Gabriele Wolterhoff arbeitet seit 40 Jahren bei der Sparkasse und hat dort ganze Generationen ausgebildet

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Gabriele Wolterhoff (Foto Emons)

Als die Mülheimer Woche vor 40 Jahren zum ersten Mal erschien, begann Gabriele Wolterhoff ihre Lehre bei der Sparkasse. „Das Kaufmännische und das Volkswirtschaftliche haben mich eigentlich schon immer interessiert, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unser Leben bestimmen“, erklärt sie ihre Berufswahl.

19 Jahre alt war sie, hatte den Hauptschulanschluss, die Handelsschule, die höhere Handelsschule und das Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Saarn hinter sich gebracht, als sie in der Filiale am Rosenkamp in Styrum ihre Laufbahn bei der Sparkasse begann. „Dienstbeginn war damals um 7.45 Uhr und wir kannten keine Gleitzeit“, erinnert sich die Bankkauffrau, die bekennt: „Ich bin keine Frühaufsteherin.“ Obendrein wurde sie als unerfahrene Auszubildende von vorwitzigen Kollegen in ihren ersten Ausbildungswochen auf die Suche nach der „Saldenzange“ und dem „Saldenlineal“ geschickt. Als sie den Schwindel entdeckte, revanchierte sie sich bei den Übeltätern auf ihre Weise und vertauschte bei deren Telefonen die Sprech- mit der Hörmuschel.

Fundamentaler Wandel

Im Rückblick wundert sie sich selbst über den rasanten Wandel, den ihr Arbeitsplatz Sparkasse genommen hat. Das Beratungs- und Anlagegeschäft der Sparkassenmitarbeiter war überschaubar, geprägt vom Dreiklang Sparbuch, Sparkassenbrief und vermögenswirksame Leistungen. Kredite, etwa zur Baufinanzierung, blieben dem Filialleiter und seinem Stellvertreter vorbehalten.
Von elektronischen Bankkarten, Computern, Internet und Online-Banking war damals noch nicht die Rede. Statt dessen standen die Kunden am Schalter, um ihre Barschecks einzulösen und abstempeln zu lassen. Die Kontodaten der Kunden wurden klassisch auf Kontokarten notiert und in Kontotaschen archiviert. Papierkrieg ohne Ende.
Auch Überweisungen durften damals nur von den Sparkassenmitarbeitern am Schalter ausgefüllt werden. Überweisungsformulare für Kunden, SB-Terminals, Geldautomaten und Büros für Beratungsgespräche waren noch weit weg.
„In den Zeiten ohne Onlinebanking und Geldautomaten kamen viel mehr Menschen in die Filalen als heute. Wenn zum Beispiel die Mannesmänner oder die dieselgeduschten Soldaten aus der englischen Kaserne kamen, um ihren Lohn abzuholen, haben wir uns manchmal die Finger fast blutig gearbeitet“, berichtet Wolterhoff.

Die Zinsen waren traumhaft

Aber die Zinsen waren klasse, bewegten sich beim Sparbuch um die fünf und bei Sparkassenbrief um die elf Prozent. Heute liegen die vergleichbaren Zinsen bei weniger, als einem halben Prozent. „Dafür gibt es heute sehr viel mehr Variationen bei der Wertpapierberatung“, schildert Wolterhoff die Verlagerung des Kundengeschäfts.
Sie selbst stieg nach ihrer Ausbildung in die Wertpapierberatung ein. Offensichtlich machte sie ihre Sache gut. Denn Anfang der 80er Jahre unterrichtete sie als Dozentin in der innerbetrieblichen Fortbildung, machte selbst an der Sparkassenakademie ihre Sparkassen-Betriebswirtin und arbeitete ab 1983 in der Ausbildungsabteilung, die sie inzwischen seit 20 Jahren leitet.
Nicht ohne Genugtuung kann Wolterhoff heute feststellen, dass einige der Sparkassen-Banker, die durch ihre Schule gegangen sind, inzwischen beachtliche Karrieren gemacht haben. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse München, Ralf Fleischer und sein Langenfelder Amtskollege Dirk Abel gehören ebenso dazu, wie der Duisburger Sparkassen-Vorstand Helge Kipping oder der Personalchef der Mülheimer Sparkasse Claudius Enaux.

Mehr Paragrafen als früher

„Die Auszubildenden von heute haben es viel schwerer, als meine Ausbildungsgeneration, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen unserer Arbeit erheblich komplexer geworden sind“, stellt Gabriele Wolterhoff mit Blick auf den Verbraucherschutz, die Widerspruchsrechte der Kunden oder das heute obligatorische Beratungsprotokoll fest. Positiv sieht sie, dass der Sparkassen-Nachwuchs heute sehr viel schneller ins Tagesgeschäft einbezogen und während der Ausbildung, „nicht mehr nur besprochen, sondern dazu angleitet wird, sich das praktische Bankwissen selbstständig zu erarbeiten.“ Doch wie vor 40 Jahren gilt in Wolterhoffs Augen auch heute: „Der Kunde steht immer im Mittelpunkt. Egal, wie viel Geld er auf dem Konto hat, hat er immer ein Anrecht auf Verständnis und Einfühlungsvermögen. Denn ein guter Sparkassenmitarbeiter muss sich für Menschen interessieren und ihre individuellen Lebensbedingungen im Blick haben.“ Deshalb begrüßt sie es auch, dass sich Auszubildende heute im Rahmen ihrer Ausbildung auch ehrenamtlich für soziale Projekte engagieren. Thomas Emons
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