„Eis nach einem Tag gebrochen“: Azubis und Migranten arbeiten in Ausbildungswerkstatt zusammen

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Die jugendlichen Migranten und die Azubis arbeiten in der Ausbildungswerkstatt Hand in Hand. (Foto: Andreas Klinke)
 
Ausführlich erklären die Azubis den Migranten die Arbeit. (Foto: Andreas Klinke)
Dortmund: Ausbildungswerkstatt |

Die Ferien werden zum Lernen genutzt – und das rein freiwillig: Rund zwei Dutzend Migranten sind beim Projekt „MigrAzubis“ insgesamt vier Wochen in der Ausbildungswerkstatt in Körne zugange.

In der Ausbildungswerkstatt der DSW21 in Körne geht es trotz der Sommerferien geschäftig zu. Junge Migranten und Azubis arbeiten in den hellen, großen Räumen zusammen an den unterschiedlichsten Aufgaben. Die Azubis bringen den Flüchtlingen ihre Fähigkeiten bei und erfahren auch etwas über die Migranten.
„Es ist super gelaufen“, freut sich DSW21-Sprecherin Britta Heydenbluth. Die Idee zu dem Projekt hatte DSW21-Mitarbeiterin Birgit Ehm. Sie stellte fest, dass die Sommerferien für acht junge Flüchtlinge, die sie ehrenamtlich in Deutsch unterrichtet, verschenkte Zeit seien, da sie ihr Deutsch verbessern möchten, aber kaum Gelegenheit dazu haben. Ihre Idee, ein Praktikum in der Ferienzeit, wurde zum vierwöchigen Projekt „MigrAzubis“ bei DSW21, DEW21 und DONETZ weiterentwickelt.
Die 13 Jugendlichen der aktuellen Gruppe wohnen alle im Vincenzheim an der Osterholzstraße. Vorher waren 12 Migranten aus Castrop-Rauxel hier. Verständigungsprobleme gibt es kaum. „Zur Not erklären unsere Azubis eine Sache eben fünf oder sechs Mal. Da sind sie sehr geduldig. Überhaupt sind beide Seiten sehr bemüht“, freut sich Dieter Heuvemann, Leiter der Ausbildungswerkstatt. Der Kontakt wird auch in der Freizeit gehalten. „Die Flüchtlinge sind sehr dankbar, dass die Azubis sich Zeit für sie nehmen“, freut sich auch Seval Aksoy von der Kausa-Servicestelle, die neben anderen Partnern das Projekt unterstützt. „Die Azubis haben sogar Bilder mit Erklärungen angefertigt. Das Eis war nach maximal einem Tag gebrochen!“
Auch Ausflüge stehen auf dem Programm. Neben der Stadtbahnwerkstatt und der Buswerkstatt ging es auch zur Hohensyburg oder an den Phoenixsee. „Das Freilichtmuseum Hagen und der Movie Park Germany standen auch auf dem Programm“, sagt Heuvemann. „Die Azubis fuhren natürlich auch mit, damit sie für ihr Engagement belohnt werden.“
„So kennen die Azubis die Flüchtlinge nicht nur aus dem Fernsehen oder der Zeitung, sondern direkt“, bringt es Heuvemann auf den Punkt. Die Sommerferien sind aufgrund ihrer Länge perfekt geeignet. Taher (16) aus Syrien findet es toll hier. „Die Azubis helfen uns sehr. Die Elektrikwerkstatt gefällt mir am besten.“ Azubi Dominik (17) aus Bodelschwingh hilft ihm gerne und erklärt viel. „Er nutzt jede Minute, um etwas zu lernen.“ Kira (20) aus Schwerte und Paula (20) aus Selm finden das Engagement der Migranten auch super. Quaid (17) aus dem Irak würde am liebsten auch nach dem Ende des Projektes kommen. „Beim Fußballspielen sehen wir uns auf jeden Fall wieder“, sagt Kira.
Zum Abschluss gibt es ein gemütliches Beisammensein, bei dem auch Gerichte der Migranten gekocht werden. Auch die ein oder andere Träne wird dabei verdrückt, da es nun auseinandergeht. Aber nicht komplett: „Wir wollen im Abstand von einigen Monaten immer wieder was machen. So soll es etwa demnächst ein Fußballturnier und eine Besichtigung des Flughafens geben“, sagt Heuvemann. Er kann sich auch gut vorstellen, die Aktion 2017 zu wiederholen. „Vielleicht landet der ein oder andere auch als Bewerber auf einen Ausbildungsplatz bei uns.“
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