Eine für alle

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In der Karl-Leisner-Schule bereitet sich das Kollegium intensiv auf die kommende Inklusion - also den gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Schüler - vor. (Foto: Heinz Holzbach)
„Wir werden umdenken und uns stärker als bisher darauf konzentrieren müssen, vom Kind aus zu denken“, sagt Gudrun Hütten, Schulleiterin der Karl-Leisner-Grundschule. In der vergangenen Woche ging es während einer Fortbildung explizit um das Thema „Inklusion“.

„Integration bedeutet, dass sich die Kinder ans System anpassen mussten. Künftig wird sich das System, also die Schule, an das einzelne Kind anpassen müssen. Das ist das, was Inklusion beinhaltet“, so Gudrun Hütten. Und das gelte für alle Kinder, auch für die mit einem Handicap, auch für die ohne ausreichende Sprachkenntnisse oder die, deren Eltern aus anderen Ländern nach Deutschland zuwanderten. „Alle sind anders, aber keiner fällt auf“, fasst die Schulleiterin zusammen.

Mit der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention gehe ein genaueres Hinsehen einher, so Gudrun Hütten. „Die Kindheit verändert sich, die Eltern haben mehr Aufgaben als früher, viele Mütter sind berufstätig - das wirkt sich natürlich auch auf die Kinder aus“, so Hütten. Die veränderten Rahmenbedingungen, zu denen auch der demographische Faktor zähle, rücke die Kinder als Individuen ins Zentrum - und erfordere auch soziale Erziehung von Seiten der Schulen.

Im Augenblick wird in Fortbildungsveranstaltungen der Gedanke der Inklusion in die Schulen des Kreises Kleve getragen. Lernerfolg, so eine der zentralen Aussagen, die wissenschaftlich fundiert sind, heißt: „Das Setting - also welche Unterrichtsform wie gewählt wird - ist für den Lernerfolg weniger wichtig. Es kommt auf den Lehrer an.“ Lehrerin Silke Herrenbrück, Inklusions-Fachfrau, merkt an, dass bei rund 70 Prozent der Kinder, die künftig nicht mehr in gesonderten Förderschulen unterrichtet werden sollen, Lern- und Entwicklungsverzögerungen diagnostiziert worden sein. Diese Kinder werden heute in speziellen Förderschulen, wie zum Beispiel der Klever Ringschule, unterrichtet. Künftig sollen sie - so sieht es die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vor, die auch von der Bundesrepublik unterzeichnet wurde, in Regelschulen ihren Platz finden.

Um die Konvention mit Leben zu füllen, um sie Realität werden zu lassen, ist eine Menge Vorarbeit zu leisten. Das vermittelt unter anderem Dennis Hövel, Heilpädagogische Akademie, Köln, Förderschullehrer und in der Projektleitung Forschungsgruppe Präventionsprogramme für die Primarstufe, Lehrerinnen und Lehrern im Kreis Kleve.

Er unterstützt Schulen in ihren Bemühungen, sich weiter zu öffnen, fördert das Miteinander der am Lernprozess beteiligten Partner.
Gudrun Hütten: „Es geht natürlich immer auch um Leistung, aber auch um sozial-emotionales Lernen. Zur Qualität einer Schule gehört für mich zwingend die Evaluation - also die Überprüfung dessen, was wir hier tagtäglich tun.“ Wertschätzung und die Entwicklung eines Prozesses, der niemanden überfordere, sieht Hütten als unbedingtes Muss.

Sozial-emotionales Lernen nimmt in der Karl-Leisner-Schule seit langem einen breiten Raum ein. Nicole Mull-Burdack, Schulsozialarbeiterin an der Karl-Leisner-Schule, führt zur Zeit das „Lubo“-Programm in die Schule ein. Mit dem evaluierten Programm werden sozial-emotionale Kompetenzen trainiert. „Ich bin der Überzeugung, dass solche Programme durchgehend in den Schulalltag implementiert werden müssen“, so Mull-Burdack.
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Jens-Uwe Habedank aus Kleve | 22.12.2012 | 09:11  
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