Gegen das Vergessen: Vor 70 Jahren "Kriegsschauplatz Kreis Kleve"

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Kleve: Kriegsschauplatz Kreis Kleve | Vor 70 Jahren wurde der Kreis Kleve zum Kriegsschauplatz. In ihrem Buch „Kriegsschauplatz Kreis Kleve“ schrieb Frau Marlene Linke 1954 zahlreiche Erlebnisberichte von Augenzeugen nieder. Die zweite Auflage des Buches erschien 1985, Frau Linke beurteilte damals skeptisch, ob das damals von ihr Erfragte und Niedergeschriebene heute (1985, nach 40 Jahren) noch interessiert. Interessiert es noch nach 70 Jahren? Es sollte! Auch im Angesicht der Geschehnisse, der kriegerischen Auseinandersetzungen, auf der ganzen Welt, und den Menschen die davor fliehen und bei uns Schutz suchen.

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Marlene Linke hier nachfolgend einige Augenzeugenberichte aus ihren Buch:

"Der 7. Februar unterschied sich zunächst nicht von allen anderen Kampftagen. Der Morgen zeigte das gewohnte Bild: Die Trümmer der Stadt Kleve, zerstörte Straßen in Goch, chaotische Verwüstungen in Kranenburg, Zyfflich und Wyler, Lücken und Vernichtung überall. Dazwischen die endlose Schlange der Menschen, die mit der Flucht das Grauen und den drohenden Tod abschütteln möchten.
Dann begann das tödliche Feuerwerk. Pausenlos...."


Herr Meyer aus Kleve. Er erzählt: „Ich wohnte mit meiner Familie auf dem Bauernhof Aymanns, Pfalzdorf, an der Klever Straße. Seit mehreren Stunden beobachteten wir den Höllentanz im Reichswald. Die umliegenden Gehöfte lagen voll Soldaten. (...) Ich stand vor dem Hof und beobachtete drei vermeintliche deutsche Panzer, die im Abstand von 10 Metern auf unseren Hof zurasten. Zu spät erkannte ich, daß der graue Anstrich nur eine Tarnfarbe war. Ich hatte keine Zeit zu überlegen. Ehe ich die Hofbewohner warnen konnte, spritzte es aus den Rohrmündungen. Im Nu brannte der ganze Hof...."

Augenzeugin aus Kalkar, Flucht aus der Stadt Richtung Oy, 7. Februar:
„Die Flugzeuge dröhnten direkt über uns. Wir waren bereits an der Abdeckerei Hagenbruch vorbei und wollten zur Oybrücke in Höhe der Gärtnerei Giesen abbiegen, da ging es los. (...) Ich war vollkommen betäubt von dem Krachen der Explosionen und von dem Entsetzen, das mich angesichts der Toten ergriff. Erst als ich einen heftigen Ruck an meinem Unterarm spürte und sah, daß meine Hand zerfetzt herunterhing, ließ ich mich zu Boden fallen. (...) Mein Vater stöhnte und rief. Er hatte einen Splitter im rechten Lungenflügel. Als ich zu ihm wollte, fiel wieder eine Ladung und wieder fühlte ich einen heftigen Ruck.Dieses Mal wurde der ganze Arm abgerissen....“

Dr. Köhler, Mehr, 8. Februar: „Verteidigung bis zum letzten Mann? Das wäre Wahnsinn. Wir wollen schließlich weiterleben. Also Stellungswechsel nach hinten. Die Offiziere wissen, daß das Kopf und Kragen kosten kann. Fliegende Standgerichte fackeln nicht lange, und sogenannte Feigheit vor dem Feind ist ein beliebter Grund, tapfere Soldaten an den Baum zu hängen. (...) Völlig erschöpft melde ich mich in Rindern beim Kommandeur. Er ist überglücklich, daß wir wieder da sind. Wir sind die einzige Batterie, die sich retten konnte.“

Bedburg-Hau, Maria Vervoorst evakuiert auf einem Bauernhof Erfgen, 14. Februar: „Es war ein unheimliches Gefühl, wie am Horizont plötzlich diese ungeheure Wasserwelle auftauchte und immer näher kam. Am 14. Februar erreichte das Wasser Hasselt, nachdem es bereits Erfgen, Riswick, Huisberden und die ganze Niederung überschwemmt hatte. (...) So weit wir sehen konnten, war nur Wasser. Dann kamen die Engländer und holten die Menschen mit Schwimmpanzern....

Zum Buch:
1. Auflage, Heinrich Umbach, Kalkar
2. unveränderte Neuauflage, Guntlisbergen Verlag Uedem
Druck, Druckerei Umbach GmbH, Kalkar
ISBN Nr.: 3-9802229-1-8, 9783980222914
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3 Kommentare
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Paul Scharrenbroich aus Monheim am Rhein | 02.01.2015 | 12:15  
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Detlef Albrecht aus Menden (Sauerland) | 02.01.2015 | 14:01  
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Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau | 02.01.2015 | 19:22  
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