"Tender Napalm" am Prinzregenttheater ist wunderbares Theater mit zwei herausragenden Schauspielern

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Corinna Pohlmann und Ronny Miersch spielen ein Paar in den Fängen von Erotik und Gewalt. (Foto: Schuck)

„Soll ich dir erzählen, was meine Mutter einmal zu mir gesagt hat? Sie hat gesagt, dass Kinder ihre Eltern verlieren. Das ist normal. Das Einzige, womit wir nicht zurechtkommen, ist, wenn ein Elternteil ein Kind verliert. Nur das ist zu viel für uns. Nur das kann uns in den Wahnsinn treiben.“ - Hier findet das Trauma seinen Ausdruck, welches das Paar in Philip Ridleys Drama „Tender Napalm“ immer wieder in emotionale Extreme treibt. Das aufwühlende Stück ist nun als deutschsprachige Erstaufführung am Prinzregenttheater zu sehen. Regie führt Frank Weiß.

Eine Frau (Corinna Pohlmann) und ein Mann (Ronny Miersch) definieren ihre Beziehung anhand von Allegorien aus der Natur und besonders aus der Tierwelt. Begehren und Gewalt gehen dabei eine scheinbar unauflösliche Verbindung ein. In Sandra Schucks spartanischem, aber wirkungsvollem Bühnenbild baut die Inszenierung ganz auf die Macht der Dialoge. Die Handgreiflichkeiten, die die beiden austragen, und die teilweise derbe Sprache geraten dabei nie zum Selbstzweck.
Das ist vor allem das Verdienst der beiden wunderbaren Schauspieler. Bleibt es zunächst auch eher bei Andeutungen, so ist dem Zuschauer doch bald klar, woran die Figuren leiden. So deutlich wie in der eingangs zitierten Dialogpassage wird es dagegen erst gegen Ende ausgesprochen. Das mag ein Hoffnungsschimmer sein – das Ausgesprochene könnte seine destruktive Macht verlieren.

Großartige Übersetzung

Kerstin Sommer, am PRT als Regieassistentin tätig, hat den packenden verbalen Schlagabtausch in lebendiges Deutsch übersetzt. Der Übertragung sind unbedingt auch Inszenierungen an anderen Häusern zu wünschen. - An der Prinz-Regent-Straße jedenfalls sorgt „Tender Napalm“ für einen aufregenden Theaterabend.

Termine
Am Samstag, 1. April, ist „Tender Napalm“ um 19.30 Uhr wieder im Prinzregenttheater, Prinz-Regent-Straße 50-60, zu sehen.
Eine weitere Vorstellung folgt am Sonntag, 2. April, ebenfalls um 19.30 Uhr.
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