Kitastreik: Eltern besetzen das Lüner Rathaus - Offener Brief des Bürgermeisters an Tarifpartner

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Lünens Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick im Gespräch mit den betroffenen Kita-Eltern, die für rund 20 Minuten das Lüner Rathaus besetzten: lautstark, aber absolut friedlich.
  Auch in Lünen herrscht weiter Streik in den kommunalen Kitas. In den Verhandlungen ist momentan aber kaum Bewegung. Dafür bewegte sich am Mittwochmorgen umso mehr vorm und auch im Lüner Rathaus. Betroffene Eltern besetzten mit ihren Kindern das Rathaus und suchten das Gespräch mit Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick.

Lautstark ging es gegen 9.30 Uhr bei der angekündigten Veranstaltung bereits vor dem Rathaus auf dem Marktplatz zu. Dort hatten sich die streikenden Erzieherinnen und Erzieher, Verdi und die betroffenen Eltern mit ihren Kindern versammelt. Die gesamte Aktion hatte der Jugendamtselternbeirat organisiert.

Die Erzieherinnen zeigten sich in goldener Folie eingehüllt und hielten Schilder mit der Aufschrift "Wir sind Gold wert" hoch. Streikleiter Bastian Prange von Verdi Dortmund sprach davon, dass es bisher kein Angebot und keine Bewegung auf der Arbeitgeberseite gäbe. Er vermutet, dass der Arbeitgeber damit einen Keil zwischen den betroffenen Eltern und den streikenden Erziehern treiben wolle.

Auch Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick sprach vor den Versammelten: "Die Stadt hat auch ein Interesse am zügigen Ende des Streiks." Der Bürgermeister schrieb zudem einen offenen Brief an die Tarifpartner: "Den Protest der Eltern halte ich für angemessen", heißt es u.a. darin. (Den gesamten Inhalt des Briefes am Ende des Artikels).

In einer langen Schlange zogen gegen 10 Uhr dann die betroffenen Eltern mit ihren Kindern in das Rathaus. Lautstark mit Trillerpfeifen. Dann wurden Decken ausgebreitet und die Kinder durften ebenfalls laut spielen. "Wir wollten im Rathaus mal zeigen, wie schwer es ist im Kita-Alltag so viele kleine Kinder zu betreuen und zu fördern. Viele im Rathaus werden unsere Aktion gehört haben", sagten Sarah Hummel und Jessica Goerdes vom Jugendamtselternbeirat.

"Insgesamt waren wir mit der Aktion sehr zufrieden. Viele Eltern haben mitgemacht. Wir wollen die Erzieher unterstützen und zeigen, dass wir ihre Arbeit schätzen. Es geht in der Kita nicht um bloße Betreuung. Die Erzieher leisten viel, viel mehr und gehen auf Kinder individuell ein", betonen Sarah Hummel und Jessica Goerdes.

Im Rathaus kamen die Eltern kurz mit Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick ins Gespräch. Als er sich zu den Kindern auf die Decke setzte, bekam er auch ein Apfelstück ab, wie es die Kinder lieben: geschnitten und geschält.

Die Eltern verließen nach 20 Minuten wieder das Rathaus und wurden von den draußen wartenden Erzieherinnen und Erziehern beim Auszug aus dem Rathaus mit Applaus als Dankeschön für die Unterstützung beschenkt.

Hier der offene Brief von Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick:

"Sehr geehrter Herr Dr. Böhle, sehr geehrter Herr Bsirske,

in den vergangen Wochen haben sich zahlreiche Eltern, deren Kinder städtische Kitas besuchen, schriftlich und persönlich an mich gewandt. Heute waren Eltern mit ihren Kindern im Rathaus zu Gast und haben mir die Sorgen und Belastungen vorgetragen, die der Streik für das Berufs- und Familienleben mit sich bringt. Die Kinder haben mir berichtet, wie sehr sie ihre ErzieherInnen und SpielpartnerInnen vermissen.

Bei aller Belastung der Eltern war ich beeindruckt von der tiefen Wertschätzung und Anerkennung, die meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den städtischen Kitas durch die Eltern entgegengebracht wird. Das erfüllt mich mit besonderem Stolz. Den Protest der Eltern halte ich für angemessen.

Gerne komme ich daher dem Wunsch der Eltern nach, mich für eine Beendigung des Streiks zu engagieren. Ich bitte Sie daher, die Verhandlungen aufzunehmen und mit dem Ziel zu führen, den unbefristeten Streik zu beenden. Bitte verhandeln Sie als Tarifpartner und finden einen Kompromiss mit Augenmaß.
Ich würde mich freuen, wenn im Sinne der Familien und der Beschäftigten tragfähige Lösungen gefunden werden, die eine Rückkehr zur Normalität ermöglichen. Besonders wichtig finde ich es, wenn alle Kinder in der folgenden Woche wieder die städtischen Kitas besuchen können und mein Personal wieder den Dienst aufnehmen kann.

In diesem Sinne wünsche ich gute Beratungen."

Elternbeirat regt Petition an


Auch der Elternbeirat des städtischen Kindergartens Rudolph-Nagell-Straße unterstützt den Streik der Erzieher und regt eine Petition im Sinne des Paragraphen 24 der Gemeindeordnung an.

- Die politischen Vertreter in Lünen sollen die Landesregierung auffordern, die Kindpauschalen im KiBiz deutlich nachzubessern.

- Die kommunalen Arbeitgeber und Gewerkschaften sollen aufgefordert werden, sich schnellstmöglich auf einen Tarifabschluss zu einigen.

- Es soll ein politischer Beschluss herbeigeführt werden, dass die durch den Streik eingesparten Personalkosten nicht im laufenden Haushalt 2015 vereinnahmt werden und stattdessen die während des Streiks gezahlten Elternbeiträge zurückgezahlt werden.

Diese Anregungen sollen von der Stadt an den Haupt- und Finanzausschuss weitergeleitet werden, so die Forderung.

Und hier noch die Besetzung des Rathauses im Video:

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