20 Jahre Theatererfahrung - -Zu Besuch im Theater an der Niebuhrg

Anzeige
Foto: privat
 
Foto: privat

Mit dem Titel „Von Zechenruine zum Theatertempel“ hatte die Interessengemeinschaft Lirich zum 12. Liricher Unternehmertreff in das Theater an der Niebuhrg eingeladen.

Vielleicht war es den vielen vorweihnachtlichen Verpflichtungen geschuldet, dass nur wenige Zeit hatten, aus 1. Hand zu hören, welche Herausforderungen es zu meistern galt und wie schwer es ist, einen Kulturtempel profitabel zu bewirtschaften.
Theatermacher Holger Hagemeyer war in bester Erzähllaune. Er thronte im Foyer auf der kleinen Bühne in einem bequemen Sessel und schilderte unterhaltsam, wie er sich seinen Traum vom Musiktheater erfüllte.
Alles nahm seinen Anfang im Jahr 1993. Bei einem New York-Aufenthalt lässt sich Holger Hagemeyer allabendlich von Musicals begeistern. Doch nicht die großen Broadway-Produktionen interessieren ihn, es sind die kleineren, die sogenannten Off-Broadway-Produktionen, die ihn begeisterten.

Entscheidung auf dem Rückflug

Auf dem langen Rückflug beschließt er, nicht länger nur Zuschauer zu sein, sondern selbst Musiktheater zu machen. Zurück in Deutschland kontaktiert er den Komponisten Klaus Wittelsbach und die Autorin Bea vom Endt und überzeugt sie von der Idee, sich gemeinsam an die Arbeit an einem Musical zu machen.
Drei Jahre später hat „Tarot“ seine Premiere in der Dubois-Arena in Essen. In zunächst zehn Vorstellungen erleben rund 4.000 Zuschauer die mystisch angehauchte Geschichte. Beflügelt vom Erfolg des Musicals macht sich Hagemeyer auf die Suche nach einem festen Spielort und findet ihn auf dem Gelände der Zeche Königsberg in Oberhausen.
Mit viel Aufwand baut er die hundert Jahre alte Zechenhalle zu einem Theater und Veranstaltungszentrum um und tauft sie – wegen der ihm absurd erscheinenden, aber schließlich überwundenen Schwierigkeiten mit Ämtern und Behörden „Schilda-Theater-Halle Oberhausen“. In der Folge wird der Spielort Schauplatz vieler von Hagemeyer selbst produzierten Musicals sowie Gastspielen und kann sich als Musiktheater und Event-Location etablieren.
Anfang 2004 ist das Event-Geschäft soweit gediehen, dass es dem Theaterbetrieb zeitlich im Weg steht und Hagemeyer macht sich erneut auf die Suche nach einem größeren Spielort für seine Musik- und Theaterproduktionen und Events, der räumlich mehr Möglichkeiten bietet. 2005 unterzeichnet er den Kaufvertrag für die ehemalige Zeche Concordia in Oberhausen, und obwohl der neue Spielort zunächst eine Ruine ist, wird bereits während der Restauration (die bis heute andauert) im Jahr 2006 das „Theater an der Niebuhrg“ eröffnet.
Erste Produktion auf der neuen Bühne ist die Show „Was Sie schon immer über Weihnachten wissen wollten“ die schon am Beginn des Spielbetriebs in der Schilda-Halle lief und als wahrer „Klassiker“ bis heute jedes Jahr ihr Publikum findet.
In den folgenden Jahren haben auf der Bühne unzählige von Hagemeyer produzierte Musik- und Theaterproduktionen ihre Premiere; Gastspiele aus den Bereichen Theater, Tanz und Kabarett vervollständigen das Programm. Auch die jährlichen Events locken bis heute tausende von Besuchern auf das Gelände der ehemaligen Zeche, von Hagemeyer organisierte Veranstaltungen wie die „Spaceritter“ oder die weihnachtliche „Printenburg“ haben einen Ruf weit über die Grenzen von Oberhausen hinaus. Auch bei der „Extraschicht“, der langen Nacht der Industriekultur, ist das Theater an der Niebuhrg seit vielen Jahren teilnehmendes Mitglied.
Und nicht nur in Oberhausen lässt Hagemeyer Theater spielen: In diesem Jahr ging das Ensemble der Niebuhrg zum ersten Mal mit der Musical-Revue „Schlager lügen nicht“ auf Tournee.
In diesem Jahr feiert Holger Hagemeyer ein doppeltes Jubiläum: 20 Jahre Theaterschaffen und 10 Jahre Theater an der Niebuhrg. Zum Jubiläum brachte er mit „Tarot“ das Musical wieder auf die Bühne, mit dem alles begann.
Rund 35 Musicaldarsteller gehören zur Stammbesetzung, die regelmäßig verpflichtet werden. Neun Angestellte stehen in Lohn und Brot. Mehr als 200 Veranstaltungen pro Jahr auf dem Programm, häufig sogar zwei Aufführungen am Tag.
Wie viel Kulissen dazu geschoben werden müssen, war beim anschließenden Rundgang anschaulich zu sehen. Aus Sparzwängen heraus werden nicht jedes Jahr neue Kulissen gebaut, sondern vorhandenes Material mehrmals recycled oder bis zur nächsten Nutzung eingelagert. Denn Platz gibt es in der Niebuhrg reichlich. Noch längst sind nicht alle Räume hergerichtet.
Aktuell wird die erste Etage des Haupthauses mit großem Aufwand saniert. Dort soll eine Mehrgenerationen-WG entstehen, mit großem Gemeinschaftssaal. Einer der ersten Mieter will der Buhrgherr persönlich sein. Bis es dazu kommt, wird noch einige Zeit vergehen, denn Holger Hagemeyer hat noch viele Baustellen.

Ateliers in den Kellern

In den Kellerräumen haben sich einige Künstler ein Atelier eingerichtet. Es gibt Platz für Proberäume und einen Raum für holzbearbeitende Senioren. Unter der Kelleretage sind weitere Hohlräume, die aber vom Grundwasser geflutet sind und zu Servicearbeiten mit dem Paddelboot befahren werden. Selbst ein kleiner See mit Brunnen befindet sich unter dem Haus. Der Wasserspiegel ist eng mit dem Wasserstand des Rheins verbunden. Die größte Überraschung liegt unter der Wiese vor dem Theaterhaus. Dort befindet sich unter großen Säulengängen ein weiterer See mit bisher unbekannter Tiefe.
Der faszinierende Rundgang endete im Foyer des Theaters, wo bei einem kleinen Imbiss neue Kontakte geknüpft wurden. Ausschnitt aus "Schlager lügen nicht". Foto: Archiv Nicht nur in Oberhausen lässt Hagemeyer Theater spielen: In diesem Jahr ging das Ensemble der Niebuhrg zum ersten Mal mit der Musical-Revue „Schlager lügen nicht“ auf Tournee. Auf Tour Holger Hagemeyer schilderte unterhaltsam, wie er sich seinen Traum vom Musiktheater erfüllte. Foto: privat
1
Einem Mitglied gefällt das:
1 Kommentar
1.105
Wolf Wigman aus Oberhausen | 22.12.2016 | 08:19  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.