Gedanken zum Flüchtlingsproblem

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Die Argumentation in der Diskussionen um das aktuelle Flüchtlingsproblem hat an Schärfe und Polemik zugenommen. Vielfach feiert das Vokabular der Gosse fröhliche Urständ. Unsere Gesellschaft droht sich zu spalten. Fehlende Konzepte und leere Worthülsen seitens der Politiker gleich welcher Coleur, setzen bei vielen Bürgern berechtigte Ängste frei. Und die sich als alles andere als eine Solidargemeinschaft entlarvende EU verstärkt diese noch.

Besonders grotesk: Wer es in unserem Land wagt, seine Ängste zu artikulieren, läuft Gefahr, von Toleranz predigenden Mitmenschen sofort und pauschal in eine rechtsextreme, rassistische Ecke abgedrängt zu werden. Um nicht in dem Topf mit dumpfbackig brüllendem und von rechten Gruppierungen und Parteien instrumentalisierten braunen Brei zu landen, resignieren sie vor einem nicht ausgesprochenen Denkverbot. Dabei bilden Sie wahrscheinlich eine zwar schweigende, doch kritisch-realistische und keinesfalls fremdenfeindlich eingestellte Mehrheit in unserem Land.

Obwohl das Heer an Helfern sich vielfach bis zur Erschöpfung bemüht die ärgste Not zu lindern, so ist dennoch zu befürchten, dass es am Ende des Tages trotz aller Anstrengungen nicht gelingen wird, alle Flüchtlinge hier und jene, die in den nächsten Wochen noch folgen werden, zeitnah menschenwürdig unterzubringen. Das wird unsere Bürokratie, die mit sich selbst schon überlastet ist, nicht schaffen. Selbst wenn sie endlich flexibler agieren würde – zeitlich und logistisch ist das vor dem Winter schon kaum mehr zu bewältigen. Auch die Willkommenskultur, die zum Teil sozialromantische Züge angenommen hat, wird sich der Realität nicht verschließen können. Auch die Flüchtlinge werden das einsehen müssen.

Realität ist aber auch: Die Flüchtlinge werden bald merken, dass Deutschland für sie zwar ein sicherer Ort ist, jedoch nicht das vielfach erwartete Paradies. Und viele werden sich schwer tun, sich an den Umgang mit einer für sie fremden Kultur zu gewöhnen und ihre mitunter anderen Werte nicht nur zu akzeptieren, sondern sie auch selbst zu übernehmen. Die daraus erwachsenden Konflikte lassen sich heute noch nicht abschätzen.

Und trotz aller Unzulänglichkeiten und Kritik an unseren Regierenden, werden wir es alle irgendwie schaffen müssen. Denn unter dem Aspekt der Menschlichkeit ist Abschottung so wenig eine Alternative wie die Menschen, die hier Schutz und Frieden suchen, zurück zu drängen, bis sie wieder dort ankommen, wo sie einst gestrandet sind – am Mittelmeer.
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