Rottstr5-Theater bietet furiose Inszenierung von "Clockwork Orange"

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Das junge Ensemble überzeugt auf der ganzen Linie. (Foto: Rottstr5-Theater)

„Wenn ein Mensch nicht frei entscheiden kann, hört er auf, ein Mensch zu sein“, sagt ein Gefängniskaplan in „Clockwork Orange“, der neuen Produktion des Rottstr5-Theaters. Treffender lässt sich das Dilemma, vor dem die Gesellschaft im Umgang mit dem Bösen im Menschen steht, kaum zusammenfassen: Entscheidungsfreiheit bedeutet immer auch, sich auf die Seite des moralisch Verwerflichen stellen zu können.

Mit „Uhrwerk Orange“ veröffentlichte Anthony Burgess 1962 seinen berühmtesten Roman. Neun Jahre später schuf Stanley Kubrick seine Aufsehen erregende Verfilmung des Stoffes. Alex ist das, was man heutzutage als jugendlichen Intensivtäter bezeichnet. Ins Gefängnis kommt er dann allerdings für ein Verbrechen, das er gar nicht begangen hat. Um vorzeitig entlassen zu werden, lässt er sich auf ein folgenschweres Experiment ein: Er wird so konditioniert, dass er von nun an mit Abscheu auf Gewalt reagiert. Der intelligente junge Mann merkt jedoch bald, dass ihm damit die Freiheit abhandenkommt, moralische Entscheidungen zu treffen. Die Inszenierung stellt sich dann auch auf die Seite der Entscheidungsfreiheit: Der aufgewühlte Zuschauer wird mit dem Song „Go your own way“ in den Abend entlassen.
Bei der sehr geschlossenen Schauspielleistung vergisst man leicht, wie jung die Akteure sind, die da die ganz großen Fragen des Lebens verhandeln. Das junge Ensemble des Rottstr5-Theaters mit dem aparten Namen „Young'n'Rotten“ bereichert bereits seit 2010 die Bochumer Theaterlandschaft mit ein bis zwei Produktionen pro Jahr und hat sich mittlerweile als Talentschmiede bewährt. Auch in „Clockwork Orange“ sind viele Akteure dabei, die man gern in weiteren Inszenierungen sähe. Dass der gehaltvolle Stoff so gut funktioniert, ist nicht zuletzt Maximilian Strestik zu verdanken, der nach „Afghanistan“ abermals eine „Young'n'Rotten“-Produktion als Regisseur betreut. Theaterfans kennen ihn auch als Schauspieler, z.B. in der Rolle des Gustav von Aschenbach in „Der Tod in Venedig“. Dieses Stück ist ebenfalls im Theater unter den Gleisen an der Rottstraße zu sehen.
Im Programmheft wird Astrid Lindgren zitiert: „Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln.“ - Und tatsächlich lässt „Clockwork Orange“ Raum für Hoffnung.

Termine
- Das Stück ist am Sonntag, 21. August, um 19.30 Uhr wieder im Rottstr5-Theater zu sehen.
- Eine weitere Aufführung folgt am Freitag, 2. September, um 19.30 Uhr.
- Auch am Sonntag, 2. Oktober, besteht die Gelegenheit, das Stück zu sehen. Auch diese Vorstellung beginnt um 19.30 Uhr.
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