Neue Wege: Das ist keine Schmiererei, sondern Kunst

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Javier Lando Blanco kommt aus Spanien und ist frei schaffender Künstler.
  Zwölf Jugendliche griffen in den vergangenen Tagen zu Graffiti-Dosen, um Wände, ein Garagentor und ein Trafohäuschen zu besprayen. Aber keine Sorge, dabei handelte es sich keineswegs um kriminelle Schmierereien oder Sachbeschädigung. Im Gegenteil: Hier war ein Künstler mit einigen Nachwuchs-Talenten am Werk.

Seit inzwischen sechs Jahren führt der Verein „Neue Wege“, der ein Zusammenschluss der Jugendgerichtshilfen der Städte Heiligenhaus, Mettmann, Haan und Wülfrath ist, erfolgreich diese sozialpädagogisch begleiteten Graffiti-Projekte durch. "Die Jugendlichen und Heranwachsenden, die daran teilnehmen, sind straffällig geworden und leisten so einen Teil ihrer Sozialstunden ab", erklärt Giuseppina Cagna vom Jugendamt in Heiligenhaus, die das Projekt von Beginn an begleitet. Sie sind in der Regel zwischen 15 und 21 Jahre alt und sollen unter anderem lernen, zusammen zu arbeiten: "Es müssen Absprachen getroffen sowie Aufgaben verteilt und umgesetzt werden, generell ist viel Kommunikation nötig, damit am Ende ein schönes Kunstwerk entsteht."

An Flächen, die umgestaltet werden sollen, mangelt es nicht. Schon jetzt haben sich wieder Interessenten für die kommenden Jahre gemeldet, informiert Cagna. "In diesem Jahr haben wir das Vereinshaus des Hundevereins in Heiligenhaus farbenfroh gestaltet." Darüber hinaus hat der Bürgerverein Heiligenhaus-Heide ein Garagentor als Fläche zur Verfügung gestellt, im Heiligenhauser Club wurde im hinteren Bereich Farbe an die Wände gebracht und auch aus einem Trafohäuschen in Wülfrath machten die Jugendlichen im Rahmen des Projektes einen Hingucker.

"Wir sind froh, dass wir das Projekt jedes Jahr so erfolgreich umsetzen können", sagt Giuseppina Cagna. Neben ihr sind auch immer weitere Jugendgerichtshelfer vor Ort, um den Jungen und Mädchen über die Schulter zu schauen. "Natürlich muss man den einen oder anderen mal ermahnen. Es gibt aber auch Teilnehmer, die richtige Naturtalente sind und den Spaß an der Kunst entdecken." Darüber hinaus war in diesem Jahr sogar ein Jugendlicher freiwillig an der Aktion beteiligt. Alle anderen seien wegen leichter Delikte zu Sozialstunden verdonnert worden. "Das kann Diebstahl gewesen sein, wiederholtes Schwarzfahren, leichte Körperverletzung oder aber Fahren ohne Fahrerlaubnis", sagt Cagna.

Ebenfalls seit dem ersten Jahr beteiligt ist Javier Lando Blanco. Der Spanier ist als frei schaffender Künstler für den kreativen Part des Projektes verantwortlich. "Ich selber habe mit 16 Jahren meine Leidenschaft für Graffitis entdeckt. Inzwischen arbeite ich für das Unternehmen ,Deltadec' und kann mich beruflich solchen Kunstwerken widmen." Nicht nur hier in der Region, sondern unter anderem auch in Berlin oder Bremen würde er mit Jugendlichen zusammenarbeiten. Dafür kommt er mehrmals im Jahr aus seiner Heimat Pamplona nach Deutschland gereist. Die deutsche Sprache beherrscht er auch. "Ich habe vier Jahre in Göttingen studiert und gearbeitet", erzählt er.
„Javier erstellt die Vorlagen, rechnet aus, in welcher Größe die Motive aufgebracht werden sollen und hilft schließlich auch beim Malen und Sprayen“, so Cagna. Die entsprechenden Daten der Wände und Fassaden würde sie ihm im Vorfeld zukommen lassen. "Und bisher ist das Ergebnis immer gut angekommen." So auch in diesem Jahr bei den Mitgliedern des Hundevereins in Heiligenhaus, wie dessen Kassiererin Nina Tacke zufrieden bestätigt. Nun zieren - wie sollte es auch anders sein - Bilder von Vierbeinern das Vereinshaus, ebenso wie ein Schriftzug und ein Schild, auf dem der Name des Vereins geschrieben steht.
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