Die neue Rotunde ist fast die alte

Anzeige
Bis zur Eröffnung am 14. Juni haben die Handwerker noch jede Menge zu tun. (Foto: Molatta)
 
Ihre Pläne für die Rotunde präsentierten die Macher jetzt der Öffentlichkeit. (Foto: Molatta)
 
Nach mehr als zwei Jahren Pause ist es am 14. Juni so weit: Die "Rotunde", Kulturspielstätte mit subkulturellem Charme, öffnet wieder ihre Pforten. Die Macher Anja-Kristina Schröder, Steffen Korthals, Sven Nowoczyn und Norman Debes (v.l.) wollen das bewährte Konzept fortführen. (Foto: Molatta)

Alternativer Kulturort in Bochum eröffnet nach Umbau neu - Auftaktwoche ab 14. Juni soll das ganze Spektrum zeigen




Neues altes Leben für die "Rotunde": Mehr als zwei Jahre war es still in der Kulturinstitution im alten Katholikentagsbahnhof. Doch damit ist nun Schluss: Bochums Kult-Location feiert Wiedereröffnung. Ab dem 14. Juni soll es losgehen - bis dahin aber haben die Handwerker noch jede Menge Arbeit.
"Im Vorfeld gab es ja ziemlich viele Gerüchte, was mit der 'Rotunde' passieren würde", erinnert sich Sven Nowoczyn, der sich gemeinsam mit seiner Frau Anja-Kristina Schröder die Geschätsführung der "Projektgesellschaft alter Bochumer Hauptbahnhof" teilt. Vieles sei an den Haaren herbeigezogen, "etwa, dass wir hier alle Wände verputzen lassen." Genau das Gegenteil sei der Fall: "Wir haben sogar alte Backsteine, die beim Herausreißen alter Wände angefallen sind, an anderen Stellen wieder eingebaut."
Die "neue" Rotunde mache dort weiter, wo die "alte" 2015 aufgehört hat - allerdings mit zeitgemäßer Infrastruktur. Langjährigen Gästen der Rotunde reichen die Stichworte "Heizung" und "Toilette", um zu wissen, was gemeint ist: "Ja, wir werden eine funktionierende Heizung haben - und Toiletten, die nicht feucht und muffig sind", schmunzelt Anja-Kristina Schröder.
Die bisherige Haupthalle der Rotunde mit der namensgebenden Glaskuppel wird zukünftig vor allem als Foyer und als kleinerer Veranstaltungsraum, etwa für Lesungen, genutzt. Durch das Herausbrechen einer Wand im dahinterliegenden Flur ist dort ein großer Veranstaltungsraum entstanden, der bestuhlt bis zu 200 Besuchern Platz bietet, unbestuhlt sogar 400 Besuchern.
Neu ist ein Restaurant mit Terrasse und Bar im vorderen Gebäudeteil. "Der Umbau wird allerdings erst nach den Ferien abgeschlossen sein", räumt Sven Nowoczyn ein. Sowohl Restaurant als auch Bar sollen die ganze Woche über geöffnet sein - als weniger rummelige Alternative zum benachbarten Bermu-dadreieck. "Das Restaurant soll hochwertig, aber nicht hochpreisig werden", stellt Anja Schröder klar.
Über zehn Jahre läuft ihr Vertrag, mit dem sie das historische Gebäude von der "Kulturgleis GmbH" des Gastronomen und Mitbegründers des Bermudadreiecks, Leo Bauer, gemietet haben. Ihm verdankt das denkmalgeschützte Gebäude mit seiner markanten Glaskuppel seinen Erhalt - die Bahn hatte es jahrzehntelang verrotten lassen. 2010 verwandelte Bauer es in eine Spielstätte mit subkulturellem Charme - doch aufgrund auslaufender Genehmigungen musste die Rotunde 2015 ihre Pforten schließen. Verantwortlich für das Programm aus Lesungen, Partys, Konzerten, Design-Messen und Events zeichnete damals fünf Jahre lang Andreas Kellner. "Seine Arbeit kann man nicht hoch genug schätzen", macht Anja-Kristina Schröder deutlich. "Er hat ein super Gespür gehabt und hat die Leute und die Veranstaltungen hierher geholt, die den Ruf der Rotunde begründet haben. Er hat das Netzwerk geschaffen, von dem wir heute profitieren." Die Strukturen, die Andreas Kellner aufgebaut hat, sollen nun professionalisiert werden: Neben Sven Nowoczyn und Anja-Kristina Schröder, die Erfahrungen in der Gastronomie und Clubkultur mitbringt, gehören Norman Debes, renommierter Booker für Bochum Total, ZFR und Indie-DJ im "Riff", sowie Steffen Korthals, PR-Manager, Journalist, DJ und Booker von Juicy Beats , zum Team. Marco Ortu von der Künstleragentur Xango Cult kümmert sich als externer Booker um die Bereiche Kleinkunst, Wort und Kabarett.


An erfolgreiche Arbeit anknüpfen


Denn auch inhaltlich will die Rotunde mit ihrer Wiedereröffnung dort anknüpfen, wo 2015 Schluss war. "Viele Veranstaltungen kehren hierher zurück, andere kommen hinzu", freut sich Anja-Kristina Schröder. Nach dem Willen der Macher soll die Rotunde zwar weiter Tummelplatz der alternativen Szene sein, aber zugleich auch ein möglichst weites Spektrum bedienen. "Hier können Elektro-Partys ebenso stattfinden wie Kleinkunst-Veranstaltungen oder Konzerte mit Nachwuchs-Bands." Die Eröffnungswoche, die am 14. Juni startet, soll einen Vorgeschmack darauf geben.
Vorab aber gibt es schon mal ein Wiedersehen mit der Weinmesse "Weine vor Freude", die nach einigen Jahren des Exils nun vom 9. bis zum 11. Juni an ihren Gründungsort zurückkehrt.
Gefeiert wird die Wiedereröffnung - neudeutsch "Re-Opening" - am Mittwoch, 14. Juni, ab 23 Uhr mit der "YumYum-Party".
Am 15. Juni geben Karsten Riedel und die "Schneydboys" ein Konzert - ihr erstes nach gut zwei Jahren Pause.
Regionale Nachwuchsbands kommen am 16. Juni beim "Heimspiel" zum Zuge: Cut off Kites, Walking on Rivers und East Indian Elephant.
Am Samstag, 17. Juni, kommt die junge Clubkultur beim ersten Abend der Underground-Techno-Reihe "Static" zum Zuge.
Freunde des Wortes dürfen sich am Sonntag, 18. Juni, auf Frank Goosen und sein neues Programm "Drei Ecken, ein Elfer" freuen sowie auf den Kabarettisten Kai Magnus Sting am Dienstag, 20. Juni.
Mit Rafael Cortés kommt einer der bekanntesten Flamenco-Gitarristen am 22. Juni in die Rotunde.
Legendär ist die Partyreihe "Kalakuta Soul" von Guy Dermossesian und Ze Bebelo, die am Samstag, 24. Juni, in die Rotunde zurückkehrt.
Zum Abschluss der Eöffnungswoche am Sonntag, 25. Juni, hat sich die amerikanische Punk-Rock-Band Four Year Strong angesagt.
Schon jetzt ist klar: Auch erfolgreiche Formate wie der "Yard-Design-Markt" oder der Mädels-Flohmarkt werden in die Rotunde zurückkehren. Und das Figurentheaterfestival "Fidena" plant für seine Jubiläums-Auflage im nächsten Jahr dort seine Festivalzentrale. "Aber genauso wie früher sollen auch kleine Formate wie Lesungen, Ausstellungen oder Theater hier stattfinden können", machen Nowoczyn und Schröder deutlich. "Natürlich bringt das weniger Geld ein als Partys - aber genau diese Mischung hat die Rotunde schon immer ausgemacht. Dass wir damit nicht reich werden können, ist uns klar." Bis zur Eröffnung am 14. Juni haben die Handwerker noch jede Menge zu tun.

Mehr über die kreativen Köpfe hinter der Rotunde lesen Sie hier
Die Macher der Rotunde
1
Einem Mitglied gefällt das:
1 Kommentar
14.429
Volker Dau aus Bochum | 19.05.2017 | 13:58  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.