Nachruf

Beiträge zum Thema Nachruf

Kultur

Zum Tod des Dramatikers Rolf Hochhuth
Mehr Moralist als Ästhet

„Ich habe immer ziemlich hart ausgeteilt und fand es immer völlig selbstverständlich, dass ich deshalb auch einstecken muss. Und dass Franz Josef Strauß mich Ratte und Schmeißfliege nannte, das nahm man natürlich nicht ernst. Man wusste, er ist ein sehr schlauer, bayerischer Prolet“, hatte der Dramatiker Rolf Hochhuth 2016 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk bekundet. Rolf Hochhuth, der am 1. April 1931 im nordhessischen Eschwege als Sohn eines Schuhfabrikanten geboren wurde, sorgte...

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  • 14.05.20
Kultur

Zum Tod des Schriftstellers Günter Kunert
Die Worte verführten mich

„Eines Tages, nach dem Krieg, lieh ich mir eine Schreibmaschine, um einen Brief zu schreiben. Da fiel mein Blick auf die große Kastanie im Hof, und ich stellte mir vor, dass die Äste bedrohlich wachsen und in die Zimmer ringsum eindringen. Plötzlich fing ich an, Zeile für Zeile untereinander zu schreiben, wie in Trance. Die Worte verführten mich! Von da an schrieb ich fast täglich“, erinnerte sich Günter Kunert an seine schriftstellerischen Anfänge zurück. Es war vor allem die Lyrik, die...

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  • 22.09.19
Kultur

Zum Tod des bedeutenden ungarischen Schriftstellers György Konrád
Moralische Instanz

„Für viele ist er eine moralische Instanz geworden, ein außergewöhnlicher Mensch, dessen warmherziges, mitfühlendes Wesen und dessen Menschlichkeit sich spontan mitteilen. Die Literatur ist für ihn ein Medium, um Völker und Zivilisationen einander näherzubringen“, hieß es 2001 über den ungarischen Schriftsteller György Konrád in der Laudatio zur Verleihung des Karlspreises der Stadt Aachen. In seinem letzten bedeutenden Werk „Das Buch Kalligaro“ (2007) präsentierte Konrád überdies eine bis...

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  • 14.09.19
Kultur

Chronist des alltäglichen Wahnsinns

Zum Tod des Georg-Büchner-Preisträgers Wilhelm Genazino Er war ein stilistisch hochbegabter Außenseiter, der erst spät den Durchbruch geschafft hat. Wilhelm Genazino hat die melancholischen, zum Selbstmitleid neigenden Flaneure in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur salonfähig gemacht. Immer etwas neurotisch, dem Wahnsinn nahe, aber höchst empfindsam, so schickte er seine zumeist ziemlich biederen Alltags-Protagonisten durch seine leicht elegischen Romane. „Viele verborgen...

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  • 14.12.18
Kultur

Meister des psychologischen Realismus

Zum Tod des Schriftstellers Dieter Wellershoff „Ohne Lebenserfahrung könnte man gewiss nicht so schreiben, wie ich das tue. Das heißt aber nicht, dass ich in meinen Texten ständig eigene Lebensprobleme ausagiere. Wenn der Autor wissen will, was an den Menschen dran ist, muss er sie in Schwierigkeiten bringen“, beschrieb Dieter Wellershoff einst sein dichterisches Credo. Und so lässt sich ohne waghalsige Interpretationsartistik eine verbindende Motivklammer vom Frühwerk „Ein schöner...

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  • 15.06.18
Kultur

Kampf mit dem Schreiben ist vorbei

Zum Tod des großen amerikanischen Schriftstellers Philip Roth Er war ein Monument der Weltliteratur, gewaltig und mit reichlich Ecken und Kanten, ein Provokateur und Einmischer mit substanzieller Stimme – ein unübersehbarer Monolith. Alljährlich wurde der amerikanische Schriftsteller Philip Roth im Vorfeld der Nobelpreisbekanntgabe als heißer Kandidat gehandelt - zweimal hatte er den National Book Award (u.a. 1959 für seinen Erstling „Goodbye Columbus“), dreimal den PEN-Faulkner-Preis...

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  • 23.05.18
Kultur

Vom Traum ein Rebell zu sein

Zum Tod des oscar-gekrönten Regisseurs Milos Forman „Ich finde es schrecklich, wenn Regisseure denken, sie würden etwas wahnsinnig Wichtiges kreieren. Hey, Leute, es ist nur ein Film! Macht euch locker!“, hatte Milos Forman vor zehn Jahren in einem FAZ-Interview erklärt.“  Seine bewegte Vita war prägend für sein künstlerisches Schaffen. Der oscar-gekrönte Regisseur machte keinen Hehl daraus, dass sein Lebenslauf und sein künstlerischer Erfolg in ursächlichem Zusammenhang stehen....

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  • 14.04.18
  • 1
Kultur

Erfolgreicher Spätzünder

zum Tod des Schriftstellers Hans Werner Kettenbach Für einen überaus erfolgreichen Schriftsteller fand Hans Werner Kettenbach erst ungewöhnlich spät den Weg zur Literatur, aber eigentlich ist er immer ein Spätzünder gewesen. Erst im Alter von 28 Jahren fand er einen Beruf, mit dreißig heiratete er, sein Studium schloss er mit 36 Jahren ab, und seinen ersten Roman veröffentlichte er kurz vor seinem 50. Geburtstag. Zwischendurch hatte er sich als Bauhilfsarbeiter, als Stenograf und auch...

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  • 05.01.18
Politik
Karneval war die große Leidenschaft des Sozialdemokraten Wolfgang Schick. FOTO: PETER MOHR

SPD trauert um Urgestein Wolfgang Schick

Die Wattenscheider SPD wird in diesen Tagen vom Schicksal arg getroffen. Nicht einmal eine Woche nach dem plötzlichen Tod von Rainer Schug ist am Donnerstag der langjährige Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schick nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren gestorben. Wolfgang Schick war in Wattenscheid bekannt wie der oft zitierte „bunte Hund“ - nicht nur als Urgestein der Sozialdemokraten, für die er 37 Jahre in der Bezirksvertretung tätig war. Schon vor der Eingemeindung war Schick...

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  • 07.10.17
  • 1
Kultur

Im Fahrstuhl zum Schafott

Zum Tod der großen Schauspielerin Jeanne Moreau 2003 hatte Jeanne Moreau (halb im Scherz) einen künstlerischen Wunsch geäußert, der sich allerdings nie erfüllt hat: "Shakespeares Lear. Den spiele ich, wenn ich achtzig bin." Mit dem "Lear" ist es zwar nichts geworden, doch die Blitzlichter der Fotografen zog sie bis ins hohe Alter immer noch beinahe magisch an, wie etwa bei ihrem Kurzauftritt als Ehrengast bei der Europäischen Filmpreisgala im Jahr 2007 in Berlin. Sie war nicht nur...

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  • 31.07.17
  • 1
Kultur

Gedichte von der Kanzel

zum Tod des Schriftstellers Kurt Marti PETER MOHR "Bei mir war das Schreiben eine Art Ausbruch aus der präformierten Sprache der Kirche und der Theologie", bekannte der Schweizer Kurt Marti in einem Interview. Wie vor über 100 Jahren sein berühmter Landsmann Albert Bitzius, der unter dem Namen Jeremias Gotthelf in die Literaturgeschichte eingegangen ist, hat auch Marti über viele Jahrzehnte hinweg zwei Professionen ausgeübt: Pfarrer und Dichter. Bei Marti, der 2002 mit dem...

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  • 12.02.17
Überregionales
Erna Zühlsdorf hatte schon immer ein fröhliches Wesen
3 Bilder

Große Trauer beim örtlichen Roten Kreuz: Engagierte DRKlerin Erna Zühlsdorf aus Wattenscheid ist im Alter von 94 Jahren verstorben

Über viele Jahrzehnte lang engagierte sich Erna Zühlsdorf im DRK-Kreisverband Wattenscheid. 1922 in Ostpreußen geboren fand sie nach dem zweiten Weltkrieg über Schleswig-Holstein mit Ehemann und den drei Töchtern den Weg nach Wattenscheid ins Ruhrgebiet. Nach dem Tod des Ehemanns ist sie für die ehrenamtliche Mitarbeit beim Roten Kreuz geworben worden und entwickelte sich dort zu einer sehr engagierten Rotkreuzlerin. Über viele Jahre arbeitete sie in der örtlichen Blutspende, dem...

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  • 22.12.16
Kultur

Alles Komische hilft mir

Zum Tod der Schriftstellerin Ilse Aichinger „Ich wollte nie Schriftstellerin werden. Ich wollte Ärztin werden, das ist gescheitert an meiner Ungeschicklichkeit. Ich wollte zunächst eigentlich nur einen Bericht über die Kriegszeit schreiben. An ein Buch habe ich gar nicht gedacht, ich wollte nur alles so genau wie möglich festhalten. Als das Buch „Die größere Hoffnung“ dann bei Fischer erschienen ist, stand noch immer viel zuviel drin. Ich wollte am liebsten alles in einem Satz sagen,...

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  • 11.11.16
  • 1
  • 1
Kultur

Furchtbar, aber auch komisch

Zum Tod des bedeutenden US-Dramatikers Edward Albee „Wenn man eine Gesellschaft kritisieren will, muss man Außenseiter dieser Gesellschaft sein“, so das dichterische Credo des Dramatikers Edward Albee. Obwohl er dreimal den Pulitzerpreis erhielt (zuletzt 1994 für „Drei große Frauen“), ist er in der amerikanischen Gesellschaft selbst immer Außenseiter geblieben. Anfang der 1950er Jahre riet der weltberühmte Thornton Wilder dem damals noch unbekannten Edward Albee „Stücke zu schreiben.“...

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  • 17.09.16
Kultur

Vater des nouveau roman

Zum Tod des französischen Schriftstellers Michel Butor „Das Schreiben hat für mein geistiges Ich die gleiche Funktion wie die Wirbelsäule für meinen Körper“, erklärte einst Michel Butor, dessen Name fast immer in einem Atemzug mit Nathalie Sarraute und Alain Robbe-Grillet genannt und beinahe als Synonym für den „nouveau roman“ gebraucht wird. Was Butor von den genannten künstlerischen Weggefährten unterscheidet, ist die Tatsache, dass er sich auch als Theoretiker einen großen Namen...

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  • 25.08.16
  • 2
Kultur
Das Foto entstand im Mai 2011 in der St. Nikolauskirche in Wattenscheid im Anschluss an eine Lesung und zeigt Peter Mohr im Gespräch mit Hellmuth Karasek.

Eloquenz und Humor

Zum Tod des Kritikers und Schriftstellers Hellmuth Karasek "Manchmal fürchtete ich schon, ich schreib mich in eine Depression hinein", bekannte Hellmuth Karasek über die Arbeit an seinem 2006 erschienenen Band "Süßer Vogel Jugend". Der kulturelle Tausendsassa mit der stark ausgeprägten Affinität zur Selbstironie sprühte auch in fortgeschrittenem Alter noch vor Tatendrang und hatte 2013 unter dem Titel „Frauen sind auch nur Männer“ einen Sammelband mit 83 Glossen aus jüngerer Vergangenheit...

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  • 30.09.15
  • 1
  • 1
Kultur

Das kritische Gewissen

Zum Tod des Schriftstellers Rafael Chirbes „Ich recherchiere nicht, suche keine Daten. Ich nehme auf, was ich auf der Straße mitbekomme. Die Lektüre von Marx hat mir geholfen, das Wesentliche wahrzunehmen, das, was eine Gesellschaft ausmacht. Und mein Unterbewusstsein“, hatte der bedeutende spanische Romancier Rafael Chirbes einmal erklärt. Er stammte aus einfachen Verhältnissen; sein Vater, der bereits 1953 gestorben ist, war einst Gleisarbeiter, und seine Mutter hatte ihn in Internate...

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  • 16.08.15
Kultur

Die Freunde lächeln sehen

Zum Tod des Schriftstellers Hans Bender "Was ich unternahm, wie ich lebte, wohin ich reiste, mit wem ich zusammenkam, war bestimmt von meiner Liebe zur Literatur", notierte der umtriebige Schriftsteller Hans Bender völlig zutreffend in seinem vor zehn Jahren erschienenen Band "Wie die Linien meiner Hand". Bender, der am 1. Juli 1919 in Mühlhausen im Kraichgau geboren wurde, verkörperte ein lebendiges Stück deutsche Nachkriegsliteratur. Seine Bedeutung war ungleich größer als es die...

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  • 28.05.15
Kultur

Die Häutungen des Blechtrommlers

Zum Tod des Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass Günter Grass war nicht nur einer der bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsschriftsteller. Er war auch über mehr als sechs Jahrzehnte künstlerischer Tätigkeit stets ein streitbarer und umstrittener Zeitgenosse. Noch vor ziemlich genau drei Jahren hatte Grass mit seinem israel-kritischen Gedicht „Was gesagt werden muss“ wieder ganz stark polarisiert. Als „notwendige Torheit“ hatte er später diesen formal hoffnungslos...

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  • 13.04.15
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Kultur

Grenzen überschreiten

Zum Tod des Schriftstellers, Publizisten und Kritikers Fritz J. Raddatz "Zwischen Suhrkamp, Avenarius und Baedeker. Mehr kann man nicht verlangen", notierte Fritz J. Raddatz in seinem Tagebuch über die Wahl seiner Grabstätte auf Sylt, die er sich schon weit vor seinem 70. Geburtstag gesichert hatte. "Ich bin der Auffassung, dass Literatur immer über die Grenzen gehen muss und da, wo sie wichtig wurde, immer über die Grenzen gegangen ist, ob es Anstand betraf oder Moral oder...

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  • 26.02.15
Überregionales
Viel zu früh verstarb Inge Struck

Rotes Kreuz trauert um Inge Struck

Große Trauer beim örtlichen Roten Kreuz: Inge Struck aus Wattenscheid ist plötzlich und unerwartet im Alter von 78 Jahren verstorben. Über vier Jahrzehnte lang engagierte sich Inge Struck im DRK-Kreisverband Wattenscheid. In früheren Jahren durch ihren bereits verstorbenen Ehemann für die ehrenamtliche Mitarbeit beim Roten Kreuz geworben worden, entwickelte sich die Wattenscheiderin zu einer sehr engagierten Rotkreuzlerin. Über 34 Jahre fungierte sie als Leiterin der Rotkreuz-Kleiderkammer...

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  • 01.12.14
Kultur

Einer der letzten großen Erzähler

Zum Tod des Schriftstellers Siegfried Lenz Siegfried Lenz war einer der letzten großen Geschichtenerzähler, ein stilsicherer Traditionalist, ein schriftstellerisches Urgestein, das ganz der Kraft des Erzählens vertraute und zum Meister der "kleinen Tragödien" avancierte. Lenz neigte stets zum nordischen Understatement, war ein verbaler Leisetreter - sowohl in seinen Büchern als auch in seinen Äußerungen als öffentliche Person. Seine persönliche Krise, die 2006 der Tod seiner Frau...

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  • 07.10.14
Kultur

Zwischen Harlekin und Prophet

Zum Tod des Schriftstellers Urs Widmer "Ich heiße Vigolette alt. Ich bin ein Zwerg. Ich bin acht Zentimeter groß und aus Gummi." So leitete Urs Widmer 2006 seinen Roman "Mein Leben als Zwerg" ein, der - aus der Perspektive des Lieblingsspielzeugs des Sohnes - eine Fortsetzung seiner beiden "Familien"-Romane "Der Geliebte der Mutter" (2000) und "Das Buch des Vaters" (2004) bildete und uns gleichzeitig diverse Facetten des Autors präsentierte: den ernsten nachdenklichen Schriftsteller und den...

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  • 03.04.14
Kultur

Die Süße des Fliegenpapiers- zum Tod des Lyrikers Hans-Jürgen Heise

„Jedem Menschen werden die Merkmale seiner Herkunft eingebrannt wie einem Texas-Rind der Stempel des Besitzers“, schrieb Hans-Jürgen Heise in seiner 1998 veröffentlichten Teil-Autobiografie „Die Süße des Fliegenpapiers“. Heise stammt aus Pommern, und diesem Menschenschlag werden nicht die lauten Töne, sondern eine Affinität zum anspielungsreichen Witz nachgesagt. Dies belegte er nachhaltig in seinen Lebenserinnerungen und auch in seiner Lyrik. Über seine in der Kindheit zunächst unerkannte...

  • Wattenscheid
  • 22.11.13
  • 1
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