"newPark": Umweltschutz kontra Arbeitsplätze

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Mindestens zwölf schützenswerte Kiebitzpaare sind auf dem Gelände nachgewiesen worden, auf dem das neue Industriegelände "newPark" entstehen sollte. Die GRÜNEN im Recklinghäuser Kreistag betrachten die Idee für das Industriegebiet aber spätestens nach der Ablehnung der "Landesbürgschaft" als gescheitert. (Foto: Thorsten Kröger/NABU)

Gladbeck/Kreis Recklinghausen. Die Diskussion um das geplante und - vorerst - zu den Akten gelegte Industriegebiet "newPark" geht in die nächste Runde: Die GRÜNEN im Kreistag Recklinghausen jedenfalls zeigen sich wenig verwundert über die bisherige Entwckling, denn aus ihrer Sicht wird immer deutlicher, dass die "newPark"-Idee wenig durchdacht, unsinnig und unrealistisch sei.

Leider, so die GRÜNEN weiter, gebe es aber offensichtlich einige Akteure, die das umstrittene Industriegebiet offenbar „auf Biegen und Brechen" durchsetzen möchten, obwohl ihm der Wind inzwischen gleich aus mehreren Richtungen entgegen wehe.

Versagte Bürgschaft war Offenbarungseid

Für den GRÜNEN-Fraktionsvorsitzenden Mario Herrmann aus Gladbeck war schon die versagte Landesbürgschaft fast so etwas wie ein Offenbarungseid: "Wenn selbst renommierte Berater große wirtschaftliche Risiken sehen, sollte man diese auch ernst nehmen. Wir haben in der Region kein Geld zu verschenken!" macht der GRÜNEN-Politiker deutlich. Viel zu drängend seien die Probleme in den Städten: "Dort wird das Geld zur Entwicklung wohnortnaher Arbeitsplätze und zur Sanierung innerstädtischer Infrastrukturen dringend benötigt!" In diesem Zusammenhang verweisen die GRÜNEN immer wieder auf vorhandene und bisher ungenutzte großflächige Industriebrachen und die Entwicklungen in Bochum bei Opel.

Natur- und Umweltschutz

"Jetzt scheint auch aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes eine Realisierung kaum mehr möglich" führt ergänzend der Vorsitzende des Umweltausschusses des Kreises (ALUBA) Prof. Dr. Bert Wagener aus. Mindestens zwölf schützenswerte Kiebitzpaare seien auf der Fläche ansässig und müssten vagen Hoffnungen auf neue Industrieansiedlungen weichen. Diesbezüglich widersprechen die GRÜNEN daher auch ausdrücklich Landrat Süberkrüb, der diesen Punkt als untergeordnet einstuft.

Dr. Wagener verweist aber auch auf weitere Umweltprobleme, die der "newPark" mit sich brächte: „Neben den übrigen, auf dem Gelände vorhandenen Arten haben die Flächen auch eine hohe Bedeutung für die Versorgung der angrenzenden Wohnbebauung mit frischer Luft. Eine Bebauung der Fläche würde diese Funktion verhindern. Das Stadtklima würde weiter erhitzt, die Luftbelastung steigen und die Lebensbedingungen etwa in Waltrop verschlechtern.“

Ein weiteres großes Problem besteht für Dr. Wagener in der Nähe des Gebiets zu den Lippeauen und deren Schutzgebieten von europäischer Bedeutung. Auch wenn ein direkter Eingriff nicht vorgesehen sei, würden die künftigen Ansiedlungen mit ihren Emissionen eine Gefährdung der Flächen und der dort lebenden Arten bedeuten. Nicht zuletzt würde "newPark" zahlreichen Landwirten die Existenzgrundlage nehmen.

So seriös, wie ein Blick in die Glaskugel

"All diesen gravierenden Auswirkungen stehen allenfalls geringe Beschäftigungseffekte gegenüber. Sicherlich werden sich Firmen zur Ansiedlung im newPark finden. Aber die beliebte Spekulation über den Umfang wirklich neuer Arbeitsplätze – und nicht nur verlagerter Arbeitsplätzen aus dem näheren Umfeld – bleibt so seriös wie ein Blick in die Glaskugel“, so Mario Herrmann abschließend.
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