Das Leid mit eigenen Augen sehen: Nevigeserin reiste nach Satu Mare

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  "Wer einmal dort drüben gewesen ist und gesehen hat, wie die Menschen leben und an was es ihnen fehlt, der hört nicht einfach auf, Spenden zu sammeln", so Monika Schlinghoff, die im Namen der Rumänienhilfe Oldenburg/Rastede einmal pro Jahr Hilfstransporte nach Rumänien organisiert. Mehrfach wurde sie in den vergangenen Wochen auf das Gerücht angesprochen, dass es diese Hilfsaktion zukünftig nicht mehr geben wird. "Da ist nichts dran", betont sie. "Ende des Jahres sollen in Neviges wieder zwei Hilfstransporter mit Spenden beladen werden, die sich dann auf den Weg nach Satu Mare machen."

Satu Mare, hier leben rund 100.000 Menschen. Und hier machte sich Monika Schlinghoff im Mai erneut ein Bild davon, wie dringend die Hilfe aus Deutschland benötigt wird. "Wirklich sehr dringend! Egal ob Lebensmittel, Kleidung oder Möbel." All diese Sachen kosten dort genauso viel wie in Deutschland, teilweise vielleicht sogar ein bisschen mehr. Das fatale Problem: "Die Menschen verdienen bei Weitem nicht so viel Geld wie wir", informiert die engagierte Nevigeserin. So sind es bei einem Arzt beispielsweise nur rund 350 Euro monatlich. "Viele Familien stellen sich am Ende des Monats die Frage: Heizen oder Hungern?"

Erste Spende im Jahr 1996: Eine Autoladung

Umso wichtiger ist es, weiterhin aktiv zu sein, betont Schlinghoff. Und das ist sie seit über 20 Jahren. "Der Kontakt zu dem Verein ,Rumänienhilfe Oldenburg/Rastede' ist damals über eine Bekannte entstanden", erinnert sie sich. Doch nicht nur sie, ihre Familie, zahlreiche Freunde und Nachbarn, sondern auch weitere Bürger aus Velbert und den umliegenden Städten sowie Kitas und Grundschulen spenden Jahr für Jahr.
Was 1996 mit einer kleinen Autoladung voller Geschenke begonnen hat, hat sich schnell zu Großtransporten entwickelt. Und so werden seit einigen Jahren immer zwei 40-Tonner mit allerlei Spenden vollgepackt, die für Kinder und Erwachsene in Satu Mare bestimmt sind.

Ende des Jahres werden wieder Hilfstransporter beladen

"Gespendet werden kann bis auf Möbelstücke eigentlich alles", sagt Schlinghoff. Kleidung, Lebensmittel, Haushaltsgegenstände, sogar Fahrräder und Bobby-Cars wurden in den vergangenen Jahren auf die Lkws geladen. „All diese Sachen werden auch gebraucht“, freut sich die Nevigeserin über den engagierten Einsatz der Bürger und hofft, dass auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Spenden abgegeben werden. Dank der Kooperation mit der Caritas Satu Mare in Rumänien kommt vor Ort alles da an, wo es gebraucht wird. „Hier laufen alle Fäden zusammen. Alles Organisatorische, wie die Sichtung der Spenden, die Verteilung, also wo wird was benötigt, wird dort übernommen“, sagt Schlinghoff. Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch dort Ausweise, mit denen die Bedürftigkeit nachgewiesen werden kann.

Herzlicher Empfang und große Dankbarkeit

"Wir waren bei unserem Besuch in vielen verschiedenen Einrichtungen, zum Beispiel in Kindergärten, Seniorenheimen und Gemeinderäumen. Die Einrichtung besteht eigentlich ausschließlich aus unseren Spenden", erzählt die Nevigeserin. Überall wurden die Deutschen herzlich empfangen. "Obwohl wir nicht die gleiche Sprache gesprochen haben, war es nie ein Problem, sich zu verständigen." Zum Dank für die Gastfreundlichkeit hat Monika Schlinghoff überall Waffeln gebacken. "Die kennen sie dort gar nicht und waren daher zunächst ein bisschen skeptisch, schließlich haben sie alle - sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen - die Waffeln aber nicht nur gerne gegessen, sondern hatten auch Spaß dabei, den Teig in die Waffeleisen zu füllen." Rezepte und Waffeleisen habe sie dort gelassen, damit es die süßen Teilchen auch zukünftig geben kann.

Mangelernährung ist deutlich zu sehen

Neben solch freudigen Begegnungen, hat die Gruppe auch viel Unerfreuliches sehen müssen: "Die Teenager sehen mit ihren 13 oder 14 Jahren aus wie Achtjährige. Das liegt an der Mangelernährung", sagt die Mutter eines erwachsenen Sohnes betroffen. Ebenfalls sehr traurig machten sie die Behausungen: "Teilweise riecht es modrig, es kann nicht geheizt werden. So etwas wie ein Mietsystem kennt man in Rumänien auch nicht. Entweder es ist das nötige Geld zum Kauf einer Wohnung oder eines Hauses da oder eben nicht."

Mit dem Flugzeug bis nach Budapest und dann 400 Kilometer weiter bis nach Satu Mare

Für Monika Schlinghoff und die fünf weiteren Frauen der Rumänienhilfe Oldenburg/Rastede ging es mit dem Flugzeug zunächst bis nach Budapest (Ungarn) und dann 400 Kilometer mit dem Auto nach Satu Mare (Rumänien). "Es ist sehr merkwürdig, man fährt Stunden über eine moderne, gut ausgebaute Autobahn und denkt an nichts Schlimmes", erläutert sie. "Dann passierst du die Grenze und befindest dich plötzlich in einer Art Hölle. Die Straßen sind voller Schlaglöcher und die Häuser sind heruntergekommen." Diese und auch die weiteren Bilder und Eindrücke wird sie nicht mehr vergessen, da ist sie sich sicher. Wobei sie sich hingegen sehr unsicher ist: "Ob ich es nochmal ertrage, dorthin zu fahren, um das Leid mit eigenen Augen zu sehen."
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