NABU Exkursion „Stadtnatur in Marl“

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Blick vom Bahnhof Marl-Mitte auf das Staudenfeuerkraut
 
die Armenische Brombeere fühlt sich hier wohl
Marl: Marler Stern | Am Samstag, 09.07.2016, lud der NABU Haltern am See / Marl zu einer Exkursion mit Dr. Götz Heinrich Loos vom Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum ein. Thema war die „Stadtnatur in Marl“.

Es ging überwiegend um die Wildpflanzen - von naturfernen Menschen auch gerne als „Unkraut“ bezeichnet. Die Exkursionsteilnehmer trafen sich um 14 Uhr am Bahnsteig Marl-Mitte und genau dort ging es los mit der Betrachtung der Marler Wildpflanzenwelt.

Hinter den Bahngleisen fielen als erstes die großen Brombeersträucher auf. Es gibt verschiedene Brombeerpflanzen, bei der dort großflächig wachsenden Art handelt es sich um die Armenische Brombeere. Ein Neophyt, also eine Pflanze, die hier ursprünglich nicht heimisch war, sondern „erst“ in den letzten 500 Jahren zu uns gekommen ist.

Sehr viele Pflanzen gelangten auf dem Transportweg nach Europa - erst auf Postkutschen, später auf den Bahnlinien - meistens in Samenform als blinde Passagiere. Die verschleppten Samen konnten hier auskeimen, wobei die meisten Pflanzen den Winter nicht überlebten und von allein wieder verschwanden. Etwa 1.000 Pflanzenarten konnten sich jedoch hier etablieren - darunter auch die Armenische Brombeere, die die größten Brombeerfrüchte hervorbringt und recht hartnäckig ist, wenn man sie wieder loswerden will.

Dr. Loos ist mit der Kartierung von Pflanzen im Ruhrgebiet betraut und zeigt auf dem Bahnsteig eine Besonderheit der Stadt Marl: Nur in Marl ist eine auffallende Häufung des Spring-Schaumkrauts festzustellen. Wie die meisten Wildpflanzen ist es eine unscheinbare grüne Pflanze, die man als „normaler Mensch“ schlichtweg übersieht.

Unweit davon wächst das Schöllkraut, eine Pflanze mit kleinen gelben Blüten. Kleine gelbe Blüten sind bei den Pflanzenfreunden etwas unbeliebt, weil sie zahlreich vorkommen und somit schwer zu bestimmen sind. Dr. Loos reißt einen Stängel des Krauts ab und nicht nur die Blüte ist von hellgelber Farbe, sondern auch der austretende Milchsaft leuchtet in auffallend gelb-oranger Farbe. Damit konnte diese kleine Pflanze selbst die nicht-botanisch-angehauchten Exkursionsteilnehmer schwer beeindrucken.

Vom Bahnsteig Marl Mitte führte uns die Exkursion auf die Busplatte. Wir blicken auf eine wenig einladende Betonwüste - und selbst gibt es hier Pflanzen, die Tritt und Kehrmaschine standhalten. Genannt sei hier beispielhaft der Breitwegerich, der dank Selbstbefruchtung unabhängig von Bestäubern ist und sich inzwischen von Europa aus weltweit verbreiten konnte. Wenn man genau hinschaut, sieht man überall die kleinen Rosetten des Breitwegerichs aus den Ritzen zwischen den Betonplatten hervorschauen.

Die Exkursion führte uns weiter entlang der Rampe des Busbahnhofs. Am Ende der Auffahrt entdecken wir eine Alpen-Johannisbeere. Eine Pflanze, die normalerweise im Gebirge zu Hause ist und nicht von selbst in Marl Fuß fassen würde. Landschaftsgärtner haben sie also dorthin platziert und es macht den Eindruck, dass sie sich auch an der Bergstraße in Marl wohlfühlt. Ein paar leuchtend orange Beeren lassen sich schon entdecken. Bei Wikipedia kann man nachlesen, dass die Alpen-Johannisbeere sehr gut mit Abgasen auskommt und daher gerne im Straßenbegleitgrün verwendet wird.

Insgesamt wurden etwa 50 Pflanzen bestimmt und erklärt. Mit rauchenden Köpfen endete die Exkursion für die Teilnehmer gegen 16:30 Uhr. Wer dabei war, wird sicher nicht mehr „blind“ für die Pflanzenwelt durch die Straßen gehen und auch jedes noch so kleine unscheinbare Pflänzchen für sich entdecken.

Die nächste Exkursion mit dem NABU Haltern führt in Halterns Moore. Am Sonntag, 24. Juli geht es um 15 Uhr auf die "Expedition Düsterdille". Am 30. Juli findet ein Workshop zum Thema "Doldenblüter" statt. Weitere Termine und Informationen unter http://www.nabu-halternamsee.de
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Günther Gramer aus Duisburg | 14.07.2016 | 09:04  
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