Schwimmen, Laufen, Werfen: Das sind die fittesten Rentner NRWs

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Der 96-Jährige Oskar Schneider aus Minden tauscht zur Sportlerehrung ausnahmsweise auch mal seine Trainingskleidung gegen Anzug und Krawatte. (Foto: Andrea Bowinkelmann)
 
Sepp Hein mit Schleuderball auf der Tartanbahn – Der Sportplatz ist für den 84-Jährigen Solinger wie ein zweites Zuhause. (Foto: Andrea Bowinkelmann)

Im hohen Alter fit wie ein Turnschuh sein – Wer wünscht sich das nicht? Zwei ganz besondere Herren aus NRW machen vor, wie das geht.

Da ist zum einen Oskar Schneider. Mit 96 Jahren ist er der älteste Nordrhein-Westfale, der regelmäßig das Sportabzeichen ablegt. „Ich konnte nie gut die Füße stillhalten“, sagt Schneider, der kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges geboren wurde. „Mit sechs war ich bereits Mitglied im Turnverein, mit 15 habe ich in der ersten Mannschaft Fußball gespielt.“

Das Sportabzeichen legte er zum ersten Mal 1937 in Berlin ab. Der Zweite Weltkrieg machte seine sportlichen Ambitionen dann erstmal zunichte. „Ich besaß nur noch das, was ich bei mir trug. Da war an Sport erstmal nicht zu denken“, erinnert er sich an seine Anfänge in Minden. Doch Schneider wusste sich zu helfen. Er besorgte sich eine Badehose und trainierte in der Werse. Schwimmen wird eine seiner Leidenschaften. Schneider: „Mit 56 habe ich den Wörthersee durchschwommen.“

Sportabzeichen erst wieder im Rentenalter

An das Sportabzeichen dachte er lange nicht. Doch im Rentenalter packte ihn wieder die Faszination, seine Vielzahl an sportlichen Talenten unter Beweis zu stellen. „Ein Vereinskollege vom TuS Eintracht Minden hat mich damals angesprochen, ob ich nicht Lust hätte mit ihm gemeinsam das Sportabzeichen abzulegen. Da musste ich nicht lange überlegen.“

Gesagt, getan. Schneider wurde zum „Wiederholungstäter“. Seit 1987 hat er ohne Unterbrechungen jedes Jahr das Sportabzeichen abgelegt. Selbst ein Beinbruch im Alter von 93 Jahren konnte ihn nicht davon abhalten, weiter zu trainieren und Auszeichnungen zu sammeln. Sein Erfolgsrezept: „Ich setze mir immer kleine Ziele, um in Bewegung zu bleiben. Das ist wichtig, um die Lebensqualität zu erhalten. Denn ich merke, dass der Körper im Alter unglaublich schnell abbaut.“

Mittlerweile hat er das Sportabzeichen zum 30. Mal gemeistert: Kugelstoßen, Schleuderball, 25 Meter schwimmen und 20 Kilometer Radfahren. „Ich habe die Übungen schon in Goldzeit hinter mich gebracht, aber ich versuche mich noch zu verbessern“, lacht er.

Josef „Sepp“ Hein ist Rekordhalter

Auch ein anderer Senior aus Nordrhein-Westfalen ist ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, seine Fitness unter Beweis zu stellen. Niemand hat das Sportabzeichen in Deutschland so häufig abgelegt wie er – Josef „Sepp“ Hein aus Solingen. Der 84-Jährige erhielt im vergangenen Jahr zum 65. Mal die Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbunds. Doch die obligatorische Anstecknadel bei der Preisverleihung in Essen blieb aus. „Ich habe etwas enttäuscht nachgefragt, wieso ich in diesem Jahr keinen Anstecker bekomme. Da wurde mir gesagt, dass es für das 65. Mal gar keine Nadel mehr gibt, weil das noch niemand geschafft hätte. Stattdessen habe ich dann einen dicken Pokal bekommen“, erzählt Hein schmunzelnd.

1950 wurde er in der Schule durch zwei Lehrer animiert, das Sportabzeichen abzulegen. Seitdem ist er ununterbrochen dabei. „Mich reizte immer mehr die Anzahl und die lückenlose Ablegung als die erbrachten Leistungen“, erklärt der Solinger. Das er stets am Ball blieb, ist aufgrund von zahlreichen Verletzungen an Schultern, Knien, Muskeln und Sehnen umso bemerkenswerter. „Man hat zwar immer mal wieder seine kleinen Wehwehchen, aber im Großen und Ganzen habe ich Glück gehabt“, so der Rentner.

Leidenschaft zum Beruf gemacht

Hein machte sein Hobby zum Beruf, studierte an der Sporthochschule in Köln und wurde Lehrer für Sport und Englisch. „Ich bin einer der wenigen Lehrer gewesen, die die Übungen noch selbst vorgeturnt haben.“

Auf die Frage, ob er einen Tipp für Sportmuffel hat: „Das Schwierigste ist natürlich, jedes Mal aufs Neue seinen inneren Schweinehund zu überwinden. Am besten macht man daher Sport in der Gruppe. Da kann man sich gegenseitig anspornen und es macht einfach mehr Spaß als alleine.“

Aktive Familie

Neben dem Training für das Abzeichen, spielte Hein 30 Jahre Handball und zehn Jahre Tennis. Sein Sohn war ein talentierter Mehrkämpfer und seine Enkelkinder sind ebenfalls aktive Leichtathleten. Zudem übernimmt seine Frau Ruth seit Jahrzehnten Funktionärsaktivitäten im Solinger Breitensport und wurde dafür 2012 sogar mit der NRW-Sportplakette ausgezeichnet. „In dieser Hinsicht hat mich meine Frau bereits überholt. Dabei war sie anfangs eher unsportlich, bis ich sie mit meiner Sportbegeisterung anstecken konnte“, so der 84-Jährige.

Es ist noch lange nicht Schluss

Eigentlich wolle Hein nach dem 65. Sportabzeichen aufhören. „Als ich von meinem Rekord gehört habe, habe ich aber wieder Blut geleckt.“ Mittlerweile hat er die Übungen zu seinem 66. Sportabzeichen erfolgreich absolviert. Weitsprung und Sprint zählen zu seinen Lieblingsdisziplinen. „Als meine Enkelin hörte, dass ich dieses Jahr weitermache, hat sie angerufen und gefragt, ob sie nicht gemeinsam mit dem Opi das Abzeichen ablegen könnte“, freut sich Hein. „Da habe ich natürlich nicht nein gesagt.“

Auf die Frage, ob er nun das 70. Sportabzeichen anpeilt, antwortet der 84-Jährige ähnlich wie Herr Schneider: „Ich halt mich an die Fußballer, die von Spiel zu Spiel denken. So denke ich von Jahr zu Jahr und bin für jede weitere Auszeichnung dankbar.“
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