Thema Flüchtlinge: Besuch von Staatsministerin Aydan Özoğuz im Integrationszentrum Mülheim

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Staatsministerin Aydan Özoğuz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, besuchten gemeinsam mit NRW-Integrationsminister Guntram Schneider das Kommunale Integrationszentrum und waren bei einer Seiteneinsteigerberatung durch Fikret Vural live dabei. (Foto: Schernstein)
  Mülheim: Integrationszentrum |

Migration in Mülheim. Quer durch die Republik geht die Stadt an der Ruhr als das „Wunder von Mülheim“ für ihre Nächstenliebe und die herzliche Aufnahme von Flüchtlingen durch die Medienlandschaft. Doch ist wirklich alles Gold, was medial so schlagzeilenträchtig verkauft wird? Davon überzeugten sich Staatsministerin Aydan Özoğuz und NRW-Integrationsminister Guntram Schneider vor Ort.



Treffpunkt Zentrales Integrationszentrum. Seit gut zwei Stunden sind Aydan Özuğuz und Guntram Schneider im Vorfeld des Pressetermins bereits vor Ort und lassen sich durch Ulrich Ernst, Dezernent für Soziales, und der Leiterin des Integrationszentrums, Martina Kleinewegen, über gelungene und zukünftige Projekte informieren. Pünktlich um 11 Uhr öffnet sich die Tür. Mira Gajevi, Pressesprecherin der Staatsministerin und als solche durchaus krisenerprobt, hebt überraschend eine Augenbraue. „So viele Kollegen? Nun gut, dann wird es eben kuschelig warm hier drin.“ Kuschelig trifft es ziemlich gut, als sich neben den offiziellen Amtsträgern ein gutes Dutzend Journalisten im eher eng bemessenen Besprechungsraum aneinander reiben. Allein die Anzahl der Medienvertreter macht den letzten offiziellen Vertreter von Stadt, Land oder Bund deutlich, wie wichtig dieser Termin, wie wichtig das Thema Flüchtlingspolitik und Integration aktuell ist. Als alter Politprofi übernimmt es NRW-Integrationsminister Guntram Schneider die ersten Worte zu sprechen, die ersten Informationsbröckchen weiter zu geben und das interessengegebene Eis zwischen Medien und Politik zu brechen. Schneider atmet noch einmal tief durch und beginnt zu erzählen: „Was wir hier in den vergangenen zwei Stunden präsentiert und erzählt bekommen haben, macht für mich einmal mehr deutlich, dass die Menschen in Mülheim ihr Herz am rechten Fleck haben und Integration in vielen Bereichen vorbildlich leben. Doch bei allem Ehrenamt darf nicht vergessen werden, dass alle ehrenamtliche Hilfe ohne Hauptamt nicht möglich ist. Daher haben wir hier in Nordrhein-Westfalen ja auch die Integrationszentren ins Leben gerufen.“

„Die Menschen in Mülheim haben ein großes Herz und leben Integration in vielen Bereichen vorbildlich. “ Guntram Schneider, NRW-Integrationsminister



Unter der Leitung von Martina Kleinewegen versuchen die fünf Kollegen aus der Vielzahl der integrativen Maßnahmen für jede Familie und jeden einzelnen Flüchtling das richtige Maßnahmenpaket zu erarbeiten und bei der Umsetzung auch beratend zur Seite zu stehen. Mit den Kommunalen Integrationszentren wurde eine flächendeckende Unterstützung der Kommunen im Bildungs- und Integrationsbereich eingeführt, die Menschen mit Migrationshintergrund direkt vor Ort zugute kommt und gesamtgesellschaftlich betrachtet ein gutes Zusammenleben fördert und gelungene Integration vereinfachen soll.
Nach so viel theoretischem Wissen war Aydan Özuğuz auf einen Blick hinter die Kulissen und auf die tägliche Arbeit im Integrationszentrum Mülheim gespannt. Zusammen mit Guntram Schneider und den Journalisten gestattete Sachbearbeiter Fikret Vural den Besuch eines Erstberatungsgesprächs mit einer Flüchtlingsfamilie aus Mazedonien. Ein Vater mit seinen beiden Söhnen wartete angesichts des Medienaufkommens sicher noch ein wenig nervöser als normalerweise auf die ersten wichtigen Informationen, wie es mit ihm und seinem Nachwuchs in Mülheim nun weiter geht.

„Wenn ich vergleiche, wie ich als kleines Kind verschüchtert bei Behörden-besuchen auf meinem Stuhl gesessen habe - das ist kein Vergleich mit heute.“ Staatsministerin Aydan Özoğuz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration


Dank des ehrenamtlichen Dolmetschers David Maxouti klappte auch die Verständigung reibungslos. Zentraler Punkt waren die schulischen Vorkentnisse der Kinder, um deren Einordnung ins deutsche Schulsystem möglichst reibungslos zu gewährleisten. Während Fikret Vural die Frage „Gehst du denn gerne in die Schule?“ an den jüngeren der beiden Söhne übersetzte, konnte sich dieser ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen, nur um dann mit einem nachdrücklichen Kopfnicken für Gelächter in der Runde und bei der Staatsministerin für Integration für eine besondere Erinnerung zu sorgen. „Wenn ich vergleiche, wie ich als kleines Kind verschüchtert bei Behördenbesuchen auf meinem Stuhl gesessen habe - das ist kein Vergleich mit heute. Und das ist gut so.“ Kurz darauf war der öffentliche Teil des Gesprächs beendet und die Jungs mit Gutscheinen für eine einjährige Mitgliedschaft in einem ansässigen Sportverein und dem Wissen um ihre zukünftigen Schulen gut versorgt.
In gelösterer Atmosphäre - was ein Kinderlachen bei Politikern und Journalisten alles erreichen kann - ging es zurück in den Besprechungsraum und in die finalen Minuten des Ministerbesuches.

Noch Schwächen bei der Integration von nicht mehr schulpflichtigen Jugendlichen und Erwachsenen


Neben den Brötchen, - schließlich müssen auch Minister mal etwas essen - ging es Özöğuz vor ihrer Rückkehr nach Düsseldorf noch einmal um das ehrenamtliche Engagement für die Jugendlichen, die nicht mehr schulpflichtig sind und die Erwachsenen. Und am Ende ihres Besuches entdeckte sie noch den wunden Punkt im System. Außer Sprachkursen und der ein oder anderen Ausnahmebesuch eines Berufskollegs ist diese Flüchtlingsgruppe noch eine verlorene. Auch in Mülheim. Trotz aller örtlichen Wunder.

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