Gabriella Wollenhaupt legt mit "Grappa greift durch" einen neuen Ruhrgebietskrimi vor

Anzeige
Das Buchcover (Foto: Grafit)

Dass Wölfe gern einmal im Schafspelz auftreten, ist nichts Neues. Auch dass Menschen bisweilen die Tendenz haben, den Bock zum Gärtner zu machen, bestätigt die Lebenserfahrung. Was Gabriella Wollenhaupt, die Grande Dame des Ruhrgebietskrimis, in ihrem Roman „Grappa greift durch“ beschreibt, veranschaulicht beide Binsenweisheiten auf das Schönste: Ein Imam, der seine gestrauchelte Tochter im Namen der Familienehre verstößt, erhält den Bierstädter Integrationspreis. Der zweite Preisträger ist noch schillernder: ein Islamwissenschaftler, der sich als Musterbeispiel einer gelungenen Synthese von muslimischer Kultur und westlicher Aufklärung feiern lässt, aber im Privatleben seine widerspenstige Verlobte schlägt und bespuckt.

Bereits seit 1993 schickt Wollenhaupt die Kriminalreporterin Maria Grappa auf Verbrecherjagd. „Grappa greift durch“ ist Band 26 der Reihe. Eine gewisse Routine macht sich da manchmal störend bemerkbar: Die Darstellung einer Debatte über die Flüchtlingssituation an der Supermarktkasse gerät etwas holzschnittartig. Ansonsten ist es jedoch gerade die Qualität der Dialoge, die für den Roman einnimmt. Wie formuliert es Grappa selbst so treffend? - „Im Ruhrpott schenkt man sich nichts. Noch nicht mal verbal.“ Inhaltlich gelingt der Autorin eine angenehm differenzierte Darstellung der muslimischen Kultur in Deutschland.

Krimihandlung kommt schnell in Gang


Schauplatz ist Bierstadt, also Dortmund. Gleich im ersten Kapitel kommt die Krimihandlung mit einem Leichenfund in Dorstfeld in Gang. Die zweijährige Öslem wird in den Armen ihrer Mutter Duru Sahin tot aufgefunden. Die ist die Tochter des besagten Imam und hat sich offenbar auf ein gefährliches Spiel mit dem IS-Terrorismus eingelassen. Wie es zu dem tragischen Todesfall gekommen ist, bleibt bis zum Schluss spannend.
Unterdessen hat man als Leser die Gelegenheit, sich über Grappas bedenklich hohen Alkoholkonsum Gedanken zu machen. Auch die Geschichte des ermordeten Neonazis Pedro Weiß, der „Jedem das Seine“ als Tätowierung auf dem Rücken trägt, kann einen ins Grübeln bringen. - Wer Spannung mit Tiefgang sucht, ist hier also richtig.

Gabriella Wollenhaupt: Grappa greift durch. Grafit. ISBN 978-3-89425-468-3
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.