Bundestagswahl: Marco Bülow (SPD) verdient wiedergewählt - LINKE drittstärkste Kraft im Bund - FDP-Kandidaten suchen Anschlussverwendung

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Vorläufiges Ergebnis der gesamten Zweitstimmen in Dortmund gemäß der Internetseite https://www2.domap.de/wps/portal/dortmund/wahlen#w...
 
Winning Team der Partei DIE LINKE: 100 Prozent sozial! (Foto: DIE LINKE)
Dortmund: Rathaus |

Zumindest im Bezug auf Dortmund muss man es den Sozialdemokraten lassen, dass ihre einstige Herzkammer noch pumpt. Marco Bülow (SPD) hat verdient sein Direktmandat gewonnen. Sein NEIN zum Afghanistan-Einsatz ist unvergessen, seine Enthaltung zur Entsendung der Patriot-Systeme zumindest -für einen Sozialdemokraten- akzeptabel. Auch Bundestagsneuling Frau Poschmann, die man aktuell politisch noch nicht richtig einschätzen kann, hat ihr Direktmandat deutlich gegen den CDU-Kandidaten gewonnen. In Dortmund ist die sozialdemokratische Welt noch in Ordnung. Die örtliche CDU hat mal wieder, wenn man das Rennen nur auf CDU & SPD fokussiert, einen hervorragenden zweiten Platz gemacht, während die SPD Vorletzte geworden ist.

Grüne: früher Max und Moritz heute bewaffneter Lehrer Lämpel

Die Grünen liegen in Dortmund knapp unter zehn Prozent und damit etwas über dem Bundesdurchschnitt. Zufrieden werden die Grünen damit aber wohl nicht sein. Der Veggie-Day dürfte ihnen nicht wirklich geschadet haben, da nicht Fleischverzicht, sondern Fleischkonsum-Reduzierung wohl sicherlich nicht verkehrt ist. Die aber mutmaßlich, wie so oft, von breiten Bevölkerungsschichten missverstandene Steuererhöhungsdebatte dürfte Stimmen gekostet haben, ebenso wie der Pädophilie-Skandal. Viele Wähler werden sich auch angesichts der Kriegsbereitschaft der Grünen bezüglich Syrien verwundert die Augen gerieben haben. Auch der Verbotsdünkel der Grünen wird vielen sauer aufstoßen: früher Max und Moritz-heute Lehrer Lämpel zieht offensichtlich beim Wähler nicht.

DIE LINKE: Gregor Gysi wird Oppositionsführer

Die LINKEN in Dortmund dürften hochzufrieden mit dem Wahlausgang sein. Sie sind zwar noch nicht gemäß dem alten Lied der Internationale die stärkste der Parteien. Aber das Dortmunder Ergebnis von fast acht Prozent ist sensationell und hat wesentlich zum guten Ergebnis im Bund beigetragen. Der massive Wahlkampfeinsatz von Sahra Wagenknecht dürfte seine Wirkung nicht verfehlt haben. "Wer hätte 1990 gedacht, dass diese Partei drittstärkste politische Kraft in der Bundesrepublik wird?", so Gregor Gysi, der selbstverständlich souverän sein Direktmandat gewann. Wenn die SPD wieder den Wasserträger für Merkel spielt, wird Gregor Gysi Oppositionsführer, da die Grünen im Bund abgeschlagen auf Platz vier liegen. Die Ausschließeritis sei mit dem heutigen Tage auch vorbei, so Gysi weiter. Die Dortmunder LINKEN sehen das Ergebnis auch als Steilvorlage für die Kommunalwahl 2014, bei der man für neue Mehrheiten in Dortmund streiten will. "95 Jahre Spaltung der deutschen Arbeiterparteien sind genug", sagte ein Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Linke Unternehmer (BagLiU), der Mittelstandsvereinigung der Partei DIE LINKE, am Rande der Wahlparty am Sonntagabend im Parteibüro augenzwinkernd. Auch der Wiedereinzug der Sozialisten in den Hessischen Landtag samt Stimmenzuwächsen ist ein ermutigendes Zeichen.

FDP: Marktradikale und Wirtschaftsextremisten vom Markt verschwunden

Die FDP und ihr örtliches Bundestagsmitglied Michael Kauch sind mutmaßlich schon mit dem Ausräumen der Büros beschäftigt. Offensichtlich hat es sich nicht ausgezahlt, den Liberalismus von einer Geisteshaltung zu einer Gehaltsklasse zu degradieren. Auch reicht es offensichtlich nicht, sich als Abgeordneter nur für die Belange der Minderheit einzusetzen, der man selber angehört. Die Bürger- und Freiheitsrechte werden in Dortmund sicherlich ehrlicher von Ulla Jelpke von den LINKEN vertreten, als von den angeblichen Liberalen. Aber sicherlich werden die nun arbeitslosen FDP-Abgeordneten eine entsprechende Anschlussverwendung bei ihren Freunden in der Wirtschaft und dem Hotelgewerbe finden.

Piratenprojekt am Ende - Landtagsfraktionsmitglied Stein verläßt Fraktion

Die Piraten landeten bei enttäuschenden 2,6 Prozent. Bei aller Sympathie für die engagierten Internet-Freiheitskämpfer dürfte das Piratenprojekt somit am Ende sein. Das Mitglied der Piratenfraktion des Landtags NRW, Robert Stein, hat am Nachmittag des Bundestagswahltags auch die Landtagsfraktion verlassen.

Trotz Achtungserfolg kein Erfolg im Bund und Hessen

Die AfD landete mit 4,1 Prozent einen überraschenden Achtungserfolg. Wenn man die Ablehnung der Bankenrettungen auf Staatskosten wie die LINKEN mit einer sozialen Ausgewogenheit gepaart hätte, würde die Truppe um Lucke wohl im Bundestag sitzen. Mit dem Ansatz "wirtschaftsradikaler als die FDP minus Bankenrettung und plus Euro-Austritt" konnte die AfD offensichtlich nicht entscheidend punkten.

DIE PARTEI hat immer recht

Bemerkenswert sicherlich auch das Abschneiden der Partei DIE PARTEI samt ihres Slogans "Das Bier entscheidet", des ehemaligen Chefredakteurs des Faktenmagazins Titanic Martin Sonneborn, die mit 1.347 Zweitstimmen in Dortmund immerhin 0,5 Prozent erhielt und angeblich die Spaßplakate der anderen im Bundestag vertretenen Parteien aufgehängt haben soll. "100 Prozent plus X sind drin", so die optimistische Prognose Sonneborns vor der Wahl. Sicherlich konnte DIE PARTEI auch davon profitieren, dass sie neben der Linkspartei, mit Samira El Quassil, die attraktivste Kanzlerkandidatin aufgestellt hatte.

Gregor Gysi auf phoenix:
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