Suhrkamp Verlag

Beiträge zum Thema Suhrkamp Verlag

Kultur

Vor 125 Jahren wurde Marie Luise Kaschnitz geboren
Sprachrohr der Ratlosigkeit

Mit dem ihr oft verliehenen Etikett der „grande dame“ der deutschen Literatur konnte sich die Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz nie anfreunden. Obwohl sie nur in ihrer „Jugend“ Romane und nach dem Krieg vorwiegend Gedichte und Erzählungen geschrieben hat, gilt sie als eine der herausragenden Gestalten in der deutschen Nachkriegsliteratur. Marie Luise Kaschnitz hat ihren eigenen Stellenwert gern herunter gespielt. Als ihr 1955 der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde, entschuldigte sie sich...

Kultur

Vor 100 Jahren geboren: Dramatiker Tankred Dorst
Das Leben ist ein Gespräch

Seine Stücke werden immer noch gespielt, allerdings nicht mehr an den großen Bühnen. Über mehrere Jahrzehnte hat er die deutsche Theaterlandschaft geprägt. Tankred Dorst hat in der intensiven Zusammenarbeit mit seiner Frau Ursula Ehler Theatergeschichte geschrieben. „Er gehörte zu den bekanntesten und produktivsten Theaterautoren Deutschlands“, hieß es 2014, als ihm für sein Lebenswerk der Theaterpreis „Der Faust“ verliehen wurde. 2013 hatte das kongeniale Künstlerpaar seinen Wohnsitz von...

Kultur

Isabel Allendes neuer Roman
Ein Leben als ewiger Kampf

„An meinem siebten Geburtstag, am 14. April 1873, zog meine Mutter, Molly Walsh, mir meine Sonntagssachen an und brachte mich zum Union Square, um die einzige Fotografie von mir machen zu lassen, die aus Kindertagen von mir existiert.“ So leitet die inzwischen 83-jährige Isabel Allende ihren neuen Roman ein, in dessen Mittelpunkt wieder einmal eine außergewöhnlich starke Frauenfigur steht. Mit einer Auflage von 100000 Exemplaren ist das neue Erzählwerk nun erschienen. Emilia ist 1866 in San...

Kultur

Ralf Rothmanns Erzählungen „Museum der Einsamkeit“
Abseits der Moden

Der inzwischen 72-jährige Ralf Rothmann schreibt seit mehr als drei Jahrzehnten auf einem konstant hohen Niveau – sowohl in seinen Roman als auch in den Erzählungen und in seinen Gedichten. Er hat sich in all seinen Romanen immer auch ein wenig am eigenen Leben abgearbeitet, aber aus stets wechselnden Perspektiven. Seine Romane über Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet („Wäldernacht“, 1994, „Milch und Kohle“, 2000, „Junges Licht“, 2004) sind in all ihrer Düsternis präzise Milieustudien aus einer...

Kultur

Ralf Rothmanns Erzählungen „Museum der Einsamkeit“
Abseits der Moden

Der inzwischen 72-jährige Ralf Rothmann schreibt seit mehr als drei Jahrzehnten auf einem konstant hohen Niveau – sowohl in seinen Roman als auch in den Erzählungen und in seinen Gedichten. Er hat sich in all seinen Romanen immer auch ein wenig am eigenen Leben abgearbeitet, aber aus stets wechselnden Perspektiven. Seine Romane über Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet („Wäldernacht“, 1994, „Milch und Kohle“, 2000, „Junges Licht“, 2004) sind in all ihrer Düsternis präzise Milieustudien aus einer...

Kultur

Ralf Rothmanns Erzählungen „Museum der Einsamkeit“
Abseits der Moden

Der inzwischen 72-jährige Ralf Rothmann schreibt seit mehr als drei Jahrzehnten auf einem konstant hohen Niveau – sowohl in seinen Roman als auch in den Erzählungen und in seinen Gedichten. Er hat sich in all seinen Romanen immer auch ein wenig am eigenen Leben abgearbeitet, aber aus stets wechselnden Perspektiven. Seine Romane über Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet („Wäldernacht“, 1994, „Milch und Kohle“, 2000, „Junges Licht“, 2004) sind in all ihrer Düsternis präzise Milieustudien aus einer...

Kultur

Urs Faes' Roman „Sommerschatten“
Hart, aber zart

Zum dritten Mal hat sich der inzwischen 78-jährige Schweizer Schriftsteller Urs Faes literarisch mit dem Sujet Krebs auseinander gesetzt – zum ersten Mal 2010 in seinem Roman „Paarbildung“. Zuvor hatte der Autor auf einer onkologischen Station hospitiert. Zwei Jahre später erkrankte Faes selbst an Prostatakrebs: „Mit einem Mal erfuhr ich an meinem eigenen Leib, was ich vorher nur geschildert hatte.“ 2017 ist aus seinen eigenen Erfahrungen der Band „Halt auf Verlangen“ entstanden. Nun erzählt...

Kultur

Zum Tod von Mario Vargas Llosa
Zwischen Exotik und Realismus

„Ich glaube, die beste Art, die Übel unserer Zeit zu bekämpfen, besteht darin, Bücher zu verbreiten und die Menschen von einer besseren Welt träumen zu lassen, von einer anderen Welt, in der es weniger Gründe gibt, um unzufrieden zu sein“, hatte Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa im September 2020 in Berlin erklärt. Im letzten Jahr war in deutscher Übersetzung noch der Roman „Die große Versuchung“ erschienen. Liebe und Kunst, Leidenschaft, die Politik und Peru: Vargas Llosa hatte noch einmal...

Kultur

Christoph Heins Roman „Das Narrenschiff“
An der Zeitachse entlang

Die deutsch-deutsche Geschichte mit all ihren gegensätzlichen Befindlichkeiten, die sie entfachte, wird den inzwischen 81-jährigen Schriftsteller Christoph Hein (vermutlich) nicht mehr loslassen. „Nach 1989 gab es eine ungeheure Dämonisierung der DDR, jetzt eine rosarote Verklärung. Das würde ich mit Humor und Gelassenheit nehmen. Wer wirklich etwas über die DDR erfahren will, der muss Bücher lesen, die in dieser Zeit geschrieben wurden“, erklärte Hein vor einigen Jahren und empfahl in diesem...

Kultur

Zum Tod des Schriftstellers Peter Bichsel
Großer Individualist

„Ich glaube, man kann das eigene Leben nur erzählend bestehen, sich selbst erzählend. Der Mensch, der in eine wirkliche Notsituation gerät, in ein Gefangenenlager, in eine Gletscherspalte oder weiß ich, wohin: Der Mensch, der in der Gletscherspalte an einem Seil hängt, bereitet bereits die Erzählung vor, die er dann erzählen wird am Stammtisch. Wenn er gerettet wird“, hatte Peter Bichsel 2022 in einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“ erklärt. Es gibt nicht wenige Literaturexperten, die...

Kultur

Vor 100 Jahren wurde Friederike Mayröcker geboren
Den Kopf verlieren

„Eigentlich kann ich beim schreiben den Kopf verlieren“, heißt es in einem der späten Gedichte von Friederike Mayröcker aus dem Jahr 2019. Der Suhrkamp Verlag hat nun pünktlich zum 100. Geburtstag einen opulenten Band mit Arbeiten aus der letzten Schaffensperiode vorgelegt – chronologisch angeordnet und mit einem respektvoll-klugen Nachwort von Marcel Beyer versehen. Ihre Kreativität war imponierend. Bis zuletzt hat die grande dame der österreichischen Literatur geschrieben und fast Jahr für...

Kultur

Zum Tod des Büchner-Preisträgers Jürgen Becker
Prosa als fehlender Rest

„Vielleicht ein Versuch, die Zeit aufzuhalten und geräumtes Gelände zurückzugewinnen. Weit kommst du nicht mehr, aber fang nicht damit an, deine Schritte zu zählen; allein dein Schatten, falls Sonne vorhanden, begleitet dich“, hieß es im Band „Die Rückkehr der Gewohnheiten“ (2022)  aus der Feder des viele Jahrzehnte unterschätzten Schriftstellers Jürgen Becker. Als „eine maßgebliche Stimme der zeitgenössischen Poesie“ wurde Becker 2014 völlig zu Recht bezeichnet, als ihm der...

Kultur

Mario Vargas Llosas' letzter Roman
Die Kraft der Musik

"Die Musik hatte die Seelen der Anwesenden so fest in ihren Bann gezogen, dass jeder soziale, ethnische, intellektuelle oder politische Unterschied in den Hintergrund trat. Der Innenhof des Hauses war wie elektrisiert von einer Welle des Miteinanders, es herrschte das Wohlwollen, die Liebe“, heißt es im letzten Roman des bedeutenden peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa. Er werde nur noch ein Buch über sein großes dichterisches Vorbild Jean-Paul Sartre beenden, verriet er im Nachwort...

Kultur

Angela Krauß' neuer Prosaband
Leben im Ungewissen

Der Titel dieses schmalen Bandes ist unkonventionell und herausfordernd zugleich – eine Einladung zu einer Reise gegen den Strom des poetischen Zeitgeistes. Die 74-jährige Angela Krauß, die 1988 mit dem Gewinn des Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Preises den künstlerischen Durchbruch geschafft hatte, ist eine Meisterin der radikalen Verknappung. Vortrags- und Lesereisen führten sie an Universitäten in den USA und Kanada. An der Universität Paderborn war sie Gastdozentin für Poetik. Vor allem aber...

Kultur

Neuer Allende-Roman erscheint am 15. April
Samuel und Anita

Es kann mehr Fluch als Segen sein, wenn einem Schriftsteller mit dem Debütwerk gleich ein ganz großer Wurf gelingt. Günter Grass musste diese Erfahrung machen, weil er über lange Zeit stets an der "Blechtrommel" gemessen wurde. Nicht anders ergeht es der inzwischen 81-jährigen Isabel Allende, die mit ihrem Erstling "Das Geisterhaus" (1982) auch gleich einen Weltbestseller landete. Ihre Bücher haben eine Gesamtauflage von über 73 Millionen erreicht und wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt....

Kultur

80. Geburtstag des Schriftstellers Christoph Hein
Von Drachenblut bis Verwirrnis

„Ich wollte mit diesem Stimmen-Teppich ein Bild der Kleinstadt liefern, wo allein die Stimmen die Farben sind“, hatte Christoph Hein in einem Interview über seinen letzten Roman „Guldenberg“ (2021) erklärt, in dem er sich mit den kleinen und großen Feindseligkeiten in einer mitteldeutschen Kleinstadt auseinandersetzt. Die deutsch-deutsche Geschichte mit all den höchst gegensätzlichen Befindlichkeiten, die sie entfachte, wird Christoph Hein (vermutlich) nicht mehr loslassen. „Nach 1989 gab es...

Kultur

Gerbrand Bakkers Roman „Der Sohn des Friseurs“
Auf der Suche nach dem Vater

„Aus irgendeinem Grund hat sich Cornelis nie wirklich vorstellen können, dass in... wie viel Kilometern Entfernung? dreitausend? zur gleichen Zeit Menschen, die er kennt, sehr gut kennt sogar, Menschen, wie sein Vater, ihr Leben leben. Nicht vorstellen können? Oder wollen?“, heißt es auf der vorletzten Seite des neuen Romans des Niederländers Gerbrand Bakker. Für den Leser ist es bis dahin ein geheimnisvoller, verzweigter, beinahe labyrinthartiger Weg, denn Cornelis' Sohn Simon Weiman wähnt...

Kultur

Valerie Fritschs Roman „Zitronen“
Gewalt in Worte gefasst

„Ich glaube nicht, dass es nur ein dunkler Roman ist. Das Leben ist nicht linear. Natürlich handelt es sich bei Gewalt um etwas Düsteres, aber dennoch ist sie allgegenwärtig. Trotzdem geht es in diesem Roman auch viel um Zärtlichkeit. Aber es stimmt schon, es ist sicher ein Buch der Unbarmherzigkeit“, hatte die 34-jährige österreichische Schriftstellerin und Fotokünstlerin Valerie Fritsch in einem Interview über ihren Roman „Zitronen“ erklärt. Es ist ein Roman der absoluten Gegensätze: es geht...

Kultur

Jorge Semprún wurde vor 100 Jahren geboren
Kampf gegen das Vergessen

"Nichts könnte mich emotional mehr bewegen, wenn ich an mein Leben und an meine Illusionen für die Zukunft denke, als einen Preis für Europäische Literatur in Salzburg empfangen zu dürfen, der Heimat von Wolfgang Amadeus Mozart, Weltbürger des aufgeklärten Europas", bekannte der spanische Schriftsteller Jorge Semprún 2006 in seiner Dankesrede zur Verleihung des österreichischen Staatspreises für europäische Literatur. Seine Biografie prädestiniert Semprún zum Vorreiter einer großen europäischen...

Kultur

Peter Handke: Die Ballade des letzten Gastes
Ausschweifende Ein-Mann-Expedition

Seit mehr als einem halben Jahrhundert scheiden sich die Geister an Peter Handkes Werk. Was Philologen und eine kleine, aber treue Fangemeinde als eine Art vollkommene Posie feiern, stößt bei großen Teilen der literaturinteressierten Öffentlichkeit auf vornehme Zurückhaltung. Handkes ausgeprägter Subjektivismus, seine Affinität zur Selbstinszenierung und seine schon in jungen Jahren praktizierte Abkehr vom klassischen Erzählen führten zu einem selbstgewählten Außenseitertum. "Diese Begebenheit...

Kultur

Zum 90. Geburtstag von Cees Nooteboom
Immer noch neugierig

„Manchmal geschieht so etwas, man hat Dinge in aller Unschuld geschrieben, und Jahre später hat ein italienischer Bildhauer sie gelesen und einen Zusammenhang mit dem entdeckt, was er selber macht“, schreibt Cees Nooteboom in seinem jüngst erschienenen Band „In den Bäumen blühen Steine“, in dem er sich mit den Berührungspunkten seiner Gedichte und den Skulpturen des italienischen Künstlers Giuseppe Penone (Jahrgang 1947) auseinander setzt. Dem niederländischen Schriftsteller geht es darin aber...

Kultur

Andreas Maiers Roman „Die Heimat“
Das schwarze Loch

Der 55-jährige Schriftsteller Andreas Maier hat den nächsten literarischen Mosaikstein seines monumentalen autofiktionalen Erzählprojekts fertig gestellt. Kindheit, Jugend und Pubertät im Landstrich zwischen Gießen und Frankfurt standen in den Vorgängerwerken im Mittelpunkt. Dann hat Maier im unmittelbaren Vorgängerwerk „Die Städte“ den Radius etwas größer gezogen und über die Studienjahre in Frankfurt erzählt. Nun folgt unter dem Titel „Die Heimat“ also Band neun des auf insgesamt elf Bände...

Kultur

Nobelpreisträger Peter Handke wird 80
Mein Ich ist stärker als ich

„Mein Ich ist stärker als ich“, lautet einer der prägnantesten (selbst charakterisierenden) Sätze aus dem kürzlich erschienenen Notizbuch „Die Zeit und die Räume“, das einen Zeitraum von vier Monaten im Jahr 1978 umfasst. Poetische Schnipsel, Alltagsbeobachtungen und jede Menge Selbstreflexionen stehen hier nebeneinander. Für Wissenschaftler und ganz eingefleischte Handke-Fans gewiss eine lohnende Lektüre. Der „normale“ Leser kann hier leicht an seine Grenzen stoßen. Als Peter Handke 2019 mit...

Kultur

Robert Menasses Roman „Die Erweiterung“
Der Helm des Skanderbeg

„Wann der dritte Band kommt, ist schwer zu sagen, da werde ich zunächst noch einige Zeit in einer anderen europäischen Stadt leben. Mehr möchte ich noch gar nicht sagen, es ist doch jetzt erst der zweite Band erschienen“, erklärte kürzlich der Wiener Schriftsteller Robert Menasse nach Erscheinen des zweiten Bandes seiner geplanten Europa-Roman-Trilogie. Für den Vorgängerroman „Die Hauptstadt“ (2017), in dem er sich kritisch mit der Bürokratie der Brüsseler EU-Institutionen auseinandergesetzt...

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