Ben Weber gibt in "Papa-Probetraining" Einblick in den Weg zur Pflegeelternschaft

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Autor Ben Weber (Foto: privat)
Benno und Susanne Weber sind seit mehr als 20 Jahren ein Paar. Mittlerweile Ende 40, haben sie sich damit abgefunden, kinderlos geblieben zu sein. Susanne hat als Grundschullehrerin einen ausgefüllten Tag, während ihr Gatte als Fitnesstrainer bereits altersbedingt auf dem Abstellgleis gelandet ist. Beim Seniorensport und in Nordic-Walking-Kursen ist seine Kompetenz noch gefragt, aber den Zeiten, als er blutjunge Studentinnen unter seine Fittiche nehmen durfte, trauert er doch nach. Notgedrungen betätigt er sich als Hausmann. Eines Tages bringt Susanne ihren Schüler Leo mit nach Hause, der Schwierigkeiten mit seinen Pflegeeltern hat. Als Leo im Kinderheim Herne-Süd untergebracht wird, besucht ihn das Ehepaar Weber regelmäßig. Benno folgt dabei zunächst nur dem Beispiel seiner Partnerin. Dass er gelegentlich für den Opa des Jungen gehalten wird, macht die Sache für ihn auch nicht besser.


Benno wächst langsam in seine Rolle als Pflegevater hinein

Mit der Zeit gewinnt Benno den Jungen allerdings ebenfalls lieb. Erinnerungen an seine eigene Kindheit im Essen-Freisenbruch der sechziger Jahre werden wach. Schließlich meldet sich der pflichtbewusste Benno sogar im Fitnessstudio krank, um Leo beistehen zu können. Als Susanne sich darum bemühen will, die Pflegeelternschaft für Leo zu übernehmen, hat Benno dennoch Bedenken. Die Vorzüge des kinderlosen Daseins sind schließlich nicht von der Hand zu weisen – allein die vor dem Fernseher durchwachten Nächte... Doch am Ende wiegt auch für Benno die Zuneigung zu Leo schwerer. - Das ist im Groben der Handlungsverlauf in Ben Webers autobiographischem Roman „Papa-Probetraining“, der im Ruhrgebiet spielt. Ausdrücklich verwiesen wird neben Herne und Essen auch auf Gelsenkirchen. Bochumer erkennen das Sandskulpturen-Festival am Kemnader See wieder.

Leichte Unterhaltung

Das Ganze ist flott erzählt – leichte Unterhaltung für den Strandkorb oder den heimischen Balkon. Einzelnen Kapiteln hätte allerdings eine Straffung gutgetan. Dafür ist das Ruhrgebietsdeutsch in den Dialogen angemessen dosiert. Die Verdauungsprobleme des Protagonisten Benno nach dem Genuss einer Pizza Diavolo werden etwas zu ausführlich beschrieben. Dagegen ist es köstlich zu lesen, wie sich Leo beim Anschauen eines alten „Pater Brown“-Films gruselt. „Stones“-Fans müssen ganz tapfer sein, wenn Leo eine LP der bösen Buben zerstört – mutmaßlich handelt es sich um „Aftermath“. Daneben werden Missgeschicke beim Kleiderkauf und die Gefahren offenen Feuers unter die Lupe genommen.

Ben Weber: Papa-Probetraining. Books on Demand. ISBN 978-3-7386-9769-8
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