es sich drei Mal, ob er zum Friedhof geht.“ Dieser liegt auf der anderen Seite des Naturschutzgebietes.

Keine sichere Ersatzbrücke

Für die Bauarbeiten ist eine Ersatzbrücke aufgebaut. „Andere Anwohner und ich haben geglaubt, dass diese für die Fußgänger sei“, erzählt Bärbel Braus-Doer. Aus Zeitgründen wäre gegen eine Behelfsbrücke für den Personenverkehr entschieden worden. „Der Bau einer Ersatzbrücke hätte länger gedauert, als die Bauzeit selbst“, erklärt Michael Steinbach. Die vorübergehende Brücke sei als Gas- und Wasserversorgungsbrücke definiert, die für den Personenverkehr nicht sicher sei, heißt es in der E-Mail von Ingrid Guido an Andreas Fernezir. Ein Mitarbeiter der zuständigen Brückenbaufirma Janson Bridging, der namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt hingegen: „Bei gleicher Abmessung, könnte man die aufgebaute Behelfsbrücke auch für Fußgänger einsetzen. Der Aufbau würde etwa vier bis sechs Stunden dauern.“

Mit 470.000 Euro sei der Bau veranschlagt worden. Den finanziellen Großteil trägt die Stadt, die Genossenschaft einen geringeren Anteil der Kosten. „Letztlich haben wir uns auch aus Kostengründen dagegen entschieden“, erzählt Martin Steinbach. „Ingrid Guido hat mir mitgeteilt, dass laut Kostenvoranschlag, eine weitere Ersatzbrücke 75.000 Euro kosten würde“, sagt Andreas Fernezir. Demgegenüber habe die Firma Janson Bridging ihm in einem Telefonat mitgeteilt, dass für eine solche Brücke etwa 700 € Mietkosten im Monat aufkommen würden. Unsere Redaktion hat nachgefragt, was denn nun die aufgebaute Behelfsbrücke kostet. Zu Vertragsdetails gäbe die Firma keine Auskunft, heißt es in der E-Mail.

Bis Anfang April sollen die Arbeiten an der Brücke durch und der Zuweg an der Böhmerstraße wieder frei sein, so der Pressesprecher der Emschergenossenschaft.
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