Rottstr5-Theater bringt "Der Tod in Venedig" auf die Bühne

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Maximilian Strestik ist an der Rottstraße in "Der Tod in Venedig" zu sehen. (Foto: Rottsr5-Theater)

Thomas Mann hat seine 1911 entstandene Novelle „Der Tod in Venedig“einmal als Tragödie einer Entwürdigung bezeichnet. Vielleicht rührt daher das manchmal geäußerte Missverständnis, es handele sich hier um eine humorfreie Zone im ansonsten von Ironie durchtränkten Werk des Nobelpreisträgers. Dass Manns wohl berühmteste Erzählung durchaus ihre komischen Seiten hat, stellt nun das Rottstr5-Theater mit einer Regiearbeit Hans Drehers unter Beweis.

Dabei kommt hier keine konventionelle Dramatisierung des 1971 von Luchino Visconti meisterhaft verfilmten Stoffes auf die Bühne. Vielmehr rezitieren die beiden Darsteller Maximilian Strestik und Christoph Iacono den gekürzten Originaltext, wobei Strestik die Rolle der Hauptfigur Gustav von Aschenbach und große Teile des Parts des Erzählers übernimmt. Für Iacono bleiben die übrigen Figuren, was erstaunlicherweise eine durchaus dankbare Aufgabe ist.
Strestik, bis 2010 Ensemblemitglied am Schauspielhaus und an der Rottstraße auch als Regisseur tätig, und Iacono, freier Theater- und Bühnenmusiker mit beachtlichem komödiantischem Talent, ergänzen sich gut. Als Aschenbach sich über die Gesundheitsgefahren, die in der titelgebenden Lagunenstadt lauern, informieren will, werden die Beschwichtigungen, die er zu hören bekommt, mit Klängen untermalt, die so süßlich klingen, dass es sich um das Intro einer Whitney-Houston-Ballade handeln könnte.

Entwürdigung der Hauptfigur

Der stets auf Haltung und Selbstdisziplin bedachte Schriftsteller Aschenbach geht in Venedig seiner mühsam aufgebauten Fassade mehr und mehr verlustig. Auf der Bühne werden die Verkleidungen von den Wänden gerissen, um das zu verdeutlichen. Dass im Theater unter den Gleisen regelmäßig das Donnern der passierenden Züge zu hören ist, fügt sich da durchaus ins Konzept. Schließlich wird hier eine bürgerliche Existenz erschüttert.
Aschenbach verliebt sich aus der Ferne in den schönen Knaben Tadzio, ohne dass es zu einem Kennenlernen oder gar zu sexuellen Handlungen käme. Dafür wird Aschenbach in anderer Weise an dem polnischen Jungen schuldig. Die Tragik des großen Dichters gerät an der Rottstraße leider ein wenig zu sehr in den Hintergrund. Es ist durchaus komisch zu sehen, wie Aschenbach mit Haarfärbemitteln und Schminke nach optischer Verjüngung strebt. Verzweiflung und Kontrollverlust, die sich dahinter verbergen, werden hier allerdings nicht spürbar. So bleibt ein Abend, der gut unterhält, die Tiefe der Vorlage aber nicht immer auslotet.

Termine
Wer „Der Tod in Venedig“ im Rottstr5-Theater sehen will, hat dazu am Mittwoch, 13. Juli, um 19.30 Uhr wieder Gelegenheit.
Eine weitere Vorstellung ist für Sonntag, 14. August, vorgesehen. Beginn ist wieder um 19.30 Uhr.
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