Am 31. Dezember dreht Geschäftsführer Peter Schramm den Schlüssel um
Traditionshaus Auto Schramm schließt

Peter Schramm und seine Tochter Franziska vor ihrem Autohaus. Zum 31.12.2019 ist hier Schluss und die Familie blickt einer unsicheren Zukunft entgegen. Foto: Pielorz
  • Peter Schramm und seine Tochter Franziska vor ihrem Autohaus. Zum 31.12.2019 ist hier Schluss und die Familie blickt einer unsicheren Zukunft entgegen. Foto: Pielorz
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Nach 110 Jahren schließt Autohaus Schramm zum 31. Dezember 2019 seine Türen. Keine leichte Entscheidung für Geschäftsführer Peter Schramm (56), der gemeinsam mit Tochter Franziska (27) und rund dreißig Voll- und Teilzeitmitarbeitern im Familienunternehmen arbeitet. Doch die wirtschaftlichen Perspektiven und politischen Rahmenbedingungen sind mittelfristig aus seiner Sicht einfach zu schlecht. „Da ist es besser, in Eigenverantwortung zu entscheiden und die Reißleine zu ziehen“, sagt er.
Der Blick in die Geschichte des Unternehmens stimmt wehmütig. Richard Schramm startete 1909 mit einem Geschäft für Fahrräder und Nähmaschinen. Nach dem Ersten Weltkrieg ging es um die Auswertung schrottreifer Textilmaschinen, später kam der Verkauf von Flechtmaschinen hinzu. Ab Mitte der 20er wurde mit Gebrauchtwagen gehandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Motorrad zum zentralen Geschäftsfeld. Mitte der 1960er Jahre setzte Familie Schramm auf die Marken Goggo/Glass und NSU. 1971 folgte der Umzug nach Langerfeld, direkt neben die VW-Werkstatt von Günter Schulte. Als 1975 Audi-NSU mit VW fusionierte, war das Gelände zu klein. Günter Schulte verkaufte sein Areal an das Autohaus Schramm - und Schramm wuchs mit dem Automobilmarkt weiter. So weit, dass 1998 auch das Tankstellen-Grundstück von Otto Kling gekauft wurde. Eine Entscheidung, die umso wichtiger wurde, weil der Betrieb so den Mindestanforderungen der Hersteller entsprechen konnte. Noch 2017 wurde erneut vergrößert. Doch die Anforderungen der Hersteller stiegen immer weiter und sind für Peter Schramm ein wesentlicher Grund, jetzt die Türen abzuschließen. „Die wirtschaftlichen Perspektiven in der Automobilbranche sind schwierig. Deutschland schafft sich bei dem Thema Auto gerade selbst ab. Die Dieseldebatte, die Diskussion um die zunehmende E-Mobilität, die der Zuliefererindustrie mittelfristig schaden wird, die Grundsatzdebatte über den privaten Besitz von Autos, die Klimadiskussion, aber auch persönliche Perspektiven wie die Kündigung durch VW und ab dem 1. April 2020 neue Verträge, die wiederum neue Standards festlegen, haben zu meiner Entscheidung geführt, den Betrieb zu schließen. Wir haben hier 12.000 Quadratmeter Fläche und waren der größte VW-Händler im Osten der Stadt Wuppertal angrenzend zu Schwelm – wir sind zu groß, um klein weiterzumachen.“ Für seine Familie ist die betriebswirtschaftliche Entscheidung hoch emotional. „Wir kennen nichts anderes“, sagt seine Tochter Franziska. Die Automobilkauffrau und Betriebswirtin Kfz-Gewerbe muss sich nun neu aufstellen. Das gilt auch für die Mitarbeiter im Unternehmen, die seit Frühjahr Bescheid wissen.

Zukunft der Fläche ist ungewiss

„Zwei von ihnen gehen in die Rente, einige haben neue Jobs. Kollegen in der Branche haben Angebote gemacht und ich selbst war und bin immer gesprächsbereit und vermittelnd“, so Peter Schramm. Auch er selbst muss neu überlegen. „Ich bin noch nicht in der Zukunft angekommen. Zunächst müssen wir den bestehenden Betrieb schließen. Der Dezember wird mit dem Verkauf der Werkzeuge und der Betriebsausstattung ins Land gehen – von der Klimaanlage für Autos bis hin zum Gabelstapler. Bilanzen und Buchführung sind zu erledigen, Außenstände einzutreiben. 4000 Ersatzteile müssen verpackt und zu VW rückgeführt werden. Erst danach werde ich mich mit dem Gedanken der neuen Vermarktung beschäftigen können. Das Gelände ist ja unser Eigentum.“
Ob es zum Verkauf kommt oder ob Mieter einziehen werden, ist völlig offen. Sicher ist nur: Ein halbes Jahr nach Schließung des Betriebes darf kein Betrieb mit zwei oder vier Rädern einziehen – sonst wäre es eine Betriebsübernahme und keine Schließung. „Sanitär, Blumen oder irgendetwas anderes, das wäre kein Problem“, sagt Schramm. Sicher ist, dass er dann auch Gespräche mit den Wirtschaftsförderungen der Städte und des Kreises führen möchte. „Es ist für mich nicht wünschenswert, kleinparzellig zu vermieten. Am liebsten wäre mir eine Abgabe als großes Ganzes“. Und obwohl die betriebswirtschaftlichen Weichen unumkehrbar sind – die emotionale Verarbeitung steht bei der Familie noch spürbar am Anfang.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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