Die letzten WAT-Stempel - lange nach der Eingemeindung

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Über den Verbleib der letzten Wattenscheider Stempel ist nichts bekannt.
 
Dieses Blatt aus der Sammlung von Friedhelm Nunier zeigt die Letzttags-Stempel der Wattenscheider Post vom 30. Juni 1976. Fotos (2): Vera Demuth

Anlässlich der 600-Jahr-Feier Wattenscheids im Sommer hat der Heimatkundler Friedhelm Nunier seinen „Stadtgeschichten aus Wattenscheid“ einige weitere Kapitel hinzugefügt. Eines davon ist eine Erinnerung an die Postgeschichte der Hellwegstadt.

Diese begann wahrscheinlich vor 1732 und endete aufgrund der Eingemeindung Wattenscheids zu Bochum. „Mit der Gebietsreform hat nicht nur die Stadt Wattenscheid ihre Selbständigkeit eingebüßt. Mit ihr wurde auch der Schlusspunkt hinter die wechselvolle Geschichte der Wattenscheider Post gesetzt“, zitiert Nunier die Wattenscheider Briefmarkenfreunde im Jahr 1976.

WAT "in der Verlängerung"

Während die Eingemeindung am 1. Januar 1975 erfolgte, dauerte die Geschichte der Post dagegen noch anderthalb Jahre an und endete erst am 30. Juni 1976. Davon zeugen die fünf offiziellen Letzttags-Stempel, von denen Nunier je ein Exemplar gesammelt und alle auf einem Blatt zusammengestellt hat. „Sie sind alle vom letzten Tag“, erläutert der Heimatkundler. Vertreten sind der Stempel der Wattenscheider Hauptpoststelle sowie die der Nebenstellen in Günnigfeld, Leithe, Höntrop und Eppendorf. Damit habe Wattenscheid „auch postalisch aufgehört zu bestehen“, hat Nunier in seinen Stadtgeschichten notiert.
Zuvor hat die Post seit mindestens 1732 in Wattenscheid existiert, stellt der 80-jährige Eppendorfer in seinen zusammengetragenen historischen Informationen anhand der Aufzeichnungen des Heimatkundlers Bewarder dar. In diesem Jahr „wurde erstmals eine preußische Reiterpost erwähnt, die von Duisburg über Mülheim-Ruhr, Essen, Steele, Wattenscheid nach Bochum führte“, heißt es da. Daraus schloss Bewarder, dass Wattenscheid zu diesem Zeitpunkt über eine eigene Poststelle verfügte.

Schnaps für den Postboten

Diese war in den folgenden 120 Jahren wechselweise den Postämtern Duisburg, Essen, Dortmund und schließlich Bochum unterstellt. „1868 bestand das Postpersonal aus zwei Beamten und zwei Vertragsdienern. Das kleine Postgebäude in der Hochstraße reichte für den damaligen Verkehr völlig aus, ebenso wie der einzige Briefkasten die täglichen Briefschaften leicht fassen konnte“, lässt es sich in Friedhelm Nuniers zusammengestellten Unterlagen nachlesen.
Bewarders Aufzeichnungen enden 1933 mit dem Umzug der Post in das neu erbaute Gebäude an der Hochstraße 31, in dem sie heute noch untergebracht ist. „Damals wurde die Post zentralisiert“, weiß Nunier, der sich sowohl im Heimat- und Bürgerverein Wattenscheid als auch im Eppendorfer Heimatverein engagiert, zu berichten.
Abgerissen worden ist dagegen das alte Fachwerkhaus Am Thie 12, in dem die Eppendorfer Post untergebracht war. Allerdings hat Nunier seinen historischen Unterlagen eine Zeichnung beigefügt, die das alte Gebäude zeigt.
Zu Postgeschichte Wattenscheids hat er übrigens sogar persönliche Beziehungen. „Mein Schwiegervater war 30 Jahre Postbote in Leithe“, erzählt er. „Er hat damals noch den Leuten die Rente nach Haus gebracht und wurde immer mal auf einen Schnaps eingeladen.“
Davon findet sich in seinen „Stadtgeschichten aus Wattenscheid“ nichts, aber vielleicht berichtet er seinen interessierten Besuchern persönlich davon. Denn während der 600-Jahr-Feierlichkeiten vom 29. Juni bis zum 2. Juli wird Friedhelm Nunier seine Informationen zur Postgeschichte Wattenscheids an einem Stand auf dem Alten Markt präsentieren. Neben der Postgeschichte möchte er dann unter anderem weitere neue Stadtgeschichten zum Wattenscheider Jugendring sowie zum Thema „Eppendorf und Munscheid – Die adelige Braut“ vorstellen.

Text von Vera Demuth
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