Glückliche Tiere findet man nur allzu selten!

Für ihren Artikel nahm Praktikantin Anna Fuhrwerk sogar ein Huhn auf den Arm, ein glückliches Huhn. Es hat genügend Auslauf, kriegt angemessenes Futter und kann sein Hühnerleben genießen. Das ist leider in der heutigen Gesellschaft durch die Massentierhaltung zu einer Seltenheit geworden.
2Bilder
  • Für ihren Artikel nahm Praktikantin Anna Fuhrwerk sogar ein Huhn auf den Arm, ein glückliches Huhn. Es hat genügend Auslauf, kriegt angemessenes Futter und kann sein Hühnerleben genießen. Das ist leider in der heutigen Gesellschaft durch die Massentierhaltung zu einer Seltenheit geworden.
  • hochgeladen von Holger Schmälzger

Anna Fuhrwerk ist 17 Jahre alt und macht gerade ein Praktikum beim Lüner Anzeiger. Hier schreibt die junge Lünerin über ein Thema, das sie bewegt: die Massentierhaltung.

von Anna Fuhrwerk

Schweine beißen sich Körperteile ab und männliche Küken werden lebendig in den Schredder geschmissen. Tiere werden in den Mastbetrieben mit Antibiotika und Hormonen vollgepumpt, um die Bedürfnisse der Konsumenten zu decken. Tiere werden gequält und misshandelt und das auch noch legal. Bilder, die in der Massentierhaltung keine Einzelfälle sind. Aber Warum? Geld. Geld ist der einzige Grund.
Die Menschheit lebt, zumindest der große Teil in Deutschland, im absoluten Überfluss. Das menschliche Überleben ist nicht von Unmengen an Fleisch abhängig, aber das Überleben der Tiere ist vom Menschen abhängig. Sir Paul McCartney sagte einmal: „Wenn Schlachthöfe Glaswände hätten, wären alle Vegetarier.“ Viele kaufen Massentierware, aber niemand will das Blut an seinen Händen haben.

Ich esse auch Fleisch, doch nicht in Übermaßen und es ist wichtig, woher das Fleisch kommt und wie die Tiere gehalten wurden. Diese Meinung vertrete ich auch durch meine Eltern. Sie achten und kaufen regelmäßig Bio-Produkte. Natürlich ist nicht alles in unseren Regalen mit einem Bio-Siegel gekennzeichnet, aber bei manchen Sachen, wie Fleisch, Fisch und Eier achtet mein Vater beim Einkauf auf artgerechte Haltung. Ich denke das ist ein guter Schritt, die Situation der Massentierhaltung zu verändern.
Das Problem jedoch liegt an der Einstellung der Konsumenten, alles möglichst günstig zu kaufen. Warum kostet manches 10er-Pack Eier nur 99 Cent und andere 2,59 Euro? Darüber macht sich eigentlich niemand Gedanken. Es ist traurig, dass die meisten Menschen in dieser Beziehung egoistisch sind und nur an ihren Geldbeutel denken, anstatt einen Gedanken an die Tiere zu verschwenden, die für ihren billigen Einkauf elendig zugrunde gehen.

Legebatterien sind mittlerweile in der EU verboten, aber viele Legehennen leben zusammengepfercht in der sogenannten „Kleingruppenhaltung“. Jedem Huhn steht dabei ein Fläche zur Verfügung, die kaum größer als ein DIN-A 4 Blatt ist. „Nichts anderes als eine neue Variante des Käfigs“, kritisieren Tierschützer.
Männliche Küken, die später logischerweise keine Eier legen, aber auch nicht „produktiv“ genug für die Fleischmast sind, werden oft direkt nach dem Schlupf vergast, erstickt, ertränkt oder lebendig in den Schredder geworfen. Rund 35 Millionen Hühner, dass sind über 80 Prozent der Tiere, leben in Deutschland in „Kleingruppen“.
Das ist nicht nur bei Hühnern so, auch bei Kühen und Schweinen. Auf engem Raum werden sie oft gehalten und bekommen nicht selten Antibiotika eingeflößt. Durch diese Extrembedingungen kommt es bei Schweinen oft zu Verhaltensstörungen, wie Schwanz- und Ohrbeißen, das bis zum Kannibalismus führen kann. Tiere, die auf Bauernhöfen aufwachsen, kennen das Leben im Elend nicht. Diese können meist frei von Hormonen, Mastmittel und Antibiotika aufwachsen und auf freiem Raum leben.

Artgerechte Haltung. Das ist ein Grund dafür, dass Lebensmittel mit Bio-Siegel teurer sind. Der Preis von solcher Ware schreckt viele Konsumenten aber ab und sie denken, dass sie sich das nicht leisten können, oder dass es Geldverschwenderei sei.
Meiner Meinung nach werden aber so viele gekaufte Lebensmittel weggeschmissen, dass durch den Verzicht auf diese überflüssige Ware, jeder gewissenhaft auch die teureren Eier oder teureres Fleisch kaufen könnte.
Ich kann es verstehen, dass manche Konsumenten dem Bio-Siegel nicht trauen, weil auch bei diesen Lebensmitteln schon häufig Skandale aufgedeckt wurden. Es gibt jedoch Bauernhöfe, bei denen man sich selbst ein Bild über die Haltung der Tiere machen kann und somit sicher sein kann, dass sie artgerecht gehalten werden und das Geld sinnvoll investiert ist.

Es würde den Masttieren helfen aus ihrer „Hölle“ zu entkommen. Ich teile die Meinung des Philosophen Professor Doktor Robert Spaemann, der sagte: „Die Verwandlung eines Lebewesen in ein Bündel aus Schmerzen und Verzweiflung ist ein Verbrechen.“
Ich denke, es liegt in der Hand eines jeden Konsumenten die Zukunft der Nutztiere zu ändern.

Kommentar von Holger Schmälzger:

Gedanken machen

Wenn wir Praktikanten in unserer Redaktion begrüßen, fragen wir, ob sie ein besonderes Hobby haben, oder ob es ein Thema gibt, über das sie schreiben wollen. Da hatten wir u.a. schon eine Veganerin oder einen weiblichen Justin-Bieber-Fan.

Anna Fuhrwerk schrieb etwas zum Thema Massentierhaltung. Das Erstaunliche: Anna isst Fleisch, interessiert sich aber auch für Tierschutz. Für manche scheint es ein Widerspruch zu sein. Für mich keineswegs. Ich persönlich toleriere Fleischesser genauso wie Vegetarier und Veganer. Das sollte selbstverständlich sein. Doch wenn man sich für Fleisch entscheidet, sollte man gerade dieses Lebensmittel als etwas Besonderes sehen und die artgerechte Haltung gehört dazu. Was Anna besonders anspricht, ist die Gedankenlosigkeit vieler Menschen bei ihrem Konsum.

Man muss ja nicht in allen Lebenslagen der perfekte Mensch sein, aber sich ein paar Gedanken machen und kleine Veränderungen angehen, das sollte eigentlich jeder können.

Für ihren Artikel nahm Praktikantin Anna Fuhrwerk sogar ein Huhn auf den Arm, ein glückliches Huhn. Es hat genügend Auslauf, kriegt angemessenes Futter und kann sein Hühnerleben genießen. Das ist leider in der heutigen Gesellschaft durch die Massentierhaltung zu einer Seltenheit geworden.
Anna und ein flauschiges Küken aus Privathaltung: In der Tierindustrie werden die ungewollten "Geschlechter" dagegen oft kurz nach dem Schlupf geschreddert oder vergast.
Autor:

Holger Schmälzger aus Dortmund-Süd

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

13 folgen diesem Profil

9 Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.