Spurensuche im KZ Riga, Gedenkfeier für Opfer des des Nationalsozialismus im Marler Rathaus

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Unter dem Leitspruch „Nachbarn von nebenan – Spuren in Riga“ findet am Dienstag (27.1.) die Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus statt.

In diesem Jahr wird insbesondere an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus Marl erinnert, die in den Jahren 1941/42 nach Riga deportiert und fast alle im Wald von Bikernieki ermordet wurden.

Jugendliche berichten von ihrer Gedenkstättenfahrt

Das Marler Weltzentrum zeigt eine Foto-Ausstellung. Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule sowie des Hans-Böckler-Berufskollegs berichten von ihrer Jugend-Gedenkstättenfahrt nach Riga. Im vergangenen Oktober haben die Jugendlichen ihre Besuche in Bikernieki, im ehemaligen Rigaer Ghetto und am Bahnhof Skirotava mit zahlreichen Fotos und Videos dokumentiert. Daraus ist nun u. a. eine Postkartenreihe entstanden, die beim Auschwitz-Gedenktag von den Jugendlichen vorgestellt wird.

Marler Gruppe auf Spurensuche nach Opfern des Nationalsozialismus im KZ Riga

Ehrenmal im Wald von Bikernieki

Sie haben in Riga arbeitsreiche Tage verbracht. Vieles hat Sie berührt, manches erschüttert und sie haben dabei auch viel Neues gelernt. Mit jeder Menge Film- und Bildmaterial ist es für die jungen Leute zurück in die Heimat gegangen. Für sie war insbesondere der Besuch des Ehrenmals im Wald von Bikernieki von zentraler Bedeutung. Hier legte die Marler Gruppe zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus einen Kranz nieder.

„Die Opfer dürfen nicht sprachlos sein"

Heute und auch in Zukunft muss man die schreckliche historische Wahrheit klar und deutlich auszusprechen. Die Opfer dürfen nicht sprachlos sein. Die Gräber- und Gedenkstätte gibt den vielen Menschen, die hierhin deportiert und auf grausame Weise ermordet wurden, ihre Namen zurück und damit auch ihre Identität. Ein kleiner Gedenkstein erinnert vor Ort daran, dass einst auch Juden aus Marl nach Riga verschleppt wurden.

Massengräber aus dem Zweiten Weltkrieg im Wald von Bikernieki

Im Wald von Biķernieki befinden sich die größten NS-Massengräber Lettlands: 55 größere und kleinere Gräber mit einer Gesamtfläche von 2885 m². Es war die erste systematische Ermordung von Juden durch Massenerschießung während der Zeit des NS-Regimes. Vom Sommer 1941 bis zum Herbst 1944 wurden hier nach unterschiedlichen Quellen 35.000 bis 46.500 Menschen von Sicherheitspolizei und lettischen Hilfskräften hingerichtet. Die Ermittlung der genauen Opferzahl wird dadurch erschwert, dass die zurückweichenden deutschen Truppen gegen Ende des Krieges die verscharrten Leichen mit Hilfe von Teer verbrannt hatten. Als nachweisbar gelten folgende Opferzahlen: ca. 20.000 Juden aus Lettland, Deutschland, Österreich und Tschechien, ca. 10.000 Kriegsgefangene.
Im März 1942 wurden etwa 1.900 arbeitsunfähige Juden aus dem Ghetto Riga unter dem Vorwand, in Dünamünde zu leichter Arbeit bei der Fischverarbeitung eingesetzt zu werden, in den Wald von Biķernieki geschafft, dort erschossen und verscharrt. Am 26. März 1942 wurden dann zwischen 1600 und 1700 Insassen des aufgelösten KZ Jungfernhof mit Lastwagen hierher gebracht, erschossen und in Massengräbern verscharrt.
An der Gedenkstättenfahrt nach Riga vom 27. bis 30. Oktober haben Alexandra Chmiel, Lea Franz, Jan-Stefan Heinemann, Hannah Kohn, Jonas Küting, Ramon Lelek, Nils Springstubbe und Nils Vahnstiege teilgenommen.

Weiteres Programm der Gedenkfeier


Als Hauptredner spricht Winfried Nachtwei, Initiator und Mitbegründer des Deutschen Riga-Komitees. Der gebürtige Wulfener war von 1994 bis 2009 Mitglied des Bundestages und ist heute Experte für Friedens- und Sicherheitspolitik. Das weitere Programm der Gedenkfeier wird von Schülerinnen und Schülern des ASGSG, dem Marler Integrationsrat sowie „FrauenInTakt“ mitgestaltet.

Marl im Deutschen Riga-Komitee

Die Stadt Marl ist seit dem 27. Januar 2010 Mitglied des Deutschen Riga-Komitees, das vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge vor 25 Jahren begründet wurde. Das Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an das Schicksal der insgesamt über 25.000 Opfer in Riga am Leben zu erhalten.

Dr. Ferdinand Kerstiens berichtet über eine Versöhnungsfahrt von Pax Christi nach RIGA



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