Czierpka: "Weitere öffentlich geförderte Wohnung wären für Wickede kontraproduktiv"

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Viel besser gefielen dem Wickeder Sozialdemokraten und Brackeler Bezirksbürgermeister die vor 14 Jahren im alten Bebauungsplan vorgesehenen Pläne fürs Wohnen am nordwestlichen Ortstrand Wickede. Das Hamburger Planungsbüro Deichstraße hatte mit seinen "kraftvollen und überzeugenden" Vorschlägen damals den ersten Platz im Gutachterverfahren belegt. Besonders die attraktive Allee und die Gestaltung des Siedlungsrandes gefielen auch dem damaligen Kommissionsmitglied Czierpka. (Foto: Planungsbüro Deichstraße)
 
Brackels Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czirpka übt deutliche Kritik an der Form des neu geplanten Wohngebietes Wickede-West.
Dortmund: Wohngebiet Wickede-West |

In den Jubel über den neu aufzustellenden Bebauungsplan Br 196/Wickede-West kann Brackels Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka nicht wirklich einstimmen.

"Mehr bezahlbarer Wohnraum - das ist ein achtbares Ziel der Dortmunder Wohnbaupolitik", sagt Czierpka: "Auch die Vorgabe des Rates, in Dortmund stets 25 Prozent der neu zu erstellenden Wohnungen öffentlich zu fördern, ist eine wichtige Grundlage für preiswerte Wohnungen. Sinn macht das aber nur dann, wenn dieser Ansatz für die Summe aller Neubauten in der Stadt gilt und nicht schablonenhaft auf jedes einzelne Projekt übertragen wird", moniert der Wickeder SPD-Politiker.

Für Wickede wären weitere öffentlich geförderte Wohnungen kontraproduktiv, urteilt Czierpka: "Völlig egal, welche Zahlen man sich aussucht, ob man es an der Kaufkraft festmacht, an der Zahl der Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern, an der Arbeitslosigkeit, speziell der Jugendarbeitslosigkeit, oder an der Zahl der Kinder, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch erhalten - Wickede ist das Schlusslicht im Stadtbezirk", stellt Czierpka dar. Speziell die Unterbezirke Wickeder Feld und Flughafen gleichen, so der Sozialdemokrat, bei mehreren Faktoren den Nordstadt-Bezirken. Er erinnert: "Nicht ohne Grund sind beide Bereiche als Aktionsräume der Sozialen Stadt gekennzeichnet worden, die einzigen im ganzen Stadtbezirk Brackel."

Czierpka fordert höherwertigen Wohnraum


Seit Jahren stehe daher fest: Wenn es neue Bauflächen in Wickede gibt, muss der Fokus auf attraktivem Wohnraum liegen, damit auch Menschen mit höherem Einkommen nach Wickede kommen.

Czierpka zeigt auf: "Ein Ort funktioniert dann, wenn die Mischung stimmt. In Wickede hat dieser Mix deutlich Schlagseite. Das ist schlecht für die Infrastruktur, für die Gewerbetreibenden im Ort, für die Vereine, für jede Art von Betätigung."

Deshalb findet er, dass 150 neue Wohneinheiten, davon 100 im Geschoss-Wohnungsbau, und insgesamt 25 Prozent öffentlich gefördert, kein Ziel sei, um die Schieflage Wickedes in den Griff zu bekommen. Czierpka verweist darauf, dass die die Verwaltung zudem eine ähnliche Verteilung auch für die geplante Bebauung an der Morgenstraße vorsieht. "Wickede würde vielmehr eine Planung ähnlich der Stadtgärtnerei oder wie im Baugebiet Kahle Hege helfen, dafür wäre auch ein Eingriff in den Freiraum zu verantworten", verweist der Bezirksbürgermeister auf Vorbilder in Brackel und Asseln.

"Dicht gedrängte Einheitsplanung"


Czierpka erinnert an die ursprünglichen, auf Eis gelegten Neubau-Planungen für Wickede-West: "Wenn man den neuen Bebauungsplan Br 196 mit dem ursprünglichen Plan vergleicht, so lassen sich außer der Nummer kaum Ähnlichkeiten feststellen." 300 bauträgerfreie Wohneinheiten waren ursprünglich auf 35 Hektar geplant, umfasst von einer attraktiven Allee, die das ganze Baugebiet am nordwestlichen Ortsrand Wickedes umschließen sollte. "Statt dessen nun eine dicht gedrängte Einheitsplanung, 150 Wohnungen auf 10 Hektar. Das ist ein völlig anderes Quartier", schüttelt Czierpka den Kopf.

Schützenhilfe bekommt der Bezirksbürgermeister vom Wickeder SPD-Ratsmitglied Friedhelm Sohn: „An dem Plan muss sich eine Menge ändern!“

Info: Am Donnerstag, 3. März, ab 16 Uhr steht die Bauleitplanung Wickede-West auch auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung (BV) Brackel im Balou, Oberdorfstr. 23. Die BV soll eine Empfehlung abgeben; beschließen soll dann der Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen (AUSW) in seiner Sitzung am 9. März.
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