„Ihr Alter ist ein Vorteil“ – Als Alltagsbegleiterin schaffte Ute Jetten den Sprung zurück in den Arbeitsmarkt

Anzeige
Fortbildung zur Alltagsbegleiterin: „Ich war froh über das Angebot", so Ute Jetten (l.). Foto: privat

Lebensälter und mit viel Berufserfahrung etwas länger arbeitslos – dank einer Qualifizierung zur Alltagsbegleiterin schaffte Ute Jetten den Sprung zurück auf den Arbeitsmarkt. Ihr Arbeitgeber in Neukirchen-Vluyn legt Wert auf ihre Lebenserfahrung und Empathie.



Als ausgebildete Hauswirtschafterin verfügt Ute Jetten über rund 25 Jahre Berufserfahrung, zuletzt in der Gastronomie. Dennoch konnte sich die 59-Jährige nicht mehr vorstellen, nach einer Phase der Arbeitslosigkeit in diesen Bereich zurückzukehren. Gemeinsam mit ihrem Arbeitsvermittler Frank ter Haar von der Agentur für Arbeit Moers besprach Ute Jetten mögliche Alternativen. Da sie sich drei Jahre lang ihre demenzkranke Mutter gekümmert hatte, konnte sie sich eine Tätigkeit in der Pflege gut vorstellen. Ihr Arbeitsvermittler schlug eine sechsmonatige Fortbildung zur Alltagsbegleiterin vor. „Ich war froh über das Angebot, auch wenn das Schulische nicht immer einfach war“, betont Ute Jetten. Dass sie im Anschluss so schnell einen Arbeitgeber fand, erstaunt sie selbst. „Ich habe gedacht, ich muss länger suchen!“, sagt sie mit Blick auf ihr Alter. Frank ter Haar bestätigt: „Tatsächlich findet nicht jede oder jeder so schnell eine neue Stelle, sondern muss schon einmal länger suchen. Insbesondere im Pflegebereich ist der Bedarf an Fachkräften aber bereits so groß, dass das Alter hier meist eine untergeordnete Rolle spielt.“


Bedarf an Fachkräften groß


Bei der Alpha gGmbH gefiel es Ute Jetten gleich, und auch Pflegedienstleiterin Silke Wieland-Römer war von der lebenserfahrenen Berufseinsteigerin begeistert: „Sie hat sich im Vorstellungsgespräch sehr positiv präsentiert, wirkte aufgeweckt und empathisch. Und Empathie ist besonders wichtig im Umgang mit unseren Senioren.“ Die Tochterfirma des Sozialwerks St. Georg bietet in Neukirchen-Vluyn seit kurzem drei Wohngemeinschaften für bis zu acht demenziell beeinträchtigte Menschen, einen ambulanten Pflegedienst und einen Tagestreff an. In der Wohngemeinschaft assistiert Ute Jetten in allen Bereichen des täglichen Lebens, begleitet das gemeinsame Frühstück, geht mit Senioren einkaufen oder spazieren, führt Gedächtnistraining oder Bewegungsübungen durch. „Momentan ist noch vieles neu, ich muss mich noch einarbeiten“, sagt Ute Jetten. „Das klappt schon sehr gut“, bestätigt ihre Chefin.

Empathie ist besonders wichtig


Ein weiterer Pluspunkt für Silke Wieland-Römer: „Im Rahmen der sechsmonatigen Fortbildung hat sie auch Pflegekenntnisse erworben, das war mit ein Grund für ihre Einstellung.“ Das Alter von Ute Jetten rückt für sie nicht nur in den Hintergrund, sondern ist vielmehr ein Vorteil, wie sie betont: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Zuverlässigkeit eine große Stärke von Älteren ist, und auch die Lebenserfahrung kommt ihnen im Umgang mit Senioren zugute.“ Daher wurden zunächst bevorzugt ältere Mitarbeiter eingestellt, jüngere sollen nun folgen, ab 2017 wird am Standort auch ausgebildet.
Arbeitsvermittler Frank ter Haar unterstützt diesen Ansatz: „Die Mischung im Team muss stimmen, und dabei haben ältere Kolleginnen und Kollegen eine ganz wichtige Funktion. Lebensältere haben vieles einzubringen. Häufig muss ich jedoch arbeitslosen Menschen fortgeschrittenen Alters Mut machen, dass sie die letztlich durch die Lebensjahre erworbenen Kompetenzen gut vertreten können. Wenn eine Weiterbildung sinnvoll ist und die Chancen am Arbeitsmarkt verbessert, können wir das auch fördern. Wir klären in individuellen Beratungsgesprächen, wie der Weg zurück ins Berufsleben gelingen kann.“
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.