Sankt Martin: Raus aus den Kindergärten?

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Geht es Sankt Martin an den Kragen? Soll er raus aus den Kindergärten, damit muslimischen Kindern nicht länger christliche Traditionen aufgezwungen werden? Rüdiger Sagel, NRW-Chef der Linken, wurde jedenfalls in einer Zeitung dahingehend zitiert. Auch eine Umbenennung des Umzuges in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ wurde angeblich angeregt. „Davon war nie die Rede“, meint Ingo Boxhammer, Castrop-Rauxeler Ratsmitglied der Linken. Die Aussagen seines Kollege seien missinterpretiert worden (was Sagel ebenfalls betont).

„Es ist absoluter Unsinn, diesen Tag abzuschaffen.Und das hat auch niemand gesagt.“ Sagel habe lediglich angeregt, darüber nachzudenken, das Martinsfest eventuell mit Festen zu verbinden, die Muslime zu ähnlichen Zeiten feierten.

Dass die Linken die Wogen glätten wollen, erstaunt nicht. Schließlich steht Sankt Martin wie kein anderer Heiliger für den Gedanken des Teilens. „Sankt Martin (wenn er denn existiert haben sollte) wollte teilen und hat es auch getan“, sagt Boxhammer. Und auch seiner Partei ginge es um Solidarität. „Wenn Sankt Martin heute leben würde, wäre er Mitglied der Linken“, ist Boxhammer überzeugt.

Und was sagt man in Castrop-Rauxeler Kindergärten zur Martinsfest-Debatte?
„Es ist ein gewachsenes Fest, das zu unserer Kultur dazugehört“, erklärt Christiane Reichert, stellvertretende Leiterin des Henrichenburger St. Lambertus-Kindergartens. Ein Problem habe es deswegen nie gegeben. Und wenn am Montag (11. November) der Martinsumzug beginne, würden daher auch die rund zwölf türkischen, marokkanischen und griechischen Kindergartenkinder mit ihren Eltern und den gebastelten Laternen durch die Straßen Henrichenburgs laufen.
In der AWO-Kita Deininghausen nennen sie das Martinsfest ‚Laternenfest‘. Damit nehme man Bezug auf die dunkle Jahreszeit, sagt Einrichtungsleiterin Barbara Schwede-Bönte.

Das heißt aber nicht, dass St. Martin in der nicht konfessionell gebundenen Einrichtung außen vor bleibt. „Wir spielen das Stück bei uns“, so Schwede-Bönte. Kinder und Eltern aller in der Kita vertretenen Glaubensrichtungen feiern gemeinsam ihr Laternenfest. „Es geht darum, den Kindern beizubringen, dass man anderen etwas abgibt.“ Das sei im Übrigen auch der Gedanke des muslimischen Opferfestes. Und so wird auch dieses Fest in der Deininghauser Kindertageseinrichtung gefeiert. „Es ist das Ziel unserer Arbeit, den Kindern aus allen Kulturen etwas mitzugeben“, sagt die Kita-Leiterin. „Kulturelle Vielfalt kann uns nur bereichern“.
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