Solidarische Landwirtschaft Kümper Heide: Produzenten-Verbraucher-Gruppe gegründet - SOLAWI statt Agrokonzerne

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Sich die Ernte teilen. Solidarische Landwirtschaft nun auch in Dortmund. Die "SOLAWI Kümper Heide" wurde gegründet. (Foto: http://www.solidarische-landwirtschaft.org)
 
Elmar Schulte-Tigges, auf dem Hof geboren und aufgewachsen, ist seit 2013 offiziell der Chef des Bauernhofs. Er hat Geographie studiert und im In- und Ausland an den Themen Strukturwandel im Ruhrgebiet, Entwicklungsländerforschung und Globalisierungs- und Nachhaltigkeitsthemen gearbeitet. Von 2012 bis 2013 hat er eine Zusatzqualifikation in Bauernhofpädagogik gemacht und sich zum Bildungsreferenten für Nachhaltige Entwicklung fortgebildet. (Foto: http://www.lernbauernhof-schultetigges.de/hof-und-bewohner/menschen/bewohner.html)
Dortmund: Kümper Heide |

Am Donnerstag hat sich in Dortmund-Derne die Produzenten-Verbraucher-Gruppe der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) Kümper Heide auf dem Lernbauernhof Schulte-Tigges des Dipl.-Geographen und Bauernhofpädagogen Elmar Schulte-Tigges gegründet. Von den geplanten 50 Anteilen wurden am Abend bereits 40 von den Anwesenden verbindlich gezeichnet. Die "Solawi Kümper Heide" ist somit handlungsfähig.

Es besteht keinen Zweifel, dass die noch angestrebten weiteren zehn Anteile in den nächsten Tagen gezeichnet werden, da nach Monaten der Planung nun ein arbeitsfähiges Projekt existiert. Wer Interesse hat kann sich gerne direkt an den Bauernhof wenden: solawi-kuemperheide@riseup.net

Vor gut einem Jahr begann eine kleine Gruppe von Menschen sich mit folgender Problematik zu beschäftigen:" Wie kann heute angesichts des globalen Super-Marktes eine bäuerliche, vielfältige Landwirtschaft erhalten bleiben, die gesunde, frische Nahrungsmittel erzeugt und die Natur- und Kulturlandschaft pflegt?"

Ein Konzept der Zukunft

Bei Solidarischer Landwirtschaft (kurz Solawi) werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Teilnehmer*innen mit organisiert und finanziert wird.

Solidarische Landwirtschaft fördert und erhält eine bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft, stellt regionale Lebensmittel zur Verfügung und ermöglicht Menschen einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum.

Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, haben meist nur die Wahl entweder die Natur oder sich selbst auszubeuten. Ihre Existenz hängt von Subventionen und Markt- bzw. Weltmarktpreisen ab. Beide sind Faktoren, auf die sie keinen Einfluss haben und die sie häufig zwingen, über ihre persönliche Belastungsgrenze sowie die von Boden und Tieren zu gehen, oder ganz aus der Landwirtschaft auszusteigen. Auch der ökologische Landbau ist von diesem Mechanismus nicht ausgenommen.

Solidarische Landwirtschaft ist eine innovative Strategie für eine lebendige, verantwortungsvolle Landwirtschaft, die gleichzeitig die Existenz der Menschen, die dort arbeiten, sicherstellt und einen essenziellen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leistet.

Inzwischen gibt es 47 Solawi Höfe in Deutschland, Tendenz steigend. (Stand Februar 2014)

Die ganze Landwirtschaft - nicht das einzelne Lebensmittel - wird finanziert

Konkret handelt es sich dabei um einen Zusammenschluss von landwirtschaftlichen Betrieben oder Gärtnereien mit einer Gruppe privater Haushalte.

Landwirt*innen und Mitlandwirt*innen (die übrigen Mitglieder der Gruppe) bilden eine Wirtschaftsgemeinschaft, welche auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt ist und die natürliche Mitwelt berücksichtigt.

Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung verpflichtet sich diese Gruppe, jährlich im Voraus einen festgesetzten (meist monatlichen) Betrag an den Hof zu zahlen. Bei der Solawi Kümper Heide wurde als Richtwert nun € 45 kalkuliert. Der Richtwert bedeutet aber auch, dass der oder die Einzelne, der oder die vielleicht nur € 30 oder € 40 zahlen kann genauso willkommen ist, wie der oder die, welche*r vielleicht € 60 oder € 100 zahlen will. Solidarische Landwirtschaft halt.

Hierdurch wird dem*der Landwirt*in ermöglicht, sich unabhängig von Marktzwängen einer guten landwirtschaftlichen Praxis zu widmen, den Boden fruchtbar zu erhalten und bedürfnisorientiert zu wirtschaften.

Die Abnehmenden erhalten im Gegenzug die gesamte Ernte sowie weiterverarbeitete Erzeugnisse wie Brot, Käse etc. - sofern der Solidarhof diese herstellt. Der persönliche Bezug macht die gegenseitige Verantwortung bewusst. Die Mitglieder erleben, wie ihre Ernährungsentscheidung die Kulturlandschaft gestaltet, soziales Miteinander, Naturschutz und (Arten-)Vielfalt ermöglicht und so eine zukunftsfähige Landwirtschaft stattfinden kann.

Wesentlich ist also, dass eine Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte bzw. alles, was notwendig ist, um diese zu erzeugen, vorfinanziert. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte.

Zum Weiterlesen:
www.solidarische-landwirtschaft.org
www.lernbauernhof-schultetigges.de

Einen WDR-Bericht in der Lokalzeit finden Sie hier. (ab 3:48)

Solidarische Landwirtschaft (SOLAWI)- Community Supported Agriculture (CSA)
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