Straßenumbenennung: Pfarrer Ulaga hinterließ Spuren in Moers

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  Moers: St. Marien Hochstraß |

Gibt man ins Navi den Straßennamen ‚Pfarrer-Ulaga-Straße in Moers‘ ein, so wird es noch keine Auskunft geben. Diese Straße wurde erst diesen Sonntag eingeweiht, wegen der Witterung konnte keine feierliche Enthüllung im Freien stattfinden. Zahlreiche Gemeindemitglieder, Vertreter der Kirchen, Politik und Gesellschaft würdigten das Lebenswerk des 30 Jahre in Hochstraß wirkenden Pastors Klaus Ulaga in einer bewegenden Andacht.



Fruchtende Ökumene: ‚kathogelische- und evantholische Straße‘

Viele Moerser werden sich noch an die bewegende Totenmesse im Januar 2011 anlässlich des Todes von Pfarrer Klaus Ulaga erinnern. In einem ergreifenden Nachruf erinnerte der evangelische Pfarrer Tobias von Boehn an seine Zeit mit Pastor Ulaga. So habe Pastor Ulaga ihm einmal erklärt: „Da sich doch viele der katholischen und evangelischen Christen und Christinnen in beiden Kirchen Zuhause fühlten, sollte man doch die beiden Straßen, die zu den beiden Kirchen führen, in ‚kathogelische- und evantholische Straße‘ umbenennen.“ Weiter regte von Boehn an: „Nun – jetzt brauchen wir eigentlich nur noch eine Straße: Die könnten wir dann schlicht ‚Klaus – Ulaga – Straße‘ nennen und alle wüssten, was gemeint ist.“ Diese Idee nahm der Gemeinderat St. Marien zum Anlass bei der Stadtverwaltung Moers einen entsprechenden Antrag zu stellen, der jetzt umgesetzt wurde: Das unbewohnte Teilstück der Fuldastraße zwischen Königsberger Straße und Kirschenallee ist nun die Pfarrer-Ulaga-Straße.


Deine Spuren sind ein Geschenk für mein Leben

Beim kleinen Festakt betonte der ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Karl-Heinz Brohl, dass die Straßenumbenennung nach dem beliebten Pastor kein Denkmal und keine Helden- bzw. Heiligenverehrung ist: „Vielmehr wollen wir Spuren des Wirkens von Klaus Ulaga sichtbar machen, Spuren, die nicht verwehen, denn sie sind zu wertvoll.“ Auch über seine persönlichen Erfahrungen und Begegnungen mit dem bescheidenen Pastor sprach Karl-Heinz Brohl, stets habe Klaus Ulaga seinen Respekt und Anerkennung gegenüber den tätigen Laien in der Kirche geäußert. So habe Ulaga bei wichtigen Themen nie von seinem alleinigen Entscheidungsrecht Gebrauch gemacht, er bevorzugte demokratische Entscheidungen, die alle mittragen konnten: „Lieber Klaus Ulaga, Deine Spuren sind ein Geschenk für mein Leben.“


Nicht nur zugehört, er hatte verstanden

Anschließend berichtete der evangelische Pastor Tobias von Boehn, dass sein katholischer Mitbruder Ulaga keine Unterschiede bei den Menschen bzgl. ihrer Konfessions- oder Religionszugehörigkeit machte: „Klaus setzte sich für die Ökumene ein, er setzte sich manchmal über Bestimmungen hinweg und gab sogar evangelischen Christen die Kommunion.“ Gute Ratschläge, wie „Sei im Zweifel auf der Seite der Menschen“ und „Hör gut hin“ gab er seinem evangelischen Kollegen mit auf den Weg. Tobias von Boehn resümierte, „Klaus hatte nicht nur zugehört, er hatte verstanden.“


Bürgermeister Ballhaus: ‚Glück auf‘ zu seinem Lebenslauf

Nach dem Festakt, der ein fürsorgliches, menschenachtendes und helfendes Bild über Pastor Ulaga vermittelte, befand Moers Bürgermeister Norbert Ballhaus: „Die Benennung einer Straße nach so einem charismatischen Pfarrer war eine spontane Idee der Gemeinde - es ist eine gute Idee und eine richtige Entscheidung.“ Schließlich „komme es nicht auf die Länge der Straße an“, so der Bürgermeister weiter, den besonders beeindruckt hat, dass Klaus Ulaga sich „in die Arbeitswelt der Bergleute eingelassen hat, mit ihnen in die Grube gefahren ist und sich ihrer Sorgen und Probleme angenommen hat. Ein herzliches ‚Glück auf‘ zu seinem Lebenslauf.“ Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Karl-Heinz Reimann zeigte sich begeistert, dass so viel Anteilnahme der Gemeindemitglieder und Bürger gezeigt wurde und so das Wirken von Pfarrer Ulaga verfestigt wird.


Ökumene als Aufforderung

Die CDU-Moers hat die Kirchengemeinde St. Marien immer in ihrem Anliegen unterstützt. Der frisch gewählte Fraktionsvorsitzende Ingo Brohl zog ein positives Fazit: „Es ist gut, dass es nun in der Pfarrgemeinde St. Marien die Klaus-Ulaga-Straße gibt. Die Frage, woran man wohl denke, wenn man an dem Straßenschild nun innehalten kann, hat der evangelische Pfarrer Tobias von Boehn beeindruckend für sich selber zur Einweihung erklärt. Die Aufforderung nah bei den Menschen zu sein, die Treue zu den Menschen, besonders zu den Kleinen und die Bedeutung des Zuhörens und der Kleinigkeiten, sowie die Ökumene als Aufforderung an alle Christen, verbinde auch ich neben vielen persönlichen Eindrücken mit dem Namen Klaus Ulaga.“
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