Ein ehemaliger Flüchtling bietet mit Verein Hilfe zur Selbsthilfe

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Der Stadtanzeiger traf Thorsten Schnelle (l.) und Mohamed Moussa zum Gespräch im Agora Kulturzentrum.

Mohamed Moussa war fünf Jahre alt, als er mit seinen Eltern und Geschwistern vor dem Krieg im Libanon floh und schließlich in Castrop-Rauxel eine neue Heimat fand. Heute führt der 42-Jährige ein Architekturbüro und hat Anfang Dezember den gemeinnützigen Verein „BASIS“ gegründet. „Der Verein soll als Bindeglied zwischen Flüchtlingen/Migranten, der freien Marktwirtschaft und den Bürgern fungieren“, erklärt Moussa. Hilfe zur Selbsthilfe wird bei „BASIS“ ganz großgeschrieben.

Auch Mohamed Moussa erhielt seinerzeit Hilfe. Es waren wenige helfende Hände, aber sie waren prägend. „Die Gesellschaft war nicht so aufgestellt, dass sie Modelle hatte, um Flüchtlinge und Migranten aufzufangen.“ Integration, so Moussas Überzeugung, werde nur durch Kommunikation gefördert. „Genau das hat damals nicht stattgefunden.“

Nachdem Moussas Familie drei Monate in einem Übergangslager in Berlin untergebracht war, kam sie nach Castrop-Rauxel. „Wir haben mit weniger als Null angefangen“, blickt er auf das Jahr 1978 zurück.

An der Germanenstraße gab es sozialen Wohnraum. Moussas Familie lebte dort in einer Wohnung – „in einem Haus unter Deutschen“. Genau so sei es richtig. „Die Leute müssen auf Häuser und Stadtteile verteilt werden und dürfen nicht nur unter sich sein, denn so entstehen Parallelgesellschaften.“

Engagierter Lehrer

Nach der Grundschule besuchte Moussa die Hauptschule auf der Lange Straße. „Das war der klassische Werdegang eines Migranten.“ Doch dank eines engagierten Lehrers öffneten sich für Mohamed Moussa Türen. „Er gab mir nach dem Unterricht Nachhilfe. Er hat an mich geglaubt und Potential in mir gesehen.“ Moussa schaffte es und machte schließlich an der Willy-Brandt-Gesamtschule sein Abitur. „Vollabitur“, wie er betont. Anschließend folgte das Architektur-Studium an der Fachhochschule in Bochum, das er erfolgreich abschloss. „Ich bin kein Einzelfall in meiner Familie“, lächelt er und zählt auf: „Rechtsanwalt, Zahnarzt, Lehrer und IT-Fachmann“. Ein Bruder führe zudem ein Sicherheitsunternehmen. Und hier schließe sich der Kreis, „denn das Unternehmen bewacht Flüchtlingsheime in Berlin.“

„Wir sind Teil der Gesellschaft“, sagt Mohamed Moussa. „Wir sind in der Lage, zu helfen und zu unterstützen. Castrop-Rauxel ist unsere Heimat.“

Er wisse, wie es sei, „wenn einem geholfen wird.“ Und deshalb möchte er mit seinem Verein „BASIS“ ebenfalls Hilfestellungen geben. „BASIS“ steht für Bildung, Arbeit, Sicherheit, Integration und Soziales. „Die Sprache ist als erstes wichtiges Mittel an die Leute heranzubringen, damit sie sich erfolgreich integrieren können.“ Er weiß aber auch: „Integration kommt von beiden Seiten.“

Ob es nun Deutsch- und Computerkurse sind, die Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche, die Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen oder aber ein Begegnungstreff: „BASIS“ möchte viele Angebote zur Verfügung stellen.

„Die Gesellschaft hat sich geöffnet“

Angebote im Sozialraum hält auch die Integrationsagentur im Agora Kulturzentrum bereit. „Ziel ist es, Potentiale von Menschen mit Migrationshintergrund zu erschließen und Angebote zu machen“, sagt Thorsten Schnelle, Agora-Chef und Leiter der Integrationsagentur.

„Die Gesellschaft hat sich geöffnet“, ist Mohamed Moussa überzeugt. „Und je mehr Angebote man zur Verfügung hat, desto mehr sind auch die Migranten in Zugzwang, sie wahrzunehmen. Das ist genau der richtige Weg.“
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