Ballonfahren nördlich des Polarkreises

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Gruppenbild am Polarkreis bei Jokkmokk (v.l. nach r.: Harald Henkel, Matthias Leister, Elke Wierling, Wolfgang Geißler, Fabian Henkel und Daniela Klees). Foto: privat
 
Bei schneller Landung auf dem See ist der Ballonkorb umgekippt und Pilotin Daniela sanft in den Schnee gebettet. Foto: privat
 
Die Kolonne der Ballone auf Startplatzsuche. Foto: privat
Gällivare (Schweden): Gällivare |

Einmal Elche und Rentiere von oben sehen: Das trieb sechs Ballonbegeisterte aus Bottrop und dem Münsterland in den Norden Schwedens – nach Lappland. Eine Reise mit beeindruckenden Momenten, spannenden Ballonfahrten und unvergesslichen Zeiten mit Freunden sind das Ergebnis dieses Wunsches.

Mitte Februar startete eine Gruppe Ballonfahrer um die Piloten Harald Henkel und Daniela Klees aus Oeding und Bottrop in Richtung des schwedischen Gällivare. Die Stadt Gällivare liegt 100 Kilometer nördlich des Polarkreises und ist seit dem späten 19. Jahrhundert Schwedens nördlichste Bergbaustadt. Seit zehn Jahren findet hier jedes Jahr ein internationales Ballontreffen statt. Die Temperaturen im Februar liegen bei -15 bis -26 Grad Celsius. Durch diese Temperaturen ist der See der Stadt zu dieser zugefroren und dient den Ballonen als einzig mögliche Landefläche.

Die Anreise von 2.500 km wurde von drei Personen in einer dreitägigen Autofahrt mit Ballonanhänger bewältigt, die anderen Crew-Mitglieder reisten per Flieger an. Die Übernachtungen auf der Anreise konnten unterschiedlicher nicht sein – eine Nacht im Schwedenhäuschen mit Häkelgardinen und eine zweite Nacht hinter schwedischen Gardinen im ehemaligen Gefängnis der Stadt Umea.

Nach einem gemütlichen Abend und dem Kennenlernen der anderen acht internationalen Teams aus der Schweiz, Niederlande, Schweden und Italien wurde am nächsten Tag die erste Ballonfahrt angesetzt. Die Landschaft Lapplands ist so geprägt durch Wälder und Seen, dass natürliche Startplätze so gut wie nicht vorhanden sind. So wurde kurzerhand eine Straße als „Startwiese“ auserkoren. An diesem Tag starteten von den acht Teams lediglich fünf Crews mit ihren Gästen und landeten im Erzabbau-Gelände.

Nach der Fahrt zog schlechtes Wetter auf und so hieß es die nächsten drei Tage warten auf gutes Ballonwetter. Die Region Lappland hat aber auch beeindruckende Sehenswürdigkeiten zu bieten. So besuchten Harald und Daniela mit Ihrer Crew das Icehotel in Jukkasjärvi bei Kiruna und erkundeten die Stadt Gällivare und ihre Umgebung. Besonders beeindrucken konnte die beiden Deutschen jedoch die Ausfahrt mit dem Hundeschlitten – unbeschreiblich erschien ihnen die Kraft dieser Huskys und die Ruhe der verschneiten Natur.

Nach drei Tagen gab es endlich wieder Ballonwetter, und so konnte eine wundervolle Ballonfahrt über das verschneite Lappland stattfinden. Gestartet wurde wieder auf einer Straße. Die Schweden warten geduldig, bis die Himmelsriesen startklar waren. Ziel der Ballonfahrten in Gällivare ist immer der zugefrorene See direkt an der Stadt. Dort liegt ein Zielkreuz aus, und der Ballon, welcher am nächsten zum Zielkreuz landet, hat den Tagessieg errungen. Die Bergung vom See wurde von dem Rescue Team Douglas und Hempa auf ihren Schneemobilen durchgeführt – mit im Gepäck hatten die Beiden immer gute Laune und viel Spaß.

Der Ballon der Westfalen hebte ruhig ab und schon der erste Blick über die Bäume zeigte die unendlichen Weiten dieser Wälder. „Der erste Blick war schon erschreckend, und es bildete sich die Frage, wo wir hier je wieder landen sollten, würden wir den See verpassen. Der zweite Blick zeigte uns jedoch dann die Schönheit Lapplands und wir konnten endlich Rentiere und Elche aus dem Heißluftballon beobachten“, erzählen die beiden Piloten Daniela und Harald. Um es vorweg zu nehmen, alle Ballonfahrten der beiden endeten mit einer glücklichen Landung auf dem See. Andere Teams hatten dieses Glück nicht und mussten zum Teil ihre Ballone bis Nacht um 3 Uhr aus den Wäldern bergen.

Insgesamt konnten Harald und Daniela mit Ihrer Mannschaft vier eindrucksvolle Ballonfahrten machen. Und so fällt das Fazit der beiden Piloten positiv aus: „Für uns war diese Reise ein Abenteuer, das viele tolle Erfahrungen gebracht hat. Wir haben noch nie so weißen Schnee gesehen. Beim Einfall der Sonne funkelt der Schnee wie tausende Diamanten. Den Wunsch, Elche und Rentiere aus der Luft zu sehen, haben wir uns erfüllen können. Als Zugabe durften wir an einem Abend noch das Schauspiel der Nordlichter über dem Berg Dundret erleben!“


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Informationen zu den Piloten


Harald Henkel aus Südlohn-Oeding ist Pilot seit 2006 und fährt mit dem Heißluftballon im Westmünsterland und auf internationalen Ballontreffen, wie Malaysia, Indien, USA und Thailand. Harald ist 51 Jahre alt, Vater von zwei Kindern. Sein Sohn Fabian begleitet ihn oft auf seine Ballonabenteuer (so auch in Lappland)

Daniela Klees lebt in Bottrop-Grafenwald und arbeitet in Gescher. Sie ist seit 2013 Pilotin und die zweite Generation Ballonfahrer in der Familie (die Mutter fährt seit über 20 Jahren Heißluftballon). Daniela besitzt ihren eigenen Ballon und fährt damit am Niederrhein und im Westmünsterland. Immer wieder zieht es sie auch mit Ihrem Ballon in die weite Welt, z.B. zu Ballontreffen in Frankreich oder in die Alpen.

Beide Piloten waren 2015 Teilnehmer des Weltrekordes in Frankreich bei dem 433 Ballone aus einer langen Reihe gleichzeitig gestartet sind.

Bei Fragen stehen Daniela Klees und Harald Henkel gerne unter 0178 184 68 54 oder 0170 86 535 30 zur Verfügung.

Informationen zum Ballonfahren


Das grundlegende Prinzip des Ballons lautet: "leichter als Luft". Sowohl warme Luft als auch Gas haben eine geringere Dichte als die Luft, die sie umgibt.

Beim Start wird der Ballon hingelegt und mit dem Ventilator mit Umgebungsluft befüllt. Ist der Ballon ausreichend befüllt, wird die Luft mit dem Brenner innerhalb von wenigen Augenblicken auf eine Temperatur von ca. 80-100° Celsius gebracht und der Ballon ist startklar. Ist der Ballon dann erst einmal in der Luft, hat der Pilot nur noch einen sehr begrenzten Einfluss auf die Geschwindigkeit und Steuerung. Denn allein der Wind bestimmt die Fahrtrichtung. Der Pilot kann einzig unterschiedliche Windrichtungen in verschiedenen Höhen dazu nutzen, zu beeinflussen, wohin die Ballonfahrt geht. Dafür analysiert er vorher ausführlich die Windbedingungen.

In der Physik spricht man von "fliegen", wenn ein Fluggerät eine höhere Dichte als die Luft hat. Das ist aber beim Ballon nicht der Fall. Deshalb fliegt er physikalisch gesehen nicht, sondern er fährt. Wenn man zum ersten Mal mit einem Ballon fährt, wird häufig ein besonderes Ritual vollzogen: Es wird auf die Fahrt angestoßen, und die Erstfahrer schwören bei der Ballonfahrertaufe, nie mehr Ballonfliegen zu sagen. Außerdem verpflichten sie sich, jedem Ballonfahrer, den sie treffen, zu helfen. Anschließend wird eine Haarsträhne eines jeden Erstfahrers vom Piloten angesengt und sofort durch Champagner gelöscht.
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