Integrationsagentur: Kümmern um Zuwanderer

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Einem naheliegenden Missverständnis möchte Olga Gorch gleich vorbeugen: „Die Integrationsagentur soll das Angebot ergänzen“, erklärt sie, „und nicht anderen die Arbeit streitig machen.“ Denn um Integration kümmern sich bereits einige Hattinger Einrichtungen. „Darum möchte ich die Akteure kennen lernen und das eigene Angebot darauf abstimmen“, fährt sie fort. Ab nächstes Jahr soll es dann regelmäßige Angebote geben

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von Dino Kosjak


Im März 2013 hat Olga Gorch ihr Büro bezogen, das vorübergehend in der Volkshochschule untergebracht ist. Die diplomierte Sozialpädagogin richtet sich an Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die seit mindestens drei Jahren in Deutschland leben. Sprachkurse, Hilfe bei Behördengängen und Wohnungssuche seien naheliegende Angebote, sagt Olga Gorch. Sie sucht das Gespräch mit den Zuwanderern, um zu erfahren, welche Angebote sie sich wünschen. Hierfür bietet sie beispielsweise einen regelmäßigen Gesprächskreis an im Bürgertreff in der Emschestraße. Er wird vor allem von Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion besucht.
„Wichtig ist, dass die Menschen ihre Wohnungen verlassen und am Leben teilnehmen“, betont Olga Gorch. Das gelte vor allem für ältere Zuwanderer. „Sie sind oft allein, sprechen kaum Deutsch und sind gesundheitlich eingeschränkt.“ So werde es im kommenden Jahr Kochkurse und Filmabende geben und weitere Angebote: „Viele Zuwanderer sind sehr gebildet oder sie beherrschen ein Handwerk“, sagt sie, „auch solchen Talenten möchten wir gerecht werden.“ Freilich könne sie all das nicht alleine schaffen. Unterstützung erfahre sie durch Petra Kamburg, Leiterin der Volkshochschule, und Bernd Baumhold, Geschäftsführer des städtischen Integrationsrats. Auch freue sie sich über ehrenamtliche Helfer.
Seit 2007 gibt es die Integrationsagenturen in NRW. Sie werden getragen von sechs Wohlfahrtseinrichtungen: Deutsches Rotes Kreuz, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, Paritätischer Wohlfahrtsverband und Jüdische Wohlfahrtsorganisation. Die Agenturen haben vier Hauptaufgaben: Dienste und Einrichtungen öffnen für Zuwanderer, Gestaltung des sozialen Raums, Förderung ehrenamtlicher Arbeit, Einschreiten gegen Diskriminierung. Olga Gorchs Stelle ist eingerichtet von der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen. Die Arbeit der Integrationsagenturen sei selbstverständlich nicht auf einzelne Gruppen ausgerichtet: „Wir sind offen für alle Menschen“, betont Olga Gorch, „unabhängig von Herkunft und Glaube.“
Ihre Hauptaufgaben seien Beratung und Vermittlung, sagt Olga Gorch. „Ich möchte Aufgaben verteilen und Menschen motivieren, für sich selbst etwas zu tun.“ Sie bringt hierfür reichlich Erfahrung mit: Seit 2007 arbeitete sie in einer Bochumer Integrationsagentur. Und nicht zuletzt hat Olga Gorch selbst eine Zuwanderungsgeschichte. Sie stammt aus Kasachstan und lebt seit 15 Jahren in Deutschland. Sie wisse, dass vielen Zuwanderern der Kontakt leichter falle, wenn ihr Gegenüber ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Olga Gorch hat Sozialpädagogik studiert an der Fachhochschule Dortmund. Außerdem ist sie ausgebildete Tanzpädagogin. Zehn Jahre lang hat sie in Deutschland Schulkinder unterrichtet. Diese Erfahrungen wolle sie nutzen für ihre Arbeit in Hattingen. „Projekte, zum Beispiel im Tanz, sind ein wunderbarer Weg, um Berührungsängste abzubauen“, lächelt sie.
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