Pläne für Seniorenwohnsitz an der Schützenstraße

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Die letzte Hoffnung, um das alte Gebäude an der Schützenstraße doch noch zu retten, wäre ein Ersatzgrundstück, auf das man dann das neue Heim bauen könnte. (Foto: Schmitz)
 
Pläne für den Neubau an der Schützenstraße. Ansicht von der Straße aus. (Foto: SHDO gGmbH)
Dortmund: Seniorenheim Schützenstraße |

Martin Kaiser, Geschäftsführer der Städtischen Seniorenheime Dortmund gGmbH, steckt irgendwie in einer Zwickmühle.

Er muss das alte Seniorenheim an der Schützenstraße vermutlich abreißen lassen, und an gleicher Stelle ein neues Heim bauen. Die Bewohner wollen das neue Heim eigentlich nicht, er auch nicht. Doch die gesetzlichen Vorgaben lassen ihm nicht viel Spielraum.

Das Alte Haus hat eine schöne Fassade, und eine zum Teil beeindruckende Innenarchitektur. So mancher in der Nordstadt ist nicht glücklich darüber, dass es verschwinden soll – umso mehr, als die ersten Entwürfe des Neubaus nicht gerade spektakulär aussehen.

Vor kurzem war Kaiser mit der SPD-Politikerin Nadja Lüders im Haus. Die Bewohner machten deutlich: sie wollen hier nicht weg, und die meisten wollen auch kein Einzelzimmer. „Es gibt dort Bewohner, die sind ganz bewusst hier eingezogen, weil sie ein Doppelzimmer mit einer ganz bestimmten Person teilen wollten.“ Doch genau das geht in Zukunft nicht mehr: „Ab dem 1. August dürfen wir in den Seniorenheimen maximal 80 Prozent Doppelzimmer haben. Wir müssen dem Gesetzgeber folgen“, bedauert Kaiser. „Die Politik geht hier an den Wünschen der Bewohner vorbei.“ Von den 70 Bewohnern des Hauses leben 64 in Doppelzimmern. Nur wenn ein Doppelzimmer frei wird, kann es in ein Einzelzimmer umgewandelt werden.

Aktuell deutet sich an, dass die Landesregierung die Regelung ab dem 1. Augsut relativ entspannt auslegt, wenn durch eine Baugenehmigung oder Ähnliches der Nachweis der geplanten Änderung erbracht wird.

Eigentlich sollte ein Neubau am Sportplatz an der Schützenstraße das Problem lösen. „Wir wollten einen Bebauungsplan für den Platz, das war vom zeitlichen Ablauf schon mal sportlich angelegt.“ Dann tauchte ein neues Problem auf: „Der RVR hat dafür neue Verfahrensrichtlinien angelegt und musste bei der Planung beteiligt werden. Damit war der vorher schon enge Zeitplan nicht mehr zu halten. Das neuen Heim auf dem Sportplatz soll weiterhin gebaut werden. Doch er wird später kommen als geplant, vermutlich 2020, und anders als bisherige Seniorenheime aussehen.

„Dort soll es nur so viel Pflege für die Menschen geben, wie individuell nötig ist. Pflegebedürftige Paare sollen immer zusammenbleiben können, die ganze Struktur orientiert sich mehr an Wohngruppen. „Die Wohnungen sind kleiner, die Gemeinschaftsplätze größer. Die Bewohner bekommen Mietverträge, sie sollen insgesamt mehr Selbstbestimmung erhalten.“ Am Ende steht eine Lösung mit kleinräumigen Quartieren“ - eine neue Form der Seniorenheime.

Doch das geplante Heim an der Schützenstraße sieht noch so aus, wie man Seniorenheime heute kennt: An Krankenhäusern orientierte Architektur mit Einzelzimmer und Stationen. Ein Auslaufmodell. Es wird wohl das letzte Heim in dieser Form sein, das er baut, schätzt Kaiser.

Gerne würde er den klassizistischen Altbau an der Schützenstraße erhalten, doch das sei so, als ob man versuchte, aus einem Oldtimer ein modernes Auto zu machen: „ Für eine Ertüchtigung des Altbaus müsste man richtig Geld in die Hand nehmen. Wir bräuchten eine neue Heizungsanlage. Zum Teil sind die Räume vier Meter hoch, wie soll man daraus Einzelzimmer machen? Wir haben das tausendmal überprüft, es ist nicht zu machen. Mit drei Jahren Aufschub würde man andere Lösungen hinkriegen“, ist sich Kaiser sicher.

Die aktuellen Pläne am Standort sehen vor, das alte Heim weiter zu nutzen, solange das neue Haus gebaut wird. Die Bauanträge sind gestellt, etwa 2020 könnte das neue Heim fertig sein, dann würde das alte abgerissen. „Insgesamt soll die Situation, wie sie in den 50er Jahren war, wieder hergestellt werden. Hinter dem neuen Gebäude soll dann ein kleiner Park entstehen.“ Kosten wird der Neubau rund 8,4 Millionen Euro, refinanziert wird er aus dem Pflegewohngeld. Rund 2000 Euro sind das pro Quadratmeter. „Für Dortmund ist das die unterste Grenze, zu der man bauen kann – und das zwingt uns, auf eigenen Grundstücken zu bauen.“

Die letzte Hoffnung, um das alte Gebäude an der Schützenstraße doch noch zu retten, wäre ein Ersatzgrundstück, auf das man dann das neue Heim bauen könnte: „Wir brauchen 4000 Quadratmeter, am besten fußläufig zur Schützenstraße oder im Einzugsgebiet. Wer so etwas hat, soll es uns bitte anbieten.“
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